Eveline Eselböck: "Ich bin in ein Loch gefallen!"

Interview

Eveline Eselböck: "Ich bin in ein Loch gefallen!"

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Letzten Freitag feierte die Star-Gastronomin ihr Dancing Stars-Debüt - im MADONNA-Interview verrät Eveline Eselböck, dass hinter ihrer Showteilnahme eine ernste Message steckt. 

Jahrzehntelang spielten ihre Gäste die erste Geige auf dem Showparkett ihrer Spitzengastronomie. Vor sechs Jahren zogen sich Eveline (62) und Walter Eselböck (66) dann von ihrem legendären "Taubenkobel" im Burgenland zurück, überließen Tochter Barbara und Schwiegersohn Alain Weissgerber die Geschäfte. Ein wichtiger Schritt für die zweifache Mutter und sechsfache Großmutter ("Man darf den Kindern nicht im Weg stehen"), jedoch kein einfacher. Was all das damit zu tun hat, dass die 62-jährige Powerfrau bei "Dancing Stars" antanzte und welche Message sie Frauen vermitteln will, erklärt sie im Interview.

Sie sagen, es schmerzt derzeit alles ein wenig - was gibt Ihnen denn Kraft?

EvelIne Eselböck: Abgesehen davon, dass mir das Ganze unheimlich viel Spaß macht, schöpfe ich tatsächlich aus der Meditation, die ich täglich um 6 Uhr früh mache, Kraft. Mein Mann und ich machen das seit 20 Jahren -das war schon immer unser Ausgleich, als wir noch 15,16 Stunden täglich in der Gastronomie gearbeitet haben. Wir haben in Indien mit Yoga und Meditation begonnen. Das kommt mir jetzt zugute: mein Tanzpartner sagt, dass ich für 62 Jahre unheimlich gedehnt bin und eine sehr gute Haltung habe. Das ist aber das Einzige, das mir zugute kommt (lacht).

Sprich Tanzerfahrung haben Sie nicht - haben Sie keine Tanzschule besucht?

Eselböck: Nein, ich hatte keine Zeit. Ich habe mit 15 meinen Mann kennengelernt, mit 17 haben wir geheiratet, dann habe ich meine Mädchen bekommen - und später gab es nur noch das Geschäft. Da bestand nicht einmal die Idee, eine Tanzschule zu besuchen -maximal die Idee, nach der Arbeit in die Disco zu gehen und den Stress abzutanzen. Das hat mir immer schon getaugt. Bei uns zu Hause geht es auch nie ohne Musik - Walter hat ja auch in einer Band gespielt, als ich ihn kennengelernt habe. Aber das Tanzen jetzt richtig zu lernen - und "Dancing Stars" im Allgemeinen - ist ein völlig neues Lebensgefühl für mich.

Eveline Eselböck:
© Roman Zach-Kiesling
× Eveline Eselböck:

Inwiefern neues Lebensgefühl?

Eselböck: Zum einen wohne ich das erste Mal in der Stadt - Walter und ich sind ja mit den anderen Kandidat:innen im Parkhotel Schönbrunn untergebracht. Was aber so besonders ist: Es ist das erste Mal, dass ich etwas nur für mich alleine mache. Nicht für das Geschäft, die Gäste, die Familie oder meinen Mann -sondern nur für mich! Alles schaut auf mich und alle nehmen auf mich Rücksicht. Auch meine Kinder, die jetzt sagen: "Haben wir dich eh nicht beim Training gestört?" Früher hätte es geheißen: "Ruf sofort zurück!"(lacht) Es ist alles anders -und das ist toll.

Haben Sie deshalb auch zugesagt, an der Show teilzunehmen?

Eselböck: Nicht deshalb, aber ich habe es eigentlich als Muss empfunden. Weil ich viele, viele Frauen kenne, die in meinem Alter sind, die mit der getanen Arbeit fertig, jetzt zu Hause sind -und in ein Loch fallen. Wenn du aus der täglichen Geschäftswelt draußen bist, bist du plötzlich weder für die anderen, noch für dich selbst interessant. Ich habe das selber erlebt, als wir uns aus dem "Taubenkobel" zurückgezogen haben. Du musst dich selbst aufbauen, was aber schwer ist. Mein Mann hat mich da großartig unterstützt. Jetzt möchte ich zeigen, dass man auch im Alter noch so viel kann - und dass es wichtig wäre, dass wir viel öfter gefragt werden. Wir haben viel zu erzählen und Know-how. Es ist schade, dass das nicht mehr aufs Parkett gebracht wird - deshalb habe ich gesagt, ich muss tanzen, um Frauen meiner Generation zu zeigen, dass wir mitten im Leben stehen.

Eveline Eselböck:
© Getty Images
× Eveline Eselböck:

Hatten Sie früher Angst vor dem Älterwerden?

Eselböck: Nein, im Gegenteil - als ich jung war, wollte ich immer 50 sein, weil ich schon damals fand, dass Frauen ab 50 so interessant sind. Die können alles sagen, stehen ganz anders zu sich selbst. Und so ist es ja auch. Das will ich den jungen Frauen vermitteln -wir alle hatten unsere Jugend, die ein Teil ist. Aber es geht weiter - und davor braucht man keine Angst zu haben.

Sprich, Sie sind auch gegen Beauty-Operationen?

Eselböck: Ich bin einfach der Meinung: wenn du in deinem Gesicht starr bist, kannst du auf nichts und niemandem mehr zugehen -und deine Seele verkrampft sich, weil du ja deinem Gesicht entsprechen musst. Dagegen bin ich. Ich sage nichts, wenn man sich die Haare färbt, trainiert oder sich schminkt.

Hatten Sie dieses großartige Lebensgefühl immer schon - oder wann hat Ihre "beste Zeit" begonnen?

Eselböck: Als ich noch im "Taubenkobel" aktiv gearbeitet habe, war einfach keine Zeit, sich in den Spiegel zu schauen. Die Arbeit stand immer im Vordergrund. Aber ich habe schon damals gemerkt: Je fröhlicher ich bin, desto klasser sind die Gäste. Als ich vor sechs Jahren aufgehört habe, bin ich in ein Loch gefallen. Jeder hat gesagt: "Jetzt kommt ganz etwas Neues, du wirst die Welt entdecken." Und ich dachte: "Ich habe die besten Weine getrunken, das beste Essen gegessen, viel von der Welt gesehen -was soll ich denn noch entdecken?" Mein Mann hat mein Tief erkannt und etwas Großartiges gemacht: Er hat mir ein Monat in Venedig ganz allein geschenkt, wo ich einen Italienischkurs gemacht habe. Zufälligerweise war Emma Thompson in meinem Kurs und wir haben uns angefreundet. Das war eine unfassbar tolle Zeit - wir waren jeden Tag zusammen unterwegs, haben in den Gassen von Venedig getanzt. Ein wahnsinnig toller Monat, in dem ich draufgekommen bin, dass noch so vieles möglich ist, wenn man offen ist und nicht mit dem Alter hadert. Und genau deshalb, um diese Botschaft zu verbreiten, bin ich jetzt ein paar Monate da, zeige auf - und sage: schaut's her, so schön ist das Leben!
 

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