Die Erben des Kaisers

Österreichs Jung-Aristokraten im Interview

Die Erben des Kaisers

Stolze 180 Jahre würde Kaiser Franz Josef I. am 18. August werden. Und da in Österreich – nicht nur erst seit Robert "Heinrich I." Palfrader auf ORF regiert – noch immer ein wenig die Monarchie zu spüren ist, wird das imperiale Wiegenfest mit der Gala "Nacht der Kaiser" in der kaiserlichen Sommerresidenz Bad Ischl zelebriert.

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Am 18. 8. veranstalten Sandra Soravia & Martina Fleischer die VII. "Nacht der Kaiser" im Park des Kongress & TheaterHauses Bad Ischl. Höhepunkt ist die Fashionshow der Jung-Aristos. MADONNA verlost 3 x 2 "K&K-Lounge-Tickets" inkl. einer Flasche Eristoff Gold. Info: www.facebook.com/nachtderkaiser

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Adel verpflichtet
Höhepunkt ist dabei die Modenschau von Österreichs jungen Aristokraten in Roben von Anelia Peschev, die für den guten Zweck (für die Franz Klammer Foundation) defilieren. Denn auch wenn die Adelstitel längst abgeschafft, die Schlösser verkauft und der monetäre Glanz verblasst ist, verpflichten Herkunft und Familiengeschichte wie eh und je.

MADONNA bat Baronessen, Gräfinnen und einen Reichsgrafen zum Talk über Bürde, Privilegien und moderne Heiratspolitik.

 

Am 18. August wäre Kaiser Franz Josef 180 geworden. Zu seinen Ehren defilieren Sie bei der "Nacht der Kaiser". Was bedeutet Ihnen Tradition?
Simone Miller-Aichholz: Sehr viel, schon allein durch die Erziehung. Mein Vater kennt alle Geschichten über fast alle Adelsgeschlechter. Jeden Abend wurde bei uns darüber gesprochen.

Cameo Miller-Aichholz: Wir leben in einem Haus, das unser Ur-Ur-Großvater gebaut hat – mit dem alten Boden, der originalen Holzdecke und zum Teil mit den Möbeln der Ur-Ur-Großeltern, die wir mit modernen gemischt haben. Am Hauseingang ist das steinerne Familienwappen. Wir leben die Tradition.

Simone Miller-Aichholz: Oft sind die Freunde meiner Kinder zu Gast, legen ihre Musik auf und lassen die alte Decke beben (lacht).

Gundaccar Wurmbrand-Stuppach: Bei mir ist es ähnlich. Ich wohne in einem Jagdschloss, und auch bei uns ist natürlich Tradition sehr wichtig. Ich habe mich in meiner Sturm-und-Drang-Zeit immer ein bisschen dagegen gewehrt, wie wahrscheinlich jeder von uns in der Pubertät. Ich wohne in einem Dorf in Niederösterreich. Es war immer mühsam, wenn man über die Großmutter in der Schule gelernt hat und man als der "Graf vom Ort" angesehen wurde. Dabei wollte ich nur normal sein.

Träumt man sich ab und zu in die Vergangenheit zurück?
Philippa Spannocchi: Teilweise ja! Wobei ich sagen muss, meine Familie lebt in einem Schloss in Oberösterreich. Dadurch sind ich und meine vier Geschwister mit diesem speziellen Flair aufgewachsen. Ich würde es lieben, den ganzen Tag in diesen langen, imperialen Kleidern herumzulaufen – das wäre genau meines.

Sie stammen aus einem italienischen Adelsgeschlecht.
Spannocchi: Die Spannocchis waren vor vielen hundert Jahren die reichste Familie der Toskana. Und darum gibt es auch einen Spruch, der heißt „So reich wie ein Spannocchi“ (lacht). Wenn du da unten auftauchst, glauben die Menschen, dass wir nach wie vor so reich sind. Da haben sie aber leider eine ganz falsche Vorstellung (lacht).

Wurmbrand-Stuppach: Die meisten nehmen an, dass Adelige reich sind. Ich baue meine Wohnung um und höre öfters „Du musst dir das doch leisten können, du bist ein Graf“. Der Titel bringt mir leider wenig Geld ein. Wir haben zwar Grundstücke, aber die verwalten meine Eltern. Ich muss für mein Geld arbeiten gehen.

Der Adelstitel wurde offiziell abgeschafft. Bringt der Titel dennoch Verpflichtungen mit sich?
Simone Miller-Aichholz: Es gibt Adelige, die karitativen Verpflichtungen nachgehen. Ich habe dafür ehrlich gesagt wenig Zeit, da ich arbeiten muss und mit meinem eigenen Label und meinem Shop eine Vollzeitaufgabe habe.

Wurmbrand-Stuppach: Man sollte als Adeliger auf jeden Fall Manieren haben, wie sie jeder haben sollte. Nur wird mehr Wert darauf gelegt.

