Caan kann auf ein turbulentes Leben zurückblicken

"Der Pate" und "Misery" - James Caan wird 70

James Caan hat vor der Kamera schon viel einstecken müssen: In dem Horror-Hit "Misery" zertrümmert Kathy Bates mit kräftigen Schlägen das Knie ihres hilflosen Opfers, in "Der Pate" stirbt Caan alias Santino Sonny Corleone im blutigen Kugelhagel der Mafia-Rivalen. Langweilig wurde es Caan nie. Nach einer turbulenten Karriere und vier missglückten Ehen feiert Caan am 26. März seinen 70. Geburtstag.

Als Sohn eines Metzgers, der mit koscherem Fleisch handelte, wuchs Caan in der New Yorker Bronx auf. Schon als Teenager hatte der streitlustige und durchtrainierte Sportfan den Spitznamen "Killer Caan" weg. Er verdiente sich einen schwarzen Karate-Gürtel und trat über Jahre hinweg in Rodeo-Shows auf. Als "jüdischer Cowboy" war er für seine Sattelfestigkeit auf dem Rücken wilder Pferde bekannt.

Neben dem Wirtschaftsstudium trat er an kleinen Bühnen auf, bald wurde die Schauspielerei zum Hauptfach. Billy Wilder gab ihm 1963 eine winzige Rolle in "Das Mädchen Irma La Douce". Howard Hawks holte ihn zwei Jahre später für den Rennfahrerstreifen "Rote Linie 7000" vor die Kamera und dann noch einmal zusammen mit John Wayne und Robert Mitchum in dem Western "El Dorado". Durch Francis Ford Coppolas Mafia-Meisterwerk "Der Pate" wurde Caan schließlich zum Star. Er glänzte darin als Don Vito Corleones (Marlon Brando) aufbrausender Sohn Sonny, der am Ende einem Mordanschlag zum Opfer fällt.

Während Brando bei der 45. Oscar-Verleihung zum besten Hauptdarsteller gekürt wurde, ging der Nebenrollen-Oscar für "Der Pate" nicht an Caan, sondern an Cabaret-Darsteller Joel Grey. Sonny-Boy wurde stattdessen in New York zum Italiener des Jahres gekrönt, was er schmunzelnd kommentierte: "Ich bin eine Jude aus der Bronx. Ich fühle mich schuldig, diesen Preis anzunehmen, aber sie verbieten mir, nein zu sagen."

Für Caan ging es in Hollywood Schlag auf Schlag weiter. Nach dem futuristischen "Rollerball" (1974), über Kampfsportler der Zukunft, tänzelte der Schauspieler neben Barbra Streisand in dem Filmmusical "Funny Girl" über die Leinwand. Er habe die Rolle wirklich geliebt, verteidigte Caan seinen ungewöhnlichen Auftritt. "Die Leute glaubten nicht, dass ich singen und tanzen konnte. Keiner hatte mir das vorher angeboten, ich war immer der "Schlag-Drauf-Typ"." Mit dem französischen Regisseur Claude Lelouch drehte er "Ein anderer Mann, eine andere Frau" (1977), mit Michael Mann den Meisterthriller "Der Einzelgänger". In den 1980er Jahre nahm die steile Karriere dann ein jähes Ende, Drogen und Liebesdramen bestimmten Caans Leben.

Erst mit "Misery" kam der Charakterdarsteller Anfang der 90er Jahre wieder groß heraus. Regisseur Rob Reiner knüpfte sich eine Vorlage von Stephen King vor, in der ein Bestsellerautor (Caan) einer wahnsinnigen Verehrerin (Kathy Bates) in die Hände fällt. Nach einem Unfall in den verschneiten Bergen von Colorado zieht Annie den bewusstlosen Paul aus dem Autowrack und "verarztet" ihn in ihrem abgeschiedenen Haus. Bates erhielt den Oscar als beste Hauptdarstellerin, Caan wieder viele Rollenangebote, von "For The Boys - Tage des Ruhms", "Tage der Liebe" mit Bette Midler, über Schwarzenegger-Action mit "Eraser", bis zu der Mafia-Komödie "Mickey Blue Eyes" mit Hugh Grant und Jeanne Tripplehorn.

Unter der Regie des Dänen Lars von Trier drehte er mit Nicole Kidman und Lauren Bacall den Thriller "Dogville" (2003), allerdings hatte er danach wenig Gutes über den Regisseur zu sagen. "Er ist sehr anti-amerikanisch, zum Teufel damit. Ich bin sehr pro-amerikanisch, im Grunde bin ich konservativ", wurde Caan zitiert.

Sein Liebesleben ausgenommen: Der Schauspieler macht keinen Hehl daraus, dass er sich gerne und häufig in der Playboy-Villa amüsierte. Dies hätten ihm die Ärzte nach einer seiner Scheidungen verschrieben, witzelte der fünffache Vater. Wegen unüberbrückbarer Differenzen reichte er im vergangenen September die Scheidung von seiner vierten Frau ein.