Buchhandel-Ehrenpreis für Erika Pluhar

Pluhar sei "eine ganz besonders würdige Persönlichkeit für diesen Preis", sagte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in seiner Begrüßung, Ihr Lebensprinzip sei der Dialog, ihr Lebensweg der einer ständigen Emanzipation, betonte Kulturministerin Claudia Schmied, die ihre "erste Laudatio" kurz hielt und hervorhob, dass Pluhar trotz aller Kämpfe nie ihr Lachen verloren habe. "Ihr Weg war immer von einem Wort ganz besonders geprägt: trotzdem."

Der Ehrenpreis mache ihr ganz besondere Freude, da er "eine Anerkennung auch meiner Bücher, meines Schreibens" bedeute und auch "mein Denken und Handeln ehrenvolle Beachtung gefunden hat", sagte Pluhar in ihren Dankesworten. Sie sei allerdings "in keiner Weise tolerant, wenn ich mir einer notwendigen Gegnerschaft bewusstwerde. Jede Form von Fundamentalismus hat mich zum Gegner." Dies gelte für Ausländerfeindlichkeit und "Herrn Strache" ebenso wie für Massentierhaltung, Tierversuche oder Profitwahnsinn. Aber auch jeder Baum, der in ihrer Umgebung gefällt werde, lasse sie zur Furie werden. Doch "ich bekriege nicht, ich bekämpfe", so Pluhar.

Erika Pluhar wurde am 28. Februar 1939 in Wien geboren. Direkt vom Max Reinhardt-Seminar wurde sie ans Burgtheater engagiert. Ihr Rollenrepertoire reichte von der Salondame bis zum Charakterfach, große Erfolge feierte sie etwa mit dem szenischen Monolog "Eine gebrochene Frau" (1982) nach Simone de Beauvoir und in der Hauptrolle von Lars Norens "Dämonen"(1985). Dazu kamen zahlreiche Film- und Fernsehrollen. Vom Burgtheater verabschiedete sie sich mit ihrem 60. Geburtstag.

Ihre Karriere als Chansonsängerin begann Pluhar Mitte der 70er Jahre angeregt durch ihren zweiten Mann, Andre Heller. Anfang der 80er Jahre begann sie ihre Lieder selbst zu schreiben. 1981 trat sie erstmals als Autorin an die Öffentlichkeit. Nach Tagebuchaufzeichnungen und autobiografischen Büchern erschien 1999 der erste rein fiktive Roman, "Matildas Erfindungen". In "Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?" (2001) verarbeitete sie u.a. den Tod ihrer 1999 gestorbenen Tochter Anna aus ihrer ersten Ehe mit Udo Proksch. In "Die Wahl" behandelte sie eine andere Seite in ihrem Leben: Verschiedene Vorschläge, politische Ämter zu übernehmen, seien sehr ehrenvoll gewesen, sie habe aber immer gewusst, "dass ich zwar ein politischer Mensch bin, aber nie in die Parteipolitik einsteigen könnte", sagte sie einmal. Zuletzt sind unter dem Titel "Mehr denn je" Pluhars gesammelte Liedtexte als Buch erschienen.

Der "Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" wird seit 1990 vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gemeinsam mit dem Fachverband der Buch-und Medienwirtschaft an Autoren und Autorinnen verliehen, die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement für Toleranz gegenüber den anderssprachigen und kulturell anders geprägten Nachbarn in herausragender Art und Weise eingesetzt haben und somit einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben.

Die bisherigen Preisträger sind Milo Dor, Viktor Frankl, Inge Merkel, Kardinal Franz König, Gerhard Roth, Simon Wiesenthal, Hugo Portisch, H. C. Artmann, Christine Nöstlinger, Sir Peter Ustinov, Josef Haslinger, Karl Markus Gauß, Ilse Aichinger, Konrad Paul Liessmann, Erich Hackl, Barbara Frischmuth, Klaus Wagenbach, Martin Pollack und Paul Lendvai.

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