Alles ist pink, alles ist rosa

Königin der heilen Welt: Rosamunde Pilcher ist 85

Literaturkritiker rümpfen die Nase, doch ihre Leser lieben sie: Ihre romantischen Geschichten über gute Menschen in ländlicher Idylle haben sich weltweit über 60 Millionen mal verkauft, wurden in über 15 Sprachen übersetzt und haben Rosamunde Pilcher zu einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Autorinnen der Welt gemacht. Am 22. September wurde sie 85 Jahre alt.

Obwohl sie in Südengland geboren wurde und in Schottland lebt, hat die Bestseller-Autorin ihre größte Fangemeinde in Deutschland. Das ZDF hatte sich Mitte der 90er Jahre die Weltrechte an ihren Werken gesichert und seither über 70 Pilcher-Filme zur besten Sendezeit in die Wohnzimmer gebracht.

Eigentlich klingt Pilchers Rezept für Bestseller wenig erfolgsträchtig: Keine Verbrechen, kein Sex, keine ausgeflippten Helden, absolut jugendfrei. Die Menschen in ihren Büchern sind gut und normal, erleben Liebe, Leid und Freundschaft. Und trotz aller Schicksalsschläge wird zum Schluss alles gut. "Leichte Lektüre für intelligente Damen", nannte Pilcher ihr Werk selbst einmal und zeigte sich überzeugt, dass die Menschen von Kunstfiguren aus dem Fernsehen übersättigt seien.

Dass ihre Kuschelromane bei Kritikern allenfalls wegen ihres Erfolgs bestaunt, literarisch aber belächelt werden, stört die Erfolgsautorin nicht. "Nennen Sie es Kitsch. Ich glaube dennoch, dass ich einen guten Stil habe." Und ihr Werk lebt viel vom eigenen Erleben. Ihre Geschichten spielen in Cornwall, wo sie aufwuchs und in Schottland, wo sie lebt. Gegenden, die dank ihrer Küsten- und Klippenlandschaften, ihrer Landsitze und Burgen wie gemalt für Romanverfilmungen sind. In Cornwall lösten die Verfilmungen ihrer Bücher einen solchen Touristenboom aus, dass Pilcher für ihre Verdienste um den Fremdenverkehr ausgezeichnet wurde.

Zwar hat Rosamunde Pilcher fast ihr ganzes Leben geschrieben - bereits mit 18 veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichte - doch der internationale Erfolg kam erst, als sie 63 Jahre alt war. Ihre Familiensaga "Die Muschelsucher" schaffte es in die internationalen Bestseller-Listen, wie dann jeder weitere Pilcher-Roman auch.

Bis dahin war es ein langer Weg: Nach ihrer Rückkehr aus dem Kriegsdienst, den sie unter anderem in Indien ableistete, heiratete sie 1946 den Offizier Graham Pilcher und zog mit ihm ins schottische Dundee. Dort schrieb sie weiter kleine Geschichten unter dem Pseudonym Jane Fraser, allerdings nur, wenn die Familie mit den vier Kindern ihr dazu die Zeit ließ. Dann saß sie mit ihrer Schreibmaschine am Küchentisch, weil woanders kein Platz für einen Schreibtisch war, und verfasste Kurzgeschichten für Frauenmagazine.

Zwar hat sich Pilcher mittlerweile schriftstellerisch zur Ruhe gesetzt, das ZDF will sich ihre Stoffe aber bis zum Jahr 2014 sichern und berichtete zuletzt über Verhandlungen mit der Autorin über weitere TV-Vorlagen. Pilchers Leben hat sich durch den späten Erfolg nicht viel verändert, behauptet sie, obwohl ihre Romane ihr Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe brachten. Immerhin konnte sie ihren Kindern und Enkeln sämtliche Wünsche erfüllen. Sie selbst ist bescheiden geblieben: "Was nützt mir in meinem Alter noch ein teurer Sportwagen vor der Tür?".