Verletzte Amazonen

Die mutigsten Frauen 2011

Verletzte Amazonen

Ein Bild spricht mehr als tausend Worte: Die 40-jährige Uta Melle mit weißen Amazonen-Flügeln, strahlend lachend, ohne Haare – und ohne Brüste. Die Geschichte der deutschen zweifachen Mutter war wohl eine der beeindruckendsten im letzten Jahr.  Nach der Schockdiagnose Brustkrebs nur sieben Tage vor ihrem 40. Geburtstag hatte sie sich nicht nur dazu entschieden, den tapferen Kampf gegen die tückische Krankheit aufzunehmen – sie hatte sich auch dazu entschieden, sich beide Brüste entfernen zu lassen. Und: ihren „neuen“ Körper der Öffentlichkeit zu zeigen. Ihre Freundin, die renommierte Fotografin Jackie Hardt, setzte die Geschichte dieser starken Frau eindrucksvoll in Szene (MADONNA berichtete im Juni 2010).

Uta Melle Amazonen Bildband Brustkrebs © Jackie Hardt Photography, Kehrer Verlag
Im März erscheint 'Amazonen', herausgegeben von Nadine Barth. (Kehrer Verlag)

Mut zum neuen Leben
Uta Melle hat den Kampf gegen den Brustkrebs gewonnen. „Die Bilder haben mich für mein neues Leben, das Leben danach, stark gemacht“, erzählt sie im Gespräch mit MADONNA. „Deshalb wollte ich dieses tolle Erlebnis mit anderen Frauen, denen Ähnliches widerfahren ist wie mir, teilen.“ Das Ergebnis ist ein faszinierender Bildband, der im März erscheint. In Amazonen – Das Brustkrebsprojekt (Verlag Kehrer) zeigen 20 Frauen ihre vom Krebs gezeichneten Körper – kunstvoll inszeniert als Amazonen, als jene Wesen der antiken Mythologie, die ihre Brüste wegbrennen ließen, um den Bogen leichter spannen und somit besser für den Kampf gewappnet zu sein. In MADONNA spricht Uta Melle über das einzigartige Erlebnis, mit 19 anderen, ihr zunächst völlig fremden und dennoch so vertrauten Frauen nackt vor der Kamera zu stehen – und wie der Bildband nicht nur ihr Leben völlig veränderte...

Frau Melle, wen oder was möchten Sie und die anderen Frauen mit dem Buch „Amazonen“ erreichen?
Uta Melle:
Die Bilder sollen unsere Lebensfreude zeigen, unseren Mut und unsere Kraft. Dass Schönheit nicht davon abhängt, ob man Brüste hat oder nicht. Und: dass niemand die Augen vor dieser Krankheit verschließen darf!

Wie schwer war es, so viele Frauen dafür zu gewinnen?
Melle:
Anfangs war es nicht so einfach. Ich habe über Facebook und über diverse Foren gesucht. Natürlich war das Ganze eine große Vertrauensangelegenheit. Aber nach und nach haben immer mehr Frauen zugesagt – und dann kam der große Tag, an dem wir uns alle trafen...

Wie war das für Sie?
Melle:
Es war das tollste Erlebnis, das ich je hatte! In der ersten halben Stunde waren natürlich alle ein wenig zurückhaltend, fast scheu. Aber plötzlich wurde es wahnsinnig emotional. Es sind auch viele Tränen geflossen. Dann haben wir uns alle umarmt und kurze Zeit später fielen auch schon die Klamotten (lacht) – und wir waren plötzlich ein Team. Im Nachhinein gesehen waren diese Tage wie zwei Jahre psychoonkologische Therapie.    

Im Bildband sind Frauen zu sehen, die wie Sie ihre Brüste nicht rekonstruieren ließen, und andere, die sich für einen Wiederaufbau entschieden.
Melle:
Ja, ich wollte niemanden ausgrenzen. Jede Entscheidung hat seine Berechtigung.

Haben Sie im letzten halben Jahr nochmals über einen Brustaufbau nachgedacht?
Melle:
Nein, nie! Und auch andere Frauen haben nach dem Shooting den Gedanken darüber wieder verworfen, weil sie gesehen haben, wie schön sie auch ohne Brüste sind.  

Der Bildband ist sehr aufwendig produziert – wie konnte das Projekt finanziert werden?
Melle:
Unter normalen Umständen hätte das Shooting 250.000 Euro gekostet. Es ist uns gelungen, 50 Personen dafür zu gewinnen, gratis zu arbeiten. Der Erlös soll zugunsten von Brustkrebspatientinnen gespendet werden. Nur einen geringen Teil werden wir einbehalten – für das nächste Shooting. Denn ich möchte jedes Jahr ein Buch machen und damit ein Zeichen setzen, dass uns Brustkrebs alle angeht!

 

Der P.R.I.M.A. Award 2011
Im März präsentiert MADONNA den P.R.I.M.A. Award: A1 und die Österreichische Krebshilfe ehren mit diesem Preis Menschen, die an Brustkrebs erkrankten Frauen in besonderer Weise beistehen. „Wir wollen damit unsere Wertschätzung für Menschen, die durch ihre sensible Art Außergewöhnliches leisten, ausdrücken“, so Initiatorin und Konzernsprecherin der Telekom Austria Group Elisabeth Mattes. Am 22. Jänner stellt MADONNA die Nominierten vor.
www.prima-award.at

Autor: Daniela Schimke, Karin Fischer
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