Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte

In bewährter Moore-Manier, also mit einem Drall hin zum Manipulativen, beginnt die "Liebesgeschichte" mit Bildern wilder Banküberfälle in den USA. Moore fragt den Zuschauer, ob nach dem Niedergang Roms vor langer Zeit nun Washington an der Reihe sei. Szenen verelendeter Ex-Hausbesitzer in der Immobilien-Krise, verarmte Flugzeugpiloten, die sich mit Blutspenden oder Essensmarken über Wasser halten, das ist eine Seite der Medaille in der Finanz- und Wirtschaftskrise. "Condo-Vultures", die etwa in Florida als Immobilien-Geier Geschäfte mit aufgegebenen Häusern machen, oder Firmen, die sich am Tod der Mitarbeiter durch Versicherungen bereichern, das sind dagegen die "Krisengewinnler".

Angefangen hat es vor 30 Jahren, als Ronald Reagan Präsident wurde und damit - laut Moore - die Wirtschaft das Land regierte. Denn davor liebten die Amerikaner schlichtweg ihr vielbeneidetes Konsumparadies. Heute schwingt in Washington Goldman Sachs das Zepter - wobei Moore den Banken-Einfluss selbst auf den von ihm so geschätzten Präsidenten Barack Obama befürchtet. "Die Vampire der Wall Street haben alles Geld aus uns gesogen", sagt er und fährt im Geldtransporter bei den Großbanken vor. Er will seine Kohle zurück. "Unsere Wirtschaft war auf Sand gebaut, wir zahlen die Zeche", meint der Mann, den die "New York Times" zu einem "anti-kulturellen Botschafter" der USA in der Welt erklärte, zur zeitgemäßen Version von Charlie Chaplins Helden.

Und weil auch Obamas Demokraten Handlanger bei der "Plünderung der Steuerzahler" sind, setzt Moore weniger auf den neuen US-Präsidenten selbst, sondern eher auf den "Obama-Effekt": Er wirbt beispielsweise für Betriebskooperativen, für Rebellion gegen Immobilien-Haie und für Bürgerbewegung. Er will eine soziale Demokratie, so wie sie US-Präsident Franklin D. Roosevelt in Gang setzen wollte, frei nach dem Motto: "Weg mit dem Kapitalismus, es lebe die Demokratie."

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