Uschi FELLNER

Uschi Fellner:

Kein Tag wie der Andere

Warum wir weiterhin so ­singen, wie wir wollen!

Sehr ungern lobe ich mich selbst, aber die Kolumne über falsch verstandene Liedtexte letzte Woche löste Beifall aus. „Sie sind nicht alleine“, mailten mir zahlreiche Leserinnen und bestätigten, was ich ahnte: Viele Interpreten zeitgenössischen Liedguts sind zwar urberühmt, die meisten sehen auch passabel aus, manche sind mit außergewöhn­lichen Stimmen gesegnet, aber praktisch alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie nuscheln ziemlich.
Freund A. schickte mir zur Kolumne eine SMS: „Kennst du Rivers of Babylon? Warum singen die ­immer ‚Bade Rivers of Babylon‘?“ Ich googelte da­raufhin den bekannten Song von Boney M. und las: „By the rivers of Babylon, there we sat down, Oh yeah we wept, when we remember Zion.“
Und was bitte soll der Schwachsinn heißen? ­Bestehe darauf, weiterhin meine Version zu singen, die geht seit Jahrzehnten so: „Bade rivers of Babylon, where we get brown, Oh yeah we met, when we remember Saigon!“ Das macht wenigstens Sinn (zumindest ein bisschen, oder?).
Gruppengesänge bergen übrigens mehr Nuschelpotenzial als Sologesang, deutlich zu merken bei Do they know it’s Christmas time der Band Aid. Dass die in ihrem Refrain gegen den Welthunger ankämpfen, ist schwer vermittelbar, ich verstehe je nach Verfassung: „Feed the birds“, „feed the girls“, wenn ich genau hin höre „feed the worms“.
Ö3-Moderatorin Martina Rupp merkte unlängst an, sie habe bei Haus am See von Peter Fox immer verstanden: „Wir grillen die Mamas, kochen und wir saufen Schnaps.“ Irgendwann sei ihr im Text der Beistrich aufgefallen, richtig heißt es also „Wir grillen, die Mamas kochen“ usw. Auch ich dachte jahrelang, der Fox singt einen völligen Holunder, der noch dazu frauenfeindlich ist. Wie so ein Beistrich ein ganzes Image zerstören kann!
Allerdings ist mir jetzt auch klar, dass Tom Jones nicht der alte Schmutzfink ist, für den ihn viele halten. Er singt in Wahrheit: „Sandbox, sandbox, you’re my sandbox!“ Alles klar?