Mängel liegen in der Organisation, nicht in der Behandlung

Neue Checkliste für den OP gegen Fehler

Bei zehn Prozent der weltweit 230 Millionen Operationen, die jährlich durchgeführt werden, entstehen Probleme. Diese Schätzung der WHO ist nach Überzeugung von Norbert Pateisky, Abteilungsleiter für Klinisches Risikomanagement an der Universitäts-Frauenklinik in Wien, auf Österreich übertragbar. Die Hälfte solcher Probleme ist durch die Abarbeitung einer Checkliste lösbar. Ein solches Hilfsinstrument wurde nun - basierend auf WHO-Empfehlungen - von der Plattform Patientensicherheit erarbeitet.

Diese Checkliste, die bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt wurde, stellt zunächst ein Grundgerüst dar und soll von Operationsteams nach den eigenen Bedürfnissen adaptiert werden, wie Brigitte Ettl, Ärztliche Direktorin des Krankenhauses Hietzing in Wien und Obfrau der Plattform, erläuterte. Internationalen Studien zufolge lässt sich durch das relativ simple Hilfsmittel die Rate der Komplikationen um 36 Prozent, jene der Infektionen nach chirurgischen Eingriffen um 45 Prozent reduzieren.

Die Plattform rechnet zwar mit Akzeptanzproblemen möglicherweise bei älteren Medizinern, geht aber davon aus, dass eine solche Checkliste in einigen Jahren allgemein Verwendung finden wird - analog zur Einführung der Gurtpflicht, über die die Autofahrer einst murrten und die heute eine Selbstverständlichkeit ist. Dass im Operationssaal Fehler passieren, liegt laut Pateisky "nicht an schwachen Menschen in einem starken System", vielmehr verhält es sich genau umgekehrt. Fehler passieren, wenn das Piepserl meldet, das Telefon läutet und schon der nächste Patient wartet. "Wenn wir nicht improvisierten, dann würde es schlecht ausschauen", sagte der Fachmann, der einen Vergleich mit einem Tormann zog: "Dass man nicht jeden Elfmeter hält, ist klar." Und das Risiko steigt mit Komplexität und Effektivität der Medizin.

Zum Umgang mit Fehlern gibt es eine von der Plattform Patientensicherheit mit Unterstützung der Ärztekammer herausgegebene neue Broschüre unter dem Titel "Wenn etwas schief geht. Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall". Die Unterlage, die sich an alle im Gesundheitswesen Tätigen richtet, basiert auf einem Dokument der Harvard-Kliniken. "Offene Kommunikation" mit Patienten und deren Angehörigen ist der Schlüssel, wie Artur Wechselberger, Vize-Präsident der Ärztekammer, bei der Pressekonferenz sagte. Darüber hinaus geht es darum, solche Fehler zu analysieren und in Zukunft zu vermeiden. Der Großteil sind keine Behandlungs-, sondern Organisationsfehler.