800.000 Österreicher leiden unter Blasenschwäche

800.000 Österreicher leiden unter Blasenschwäche

"Imperativer Harndrang" ist eine Form der chronischen Blasenentzündung, die Menschen in die völlige Isolation treiben kann. Die Ursachen sind nicht nur Scham, sondern auch die ständige Angst, zu weit von einem WC entfernt zu sein. Selbst kurze Spaziergänge oder einkaufen werden so zur Qual. Was noch hinzu kommt: Sogar Therapien bringen geringen bis keinen Erfolg. Zumeist wird eine Kombination von Verhaltenstherapie (sogenanntem Blasentraining) und Anticholinergika (Medikamente, die die Blase entspannen) angewandt.

Ein möglicher Grund für das Nicht-Ansprechen ist ein Defekt der Glykosaminoglykan-Schicht (GAG), die die Blasenwand schützt. Im Rahmen einer neu entwickelten Instillations-Therapie, in der Chondroitinsulfat (Hauptbestandteil der GAG-Schicht) mittels Katheder in die Blase "injiziert" wird, ist es Urologen nun gelungen, die Lebensqualität ihrer Patienten enorm zu steigern.

Beeindruckende Resultate lieferte diesbezüglich eine Studie der Berliner Urologin Annett Gauruder-Burmester. 82 Patienten wurden über den Zeitraum von einem Jahr teils herkömmlich (also medikamentös), teils durch Instillation behandelt. Selbst nach einem weiteren Jahr ohne Therapie verzeichnete letztere Test-Gruppe weiterhin deutliche Verbesserungen ihrer Lebenssituation.

Chondroitinsulfat-Lösung hilft

Und so funktioniert's: Der Arzt appliziert eine Chondroitinsulfat-Lösung via Katheder direkt in die Blase - zuerst wöchentlich für etwa vier bis sechs Wochen, danach einmal im Monat. Das Chondroitinsulfat legt sich wie ein flüssiges Pflaster auf die angegriffene Blasenschleimhaut (Urothel) und hilft dem Organ, die GAG-Schicht aufzubauen.

Für Prof. Helmut Madersbacher, Leiter der neuro-urologischen Ambulanz am Landeskrankenhaus Innsbruck, zeigte sich beeindruckt: "Daraus ergibt sich eine völlig neue Therapiemöglichkeit für die überaktive Blase." Eine Instillation kostet 95 Euro; der Betrag wird aber von der Krankenkasse vollständig erstattet. Voraussetzung ist jedoch, dass der Instillations-Therapie eine medikamentöse Behandlung vorausgegangen ist.

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