Patti Hansen: 'I will survive'

Will Krebs enttabuisieren

Patti Hansen: 'I will survive'

Gäbe es nur einen Begriff, mit dem man Patti Hansen beschreiben könnte, es wäre „all in one“.  Die blonde Norwegerin, 54, eines der großen Top-Models der Siebziger und Achziger und Ehefrau von Rolling Stone-Gitarrist Keith Richards, symbolisiert den klassischen „American Dream“: Frisch von der Hotdog-Bude ihres Vaters weg als 16-Jährige von New Yorks größter Model-Agentin entdeckt, folgten Weltkarriere, Rock-n-Roll-Ehe,  zwei Töchter (beide heute  als Models erfolgreich) und ein Leben in Privatjets, auf Luxusjachten und VIP-Parties.

Keith Richards Patti Hansen © WireImage.com/Getty
Bild: (c) WireImage.com/Getty
Patti Hansen ist seit 27 Jahren skandalfrei mit Keith Richards (rechts) verheiratet: „Wir fetzen uns, aber wir lieben uns.“

Family-Secret
In den Schlagzeilen fand man Patti Hansen selten. „Ich sah mich nie als öffentliche Person, bin vom Typ her verschwiegen, gebe ungern Interviews und hasse es, in TV-Shows aufzutreten“, erzählt sie in ihrem mit prachtvollen Antiquitäten ausgestatteten Haus in Connecticut. Unzählige Fotos aus ihrer Modelzeit, geschossen von den besten Fotografen der Welt, hängen hier an den Wänden, Dutzende Gitarren von Ehemann Keith, mit dem die 1,86 große Wahl-New Yorkerin seit 27 Jahren verheiratet ist, lehnen herum.

Hansens Presseagentin Rose serviert Obst und Kaffee. Doch die Medien-Audienz ist nicht als Kaffekränzchen gedacht. Die strahlende Plus-Fünfzigerin („ich habe nie und werde nie einen Schönheitschirurgen konsultieren. Keith fände das nicht sehr sexy“) hat sich entschlossen, erstmals über ihre Krebserkrankung zu sprechen. „Nicht, weil ich den  Drang habe, öffentlich zu sein“, sagt sie. Ich werde meinen Krebs nicht vermarkten, aber ich will der Krebsart, von der ich betroffen bin, das Stigma nehmen. Über „meinen“ Krebs wird in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht geredet...

Es begann als schleichender Prozess, im Winter 2007, erzählt Hansen: „Ich bemerkte Blut im Urin. Dachte an eine Blasenentzündung, wie ich schon viele hatte. Nichts besonderes. Jede Frau hat Blasenentzündungen...“
Harte Diagnose.  Die Schmerzen wurden unerträglich, der konsultierte Arzt stellte einen Tumor in der Blase fest. So groß wie ein Tischtennisball. Blasenkrebs im bereits kritischen Stadium, lautete die Diagnose. Sofortige Operation lebensnotwendig.

„Mein erster Gedanke war: Unmöglich! Ich bin der gesündeste Mensch, den ich in meinem Umfeld kenne. Ich ernähre mich bewusst. Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich bin seit Jahrzehnten die Anti-These zum „Sex, Drugs & Rock'n Roll“-Image der Band meines Mannes. Die Nächte, in denen ich auf Tischen getanzt habe, sind mindestens zwanzig Jahre her. Ich bin topfit. Warum ich?“

Keine Zeit
Zeit zum Grübeln blieb nicht. „Die Ärzte sagten, dass ich ohne Operation noch längstens drei Jahre hätte. Dass sie mir die Blase entfernen müssten und eine künstliche einsetzen werden. Drei Jahre, kann man sich das vorstellen? Dieses verdammte Monster in meinem Körper, dachte ich, dieser Scheißkerl namens Krebs, was will der von mir ?“ („what the hell wants those fucking guy“, so Hansen im O-Ton).
Nach der OP folgte die Chemotherapie. Hansen: „Du sitzt da, während das Gift in deinen Körper fließt, das Gift, von dem du weißt, dass es deinen Feind tötet. Der Feind ist der Krebs. Aber dein Körper ist dein Freund. Du hetzt den Feind auf deinen Freund, damit du überlebst. Es ist schizophren, aber lebenswichtig. Und trotzdem ich es selbst durchgemacht habe, weiß ich bis heute nicht, wie das andere überstehen. Es ist Bullshit. Ganz einfach das.“

Keith war da
War Keith Richards während der schwersten Zeit ihres Lebens eine Stütze für sie? Patti Hansen schmunzelt und verdreht die Augen. „Männer! Sind Männer eine Stütze, wenn ihre Frauen krank werden? Keith war immer da, hielt meine Hand, wir sind gemeinsam durch diesen Prozess gegangen. Ich war immer das Rückrat der Familie. Keith war verzweifelt, weil sein Rückrat verletzt war...“
Offiziell gilt Patti Hansen heute als geheilt, das Leben mit einer Kunstblase sieht sie positiv: „Seht mich an! Sehe ich aus wie ein kränklicher, älterer Herr? Blasenkrebs ist ein Männerthema, betrifft aber Hunderttausende Frauen, die nicht darüber reden. Ich nenne meine neue Blase „Iron Lady“. Absolut dicht! Auch wenn ich neunzig bin, werde ich Trampolin springen können, ohne undicht zu werden! Alles hat sein Gutes...“

Fashion Show Istanbul Uschi Fellner © zVg
Alexandra Richards, Tochter von Patti Hansen und Keith Richards, mit MADONNA-Herausgeberin Uschi Fellner.

Meine Mutter ist eine Heldin!
Alexandra Richards im Interview über ihre Mutter Patti Hansen.

Alexandra, Sie modeln wie Ihre Mutter. Sind die großen Namen Ihrer Eltern Segen oder Fluch?
A. Richards:
Ausschließlich Segen. Natürlich öffnen diese Namen Türen, und ich bin dankbar dafür. Jede andere Einstellung wäre vermessen.  Ich weiß nicht, ob es mein Lebensziel ist, Model zu werden. Meiner Mutter ist das ja mehr oder weniger passiert, dann hat sie das Beste daraus gemacht. Zum Beispiel, weil sie meinen Vater geheiratet hat (lacht). 

Wie sind Sie erzogen?  
A. Richards:
Konservativ. Meine Mutter war streng, mein Vater weniger, er war auch weniger da. Meine Mutter sagte immer: macht, was ihr für euch richtig findet, aber macht keinesfalls,  was ich in eurem Alter richtig gefunden habe! Sprich: Alkohol und Drogen sind ein No-go. Da versteht meine Mutter bis heute keinen Spaß.

Ihr Vater schon eher?
A. Richards:
Nein, mein Vater macht, was meine Mutter sagt. Sie ist der Fels in der Familie. Meine Mutter ist eine Heldin. Die einzige, auf die mein Vater hört. Meine Familie mag ein Rock´n Roll-Image haben, in Wahrheit sind wir das Gegenteil. Der Clan hockt am liebsten in der Küche und quatscht.

Geht es da manchmal laut zu?
A. Richards:
Klar. Meine Eltern fetzen sich gewaltig, aber sie lieben einander. Einer ohne den anderen geht nicht.

Autor: Uschi Fellner
Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden
Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum