Virginia Ernst: "Ich lasse ein 'Nein' nicht auf mir sitzen!"

Starke Stimmen & starke Frauen zum Weltfrauentag

Virginia Ernst: "Ich lasse ein 'Nein' nicht auf mir sitzen!"

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Unter dem Titel "#WEARE" veranstaltet Sängerin Virginia Ernst ein topbesetztes Konzert, mit dem sie etwas verändern möchte. 

Um genau zu sein: Es sind gleich drei Konzerte, zu denen Austro-Singer-Songwriterin Virginia Ernst (32) lädt. Am 7. (Linz), 8. (Wien) und 9. März (Graz) singt sie zusammen mit Arina, Lizz Görgl, Lisa Pac, Malarina u.v.a. Powerstimmen anlässlich des Weltfrauentags Klartext. Mit dabei auch: Ikone Erika Pluhar -und: Michael Niavarani! "Hashtag We Are" - lautet das Motto. "Wir sind stark, wir sind mutig - und wir sind gleich viel wert wie Männer", so die Message der einstigen Eishockeyspielerin, die seit 2017 mit Dorothea Prinz verheiratet ist. Seit eineinhalb Jahren sind die beiden Eltern eines Sohnes. Im MADONNA-Interview verrät Ernst, was sie ihm mit auf den Weg in eine Welt, die immer noch von Männern dominiert wird, geben will.

Warum ist Ihnen der Weltfrauentag so ein Herzensanliegen?

Virginia Ernst: Ich habe ja 13 Jahre Leistungssport als Eishockeyspielerin betrieben, davon sieben Jahre im Nationalteam und drei Jahre in der Profiliga in Schweden. Und viele glauben, dass ich damals jede Menge verdient habe, aber dem war nicht so. Ich habe eigentlich nur Blut und Schweiß in diesen Sport investiert. Ich musste sogar 10 Euro pro Tag zahlen, dass ich im Nationalteam spielen durfte! Mir war das zunächst gar nicht bewusst, aber als ich dann in Schweden gemerkt habe, dass die Burschen in meinem Alter fünfstellige Beträge verdienen, wurde mir klar, dass man da etwas verändern muss. Als ich dann mit der Musik begonnen habe, habe ich mir fest vorgenommen: wenn ich irgendeinen Beitrag zu einer Veränderung leisten kann, werde ich das tun. Denn: in der Musik ist es ja nicht viel anders. Meistens gibt es sechs männliche Headliner und ganz unten steht eine Frau. Die Aufteilung ist einfach nicht gerecht -auch in österreichischen Radios werden viel mehr Männer als Frauen gespielt. Auf all das möchte ich hinweisen - die Frau muss dem Mann endlich komplett gleichgestellt werden. Wir sind genauso gut, wir sind vielleicht sogar noch besser, weil wir viel mehr arbeiten müssen, um das zu erreichen, was wir wollen!

Sind Frauen vielleicht auch immer noch zu bescheiden und zweifeln sie zu sehr an sich selbst?

Ernst: Es ist sicherlich ein Faktor, dass eine der Charaktereigenschaften vieler Frauen ist, nicht ausreichend Selbstvertrauen zu haben. Was ja kein Wunder ist, nachdem wir Jahrtausende unterdrückt wurden. Dabei können wir so vieles und bestimmt auch einiges besser als Männer. Dafür steht auch mein Hashtag "WeAre" - wir können das alles und sollten uns das auch zutrauen. Um nichts anderes geht es auch bei unserer Veranstaltung "Starke Stimmen, starke Frauen".

Virginia Ernst:
© Elisabeth Lechner
× Virginia Ernst:

Wer oder was hat Ihnen dieses Selbstvertrauen gegeben? Oder gab es Zeiten, in denen Sie das auch nicht hatten?

Ernst: Natürlich. Ich bin ja mein ganzes Leben in gewisser Weise unterdrückt worden, weil ich eine Frau bin, die auf Frauen steht. Keine Zeit in meinem Leben war wirklich einfach. Ich musste mich immer durchboxen, aber zum Glück war ich immer ein Mensch, der mit dem Kopf durch die Wand gegangen ist. Ich lasse ein "Nein" nicht auf mir sitzen und habe immer für Gerechtigkeit gekämpft. Aber natürlich gab es auch Phasen, in denen ich an mir gezweifelt habe und dachte, ich wäre nicht gut genug. Aber ich habe daraus gelernt, indem ich einfach noch besser wurde und immer wieder eins draufgesetzt habe -und mir nie ein Blatt vor den Mund genommen habe. Dieses Selbstbewusstsein, zu wissen, wer man ist und was man will, musste ich mir auch erst erarbeiten.

Welche Rolle hat diesbezüglich Ihre Mutter gespielt?

Ernst: Meine Mama hat mit mir #Weare gestartet -sie war immer eine Frau, die mich gespusht hat. Schon damals im Sport. Sie war immer eine große Stütze für mich, hat mich aufgebaut, wenn mir Steine in den Weg geworfen wurden. #Weare stammt in aller erste Linie aus dem Kopf meiner Mutter, die ja auch mein Management macht. Ich bin ihr sehr dankbar, weil ich sicher nicht so gefestigt wäre, wenn sie nicht so eine Powerfrau wäre.

Virginia Ernst:
© Elisabeth Lechner
× Virginia Ernst:

Sie sind nun selbst Mutter - von einem Buben. Was ist Ihnen wichtig, ihm mit auf den Weg zu geben und wie macht man es?

Ernst: Wie man es macht, weiß ich eigentlich selbst nicht (lacht). Eltern zu sein, ist sicher nicht einfach. Ich bin auch nicht die Mama, sondern werde Baba von unserem Sohn genannt. Weil ich der Meinung bin, dass sich jeder einen eigenen Namen für die Kinder kreieren kann. Meine Mama ist auch nicht die "Oma" für ihre insgesamt neun Enkelkinder. Was wir unserem Sohn natürlich mitgeben möchten, ist, dass Frauen und Männer gleichgestellt und gleichwertig sind und dass es ganz normal ist, wenn man zwei Mamis, zwei Papis oder nur eine Mami oder einen Papi hat. Und wenn wir noch mehr Kinder bekommen und ein Mädchen dabei ist, hat dieses natürlich den völlig gleichen Stellenwert wie unser Sohn. Das will ich, dass er das weiß und für ihn völlig normal ist.

Sie haben kürzlich gepostet, dass Sie und Ihre Ehefrau immer wieder komisch angeschaut werden und dass getuschelt wird. Ist Österreich denn immer noch so konservativ - oder wird es besser?

Ernst: Es wird schon besser, aber es ist noch nicht dort, wo es sein sollte. Vor allem bei der älteren Generation. Meine Oma war immer sehr offen, aber da war sie eine Ausnahme.

Zurück zu "Starke Stimmen, starke Frauen" - worauf freuen Sie sich besonders?

Ernst: Auf die vielen tollen Künstler:innen, die dabei sind. Was ich besonders schön finde: Michael Niavarani ist dabei. Er ist einer der wenigen Männer, die uns unterstützen -und das finde ich großartig, weil wir brauchen männliche Unterstützung. Es muss ein Miteinander, nicht ein Gegeneinander sein, sonst wird es nie funktionieren.
 

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