08. März 2010 10:47
Bei der 82. Oscar-Verleihung schlug sie ihre Regiekollegen vom anderen
Geschlecht mit deren eigenen Waffen, denn ihr knallharter Action-Kriegsfilm "Tödliches
Kommando - The Hurt Locker" ist eigentlich ein klassischer Männerfilm.
Doch in diesen Kategorien denkt sie selbst am wenigsten.
"Ich sehe mich als jemanden, der Filme macht, und freue mich auf den
Tag, wenn Mann oder Frau keine Rolle mehr spielt", sagte die 58-Jährige
mit dem Look eines Ex-Models kürzlich in der CNN-Talkshow mit Larry King.
Dennoch sei sie natürlich stolz die erste Frau zu sein, die diesen Preis
gewinnt, sagte sie direkt nach der Oscar-Gala: "Ich hoffe, ich bin die
erste von vielen (Frauen)." Aber bisher höre sie immer noch die ewig
gleiche Frage: Was, eine Frau hat das inszeniert?
Und dies nicht nur bei ihrem aktuellen Film: Die 1,82 Meter große
Regisseurin hat seit jeher einen Hang zu Action, Thrillern und harten
Kerlen. In dem Cop-Thriller "Blue Steel" (1990) machte sie Jamie
Lee Curtis als toughe Polizistin, die einen Serienkiller austrickst, zur
Heldin. Ein Jahr später schleuste sie Keanu Reeves in "Point Break
- Gefährliche Brandung" als Undercover-Agent in die Surfer-Szene
ein, mit Patrick Swayze als zwielichtigem Bankräuber. Der Action-Film
spielte allein in den USA mehr als 43 Millionen Dollar ein, bis dato
Bigelows größter Kassenschlager.
Produziert wurde er von ihrem damaligen Ehemann, "Titanic"- und "Avatar"-Regisseur
James Cameron. Das Power-Paar hielt es nur zwei Jahre miteinander aus, doch
seit der Scheidung 1991 sind sie noch gut befreundet. Cameron schrieb auch
das Drehbuch für Bigelows Science-Fiction-Film "Strange Days"
(1995), mit Ralph Fiennes als Ex-Polizist, der eine Verschwörung aufdeckt.
Nun trumpfte sie ausgerechnet gegen ihren Ex-Mann auf, der auch für den
Regie-Oscar nominiert war.
Bigelow wuchs nahe San Francisco als einziges Kind einer Bibliothekarin und
eines Managers einer Farbenfabrik auf. Sie entdeckte früh ihre Liebe zur
Malerei, schrieb sich an der Kunstakademie in San Francisco ein und zog mit
einem Stipendium für talentierten Nachwuchs nach New York. Dort wechselte
sie schließlich zum Film. "Malerei ist ein bisschen elitär, Film
dagegen überschreitet Kultur und Klassen", erklärte sie 2002.
Mit 30 Jahren drehte sie ihren ersten Spielfilm. Für das Biker-Drama "Die
Lieblosen" - im Stil von Marlon Brandos "Der Wilde" - holte
sie Willem Dafoe vor die Kamera. "The Hurt Locker" ist Bigelows
achter Film, den sie mit einem kleinen Budget von 15 Millionen Dollar unter
härtesten Bedingungen realisierte. "Jeder Tag war eine Art Spiel
mit dem Feuer, mit Sandstürmen, Windstürmen und der strapaziösen Hitze im
Nahen Osten", sagte sie der "Los Angeles Times", nachdem sie
Anfang Februar von ihren neun Oscar-Nominierungen erfahren hatte. Den
Thriller über Bombenentschärfer der US-Armee im Irak drehte sie in
Jordanien, dicht an der irakischen Grenze.
An den US-Kinokassen floppte das Kriegsdrama, doch Kritiker und
Filmpreisverleiher waren begeistert. Im Kopf-an-Kopf-Rennen um einen Golden
Globe mit Cameron unterlag Bigelow dem "Avatar"-Regisseur, doch
der war über seinen Sieg im Jänner sichtlich überrascht. "Ich
habe nichts vorbereitet. Offen gesagt, ich dachte, dass Kathryn gewinnt",
stotterte er auf der Bühne. "Sie hätte es verdient".
Dann steckte sie als erste Frau die Top-Trophäe des US-Regisseurverbandes "Directors
Guild of America" ein und räumte bei der Verleihung der britischen
Bafta-Filmpreise mit "The Hurt Locker" gleich sechs Auszeichnungen
ab - ebenso viele wie bei den Oscars.