Cameo Miller-Aichholz: Die Mama hat mich gar nicht konservativ erzogen, das waren die Großeltern, die sich bei jedem Essen über meinen Nasenring und mein Piercing aufgeregt haben. Man kann es ihnen schwer recht machen. Meine Hosen sind entweder zu weit oder zu eng. Da gibt es einen großen Unterschied zu meinen Großeltern väterlicherseits, die bürgerlich sind.

Simone Miller-Aichholz: Ich habe es lustig gefunden! Ich hätte auch gerne ein Piercing gehabt, aber meine Eltern haben es mir verboten. Bei Cameo waren sie schon lockerer.

Spannocchi: Die Oldies passen sich aber auch an.

Wurmbrand-Stuppach: Meine Großeltern haben sich eher angepasst als meine Eltern.

Gibt es spezielle Seilschaften unter Aristokraten?
Simone Miller-Aichholz: Dadurch, dass sich die ältere Generation untereinander gut kennt und gut vernetzt ist, kennen sich die Jungen von vornherein.

Cameo Miller-Aichholz: Wir sind doch alle hier irgendwie verwandt.

Wird noch Wert auf eine standesgemäße Hochzeit gelegt?
Spannocchi: Ich bin nun seit zwei Jahren mit Louis Sayn-Wittgenstein-Sayn (Anm.: Sohn von Prinz Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn) liiert. Ich glaube, meine Eltern sind sehr zufrieden. Aber es ist kein Problem, wenn der Partner ein bürgerlicher wäre, solange er mir das bieten kann, was mir mein Vater bietet. Man muss ehrlich sein: Seinen Lebensstandard schraubt man doch ungern zurück.

Sind Sie mit Ihrem Freund verwandt?
Spannocchi: Nicht blutsverwandt. Meine Tante ist aber Louis’ Stiefgroßmutter.

Wurmbrand-Stuppach: Natürlich wären meine Eltern froh, wenn es eine Adelige wäre, aber darauf werde ich keine Rücksicht nehmen. Sie sind auch mit Bürgerlichen zufrieden. Solange, wie Philippa gesagt hat, sie anständig ist.

Nehmen Sie auf Ihre Eltern bei der Partnerwahl Rücksicht?
Spanocchi: Leider sehr.

Wurmbrand-Stuppach: Im Unterbewussten schon. Da gab es schon Frauen, bei denen ich wusste, die kann ich nicht mit nach Hause nehmen. Das hat es schon gegeben. Das funktioniert auch dann nicht lange.

Cameo Miller-Aichholz: Nach Hause bringen kann ich jeden Kasperl, die Mama sagt mir dann ihre ehrliche Meinung. Aber mein Gradmesser ist der Opa. Bis ich da einen herzeige, wird es dauern.

Simone Miller-Aichholz: Bei mir war es total schwierig.

Cameo Miller-Aichholz: Du bist mit der Tür ins Haus gefallen und hast aus dem Ausland ein uneheliches Kind mitgebracht – meinen älteren Bruder Timo (lacht).

Simone Miller-Aichholz: Ich habe seit einem Jahr einen Lebensgefährten. Er ist zwar nicht adelig, aber standesgemäß. Meine Eltern lieben ihn.

Warum macht es Sie besonders stolz, adelig zu sein?
Simone Miller-Aichholz: Das Schöne ist, dass die Familien noch zusammenhalten. Meine 84-jährige Tante ist genauso integriert wie jeder andere. Bei uns gibt es das nicht, dass man jemanden in ein Heim abschiebt. Wir gehen durch dick und dünn.

Wurmbrand-Stuppach: Die Familie steht immer an erster Stelle. So wirst du erzogen.

Cameo Miller-Aichholz: Schließlich hat man alles, was man hat und was man ist, seiner Familie zu verdanken.

 

Österreichs junge Aristokraten

signer464 © chrissinger Bild: (c) chrissinger

(v.l.)
Gräfin Philippa Spannocchi (27) stammt aus einem italienischen Adelsgeschlecht. Beruf: Salesmanagerin.

Reichsgraf Gundaccar Wurmbrand-Stuppach (32) gehört dem österreichischen Hochadel an. Beruf: Marketing Manager.

Gräfin Luise Hardegg (28) ist zweifache Mutter, Magazin­herausgeberin und Fotografin.

Baronesse Angeli Cameo Miller-Aichholz (21) die Tochter von Simone Miller-Aichholz studiert.

Gräfin Simone Miller-Aichholz (49) gehört das Mode- und Taschen-Label Anna Glenn.

Eva-Maria Abpurg Gräfin von Reiffeneck (25) ist erfolgreich in Wien.

Katharina Freiin von Arentin (25) ist Universitätsassistentin und arbeitet an ihrer Dissertation.


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