Kein Tag wie der Andere

Uschi Fellner:

Kein Tag wie der Andere

Morgen ist Muttertag, darauf haben viele seit Weihnachten hingearbeitet, alle denken an den großen Tag. Und bei vielen Müttern bin ich mir sicher, dass sie still sinnieren: „Vielleicht vergessen Sie’s ja diesmal …?“ Natürlich nicht. Mit dem ersten Tau wird der Tisch gedeckt, und wohin soll’s dann zum Essen gehen?
Nicht, dass ich mich beschwere. Auch der Tag des Butterbrotes (11. Jänner) hat seine Berechtigung. Beim Muttertag bin mir nicht sicher, ob er das Butterbrot langfristig überleben wird. Glaube, der Gipfel der Muttertags-Kultur liegt hinter uns.
Statistisch bekommt ja jede Frau nur noch 0,7 Kinder. Ganz sicher liegt das nicht an mangelnden Kinderbetreuungsplätzen. Ziemlich sicher liegt das an passenden Partnern. Oder an überhaupt verfügbaren Partnern. Um die Welt zu retten, sollte die Regierung also anstatt sinnlos zu streiten lieber eine staatliche Partner-Agentur gründen. Eine gute Idee wäre die monatliche Bekanntgabe der Partnerlosen-Rate. Und landesweite Dating-Tage, von mir aus unter Schirmherrschaft des Präsidenten.
Wird es in 50 Jahren noch einen Muttertag geben? Bin mir nicht sicher. Meinen Teil habe ich zum Fortbestand des Ehrentages beigetragen, vier Systemerhalter produziert (das sind meiner Berechnung nach um 2,8 mehr als der Durchschnitt).
Die vier werden in fünfzig Jahren als Methusalems vor ihrer rüstigen Mutter stehen und ein Gedicht brüllen (schwerhörig bin ich nämlich jetzt schon), und ich werde zurückbrüllen (die sind auch alle schwerhörig): „Ben, putz dir gefälligst deine Zähne!“(Er ist der Jüngste und hört noch am besten.)
„Ich hab’ schon geputzt, immer beschuldigst du mich!“, wird er schreien. – „Na los, zeig’ ihr die Zähne, du Baby!“, wird seine ältere, schon leicht gebeugte Schwester greinen. Und der Große wird mit dem Krückstock dazwischenfahren und „Ruhe jetzt endlich!“ brüllen. Alles wird also seine Ordnung haben.
Hauptsache, das Butterbrot und der Muttertag überleben. In dieser Reihenfolge.

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