Hollywood-Rebell John Cassavetes wäre 80 geworden

Als John Cassavetes vor 20 Jahren an Leberzirrhose starb, verlor der amerikanische Film einen der verdientesten Außenseiter. Mit neuartigen Independent-Dramen wie "Schatten", "Gesichter" und "Ehemänner" prägte er als Regisseur und Drehbuchautor Filmkunst, die außerhalb der großen Studios entstanden war. Am 9. Dezember vor 80 Jahren kam der Sohn griechischer Einwanderer in New York zur Welt.

Seine Inhalte waren psychologische Probleme und Beziehungsfragen, seine Handschrift eine bewegte Kameraführung, Verzicht auf technische Tricks und fertige Dialoge. Cassavetes ließ die Schauspieler improvisieren. Bei seinem Tod im Februar 1989 in Los Angeles war er 59 Jahre alt.

Neben Dutzenden Werken als Regisseur und Schauspieler hinterließ Cassavetes drei Kinder, die seinem Beispiel folgten. Sohn Nick (50) führte zuletzt bei den Dramen "Beim Leben meiner Schwester", "Alpha Dog - Tödliche Freundschaften" und "Wie ein einziger Tag" Regie. Tochter Zoe (39) stellte 2007 beim Sundance-Festival mit der Liebesgeschichte "Broken English" ihr erstes Regiewerk vor. Alexandra (44) schrieb an dem Drehbuch für den Ensemblefilm "New York, I Love You" mit, der 2010 in die Kinos kommt.

Die Karriere Cassavetes begann nach dem Studium an der Academy of Dramatic Arts zunächst an verschiedenen New Yorker Theatern. Nach ersten Fernsehrollen entdeckte Hollywood 1953 den jungen Schauspieler. Größere Rollen in "Ein Mann besiegt die Angst" (1956), "Das dreckige Dutzend" (1967), "Rosemaries Baby" (1968) und die in den USA lange laufende Fernsehserie "Johnny Staccato" brachten das nötige Geld für eigene Regieprojekte.

Gleich mit seinem Regiedebüt "Schatten" (1960), einer weitgehend improvisierten und milieuechten Filmerzählung, zeigte Cassavetes seinen innovativen Stil. Ungewöhnlich war bereits die Produktionsweise: Der Film entstand aus einem Workshop für Schauspieler, ein ausgefeiltes Drehbuch gab es nicht, was typisch werden sollte für Cassavetes weitere Filmarbeit. Seine beiden nächsten Filme "Too Late Blues" (1961) und "Ein Kind wartet" (1962) wurden im Studiosystem produziert, doch nach Streitigkeiten mit Geldgebern und Chefs entschied sich der Kino-Rebell schnell wieder für den Alleingang.

Schauspielerin Gena Rowlands, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet war, trat in dem Kinderpsychiatrie-Drama "Ein Kind wartet" erstmals für ihren Mann vor die Kamera. Sie spielte in zehn seiner Filme mit, Peter Falk drehte sechs Streifen mit Cassavetes. "Eine Frau unter Einfluss" (1974), eine kritische Analyse einer amerikanischen Durchschnittsfamilie, brachte Rowlands und Falk zusammen. Mit "Gesichter" lieferte Cassavetes eine Studie über die Monotonie einer langjährigen Ehe. In "Ehemänner" geht es um das Leben verheirateter Männer, die sich nach einer Beerdigung betrinken und erkennen, wie öde ihr Leben verlaufen ist.

Für "Gloria", die Geschichte einer Gangsterbraut, die sich zur Rettung eines Kindes mit einer Mörderbande anlegt, erhielt Cassavetes auf der Biennale in Venedig 1980 den "Goldenen Löwen". "Das Leben bedeutet Selbstmorde, Scheidungen, geprügelte Kinder, aber die Liebe ist ein Strom, der nie aufhört", hieß es in dem Film "Love Streams", der bei der Berlinale 1984 mit dem Goldenen Bären gekrönt wurde. Als letzten Film drehte Cassavetes 1987 die schwarzhumorige Kriminalkomödie "Big Trouble" mit Peter Falk und Alan Arkin.

Für "She's So Lovely" ("Alles aus Liebe") lieferte er das Drehbuch, das sein Sohn Nick acht Jahre nach dem Tod des Vaters mit Sean Penn und Robin Wright umsetzte. Es geht - wie in den meisten Filmen von John Cassavetes - um Leidenschaft und Liebe, Eifersucht und Selbstzerstörung. Über seine Vorliebe für realitätsnahe Dramen sagte der Hollywood-Rebell einmal: "Anfangs wollte ich am liebsten Frank Capra-Komödien drehen. Aber ich habe es nie geschafft etwas anderes als diese seltsamen, harten Filme zu machen. Man ist eben, wer man ist."