BPA-Gefahr bei Babyflaschen

Eine Studie der ETH Zürich zeigt nun, dass mit Plastikflaschen ernährte Babys besonders stark mit der Substanz belastet sind. Ein Team um Natalie von Götz vom ETH-Institut für Chemie und Bioingenieurwissenschaften berechnete die BPA-Aufnahmedosis für neun Altersgruppen in der Schweizer, österreichischen und deutschen Bevölkerung, berichtete das Online-Magazin "ETH Life". Die Forscher eruierten 17 Quellen, aus denen BPA in den Körper gelangt.

Bisphenol A ist zum Beispiel in Plastikgegenständen oder in der Auskleidung von Konserven- und Getränkedosen vorhanden. Durch den Kontakt der Lebensmittel mit der Verpackung gelangt BPA in den Organismus. Auch über die Luft, Wasser oder aus Zahnfüllungen kann es in den Körper eindringen.

Wie von Götz und ihre Kollegen im Fachmagazin "Risk Analysis" berichten, nehmen Säuglinge und Kleinkinder am meisten BPA auf. Besonders gefährdet sind Säuglinge, die Nahrung aus Polycarbonat-Kunststoffflaschen erhalten. Ihnen werden im Mittel täglich 0,8 Mikrogramm BPA pro Kilo Körpergewicht verabreicht.

Dieser Wert liegt weit unter dem momentanen BPA-Grenzwert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit von 50 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht. Neue Studien an Ratten zeigten aber, dass sich schon geringe Dosen schädlich auf die Entwicklung der Versuchstiere auswirkten, wird von Götz in dem Bericht zitiert.

BPA gilt als hormonaktive Substanz, die im Körper wie das Hormon Östrogen wirkt. Besonders die Entwicklung männlicher Föten und Säuglinge kann beeinträchtigt werden. Über die Gefährlichkeit herrscht aber Uneinigkeit.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) etwa ist der Meinung, dass die Einnahme von Bisphenol A durch Lebensmittel kein Risiko für den Konsumenten darstellt. Dies gelte auch für Säuglinge. In Kanada hingegen gilt BPA seit 2008 als gesundheitsschädlich, und die Verwendung des Stoffs für Babyflaschen ist dort verboten.

Laut der Zürcher Studie sinkt mit zunehmendem Alter die BPA-Dosis, der ein Mensch ausgesetzt ist. Allerdings hängt sie auch von der Art der Ernährung ab. Menschen, die sich oft aus Konservendosen ernähren oder ihr Essen in Plastik-Behältern in der Mikrowelle aufwärmen, nehmen mehr BPA auf.

Vieles ist allerdings noch unbekannt, wie die Forscher schreiben. Zum Beispiel sind Nahrungsmittel aus Dosen unterschiedlich stark belastet. Ob dies an den Dosen oder der Verarbeitung liegt, sei nicht klar. Von Götz plädiert deshalb für mehr Forschung und dafür, dass die Industrie ihr Wissen kommuniziert.

Nicht immer kann laut der Forscherin auf die Kunststoffe verzichtet werden. Beispielsweise schützt die Auskleidung von Konservendosen die Lebensmittel vor Korrosion. Wichtig sei es aber, die Abgabe von BPA an die Nahrungsmittel zu reduzieren.

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