Viennale - Österreichische Invasion beim Festival

Viennale - Österreichische Invasion beim Festival

Insgesamt 24 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme wurden von Festivaldirektor Hans Hurch programmiert. Und mit "La Pivellina" von Tizza Covi und Rainer Frimmel wird es am 22. Oktober auch erstmals in der Geschichte der Viennale einen österreichischen Eröffnungsfilm geben.

Covi und Frimmel erzählen mit Laiendarstellern die Geschichte eines kleinen Mädchens, das von seiner Mutter in der Peripherie Roms ausgesetzt wird und von Schaustellern aufgenommen wird. Der Film feierte in Cannes seine Uraufführung und erlebt nun seine Österreich-Premiere. Erst kürzlich in Venedig uraufgeführt, hat auch Jessica Hausners mehrfach ausgezeichnete Produktion "Lourdes" ihre Heimpremiere in Wien. Sylvie Testud begibt sich darin auf Pilgerreise in die französische Kleinstadt, wo sie entgegen ihren Erwartungen plötzlich tatsächlich wieder gehen kann.

Die meisten österreichischen Filme feiern bei der Viennale aber ihre Uraufführung, so etwa das neue Werk des exzentrischen Filmemachers Peter Kern, "Blutsfreundschaft", mit dem ehemaligen Visconti-Schauspieler Helmut Berger in der Hauptrolle. In dem Film überfällt ein Jugendlicher mit seiner Neonazi-Clique eine soziale Einrichtung und kommt daraufhin bei einem 80-jährigen homosexuellen Wäschereibesitzer unter. Der Engländer Peter Whitehead, dem 2006 ein Tribute gewidmet war, ist mit der amerikanisch-österreichischen Koproduktion "Terrorism Considered As One Of The Fine Arts" über einen Spion in der Anti-Terror-Abteilung zu Gast.

Unter den insgesamt sechs Spielfilmen haben es auch die Spielfilm-Debüts "Koma" von Ludwig Wüst und "Domaine" des in Frankreich lebenden Österreichers Patric Chiha in die Selektion geschafft. Aufregender als diese beiden Filme sind jedoch die meisten der insgesamt zehn Dokus, etwa "Frauenkarawane" von Nathalie Borgers, deren kritische "Kronenzeitungs"-Doku 2002 für einige Aufregung gesorgt hatte. In ihrem neuen Werk beschäftigt sie sich mit patriarchalen Strukturen und autonomem Handeln anhand von Frauen, die die Wüste bis zur nächsten Wasserstelle wochenlang durchwandern. Houchang Allahyari porträtierte zudem die Wiener Grande Dame der Sozialarbeit, Ute Bock, in "Bock for President" mit all ihren Widersprüchen. Und Andrea Eckert widmet sich in "Durch die Welt nach Hause" dem Schriftsteller Frederic Morton, der im Februar 1940 noch als Fritz Mandelbaum vor den Nazis flüchten musste.

Bei den Kurzfilmen finden sich einige gute Bekannte aus den vergangenen Jahren, etwa Sigi A. Fruhauf, Sasha Pirker oder Heinz Emigholz, ebenso wie neue Werke von Sabine Marte, Rainer Gamsjäger und Philipp Fleischmann. Und auch der einminütige Viennale-Trailer von James Benning gilt letztlich als österreichische Produktion.

Den Vorboten des österreichischen Kinos vor hundert Jahren widmet sich unterdessen das Filmarchiv Austria mit der zwölf Teile umfassenden Programmreihe "Early Austrians". Im Mittelpunkt der Auswahl von 1906 bis 1918 stehen österreichische Kinopioniere, darunter Fotografen, Techniker, Schriftsteller, aber auch Schauspieler oder Handwerker, die mit der tatsächlichen Herstellung des Films zu tun hatten.

INFO: http://www.viennale.at

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