Was stillende Frauen wissen sollten

Für Erwachsene ist es kaum vorstellbar, dass ihnen monatelang ein bisschen Milch reichte, um satt zu werden. Tatsächlich brauchen Babys aber nicht mehr, um zu wachsen. Stillen ist gut für Kinder - darauf soll die "Weltstillwoche" (28. September bis 4. Oktober) aufmerksam machen.

Die Nationale Stillkommission in Berlin empfiehlt, Kindern in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich Muttermilch zu geben. Am besten legen Mütter ihr Kind nach der Geburt möglichst bald an die Brust, raten die Experten. Auch Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, könnten gestillt werden. Allerdings lassen sich Frauen dann besser erstmal helfen.

Was Mütter sonst noch wissen sollten - hier ein Überblick:

WAS SPRICHT FÜR DAS STILLEN? "Muttermilch ist nicht nur ein Nahrungsmittel. Sie transportiert auch Schutzstoffe von der Mutter an das Kind", erklärt Prof. Klaus Vetter von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und Sprecher der Stillkommission. Gestillte Kinder könnten Keime besser abwehren. Da sie weniger Fremdstoffe aufnehmen, sei außerdem das Allergierisiko geringer. "Man weiß, dass Stillen erstmal einen Nutzen hat" - das bedeute allerdings nicht, dass gestillte Kinder niemals eine Allergie bekommen könnten.

Ähnlich verhält es sich mit Übergewicht: Bei gestillten Kindern sei das Risiko dafür geringer. Eine Garantie gegen zu viele Pfunde gebe es aber nicht, erklärt Prof. Vetter. Außerdem fördere das Stillen die Bindung zwischen Mutter und Kind. Für Muttermilch sprechen laut dem Arzt auch ganz praktische Gründe: Sie hat immer die richtige Zusammensetzung und Temperatur und ist ständig verfügbar. Aber: "Es ist kein Verbrechen, nicht zu stillen!", sagt Vetter.

WAS KÖNNEN FRAUEN TUN, WENN KEINE MILCH KOMMT? Haben Mütter Probleme mit dem Stillen, sollten sie sich möglichst schnell Hilfe holen, rät Alice Semmler, Stillbeauftragte des Deutschen Hebammenverbandes in Nordrhein-Westfalen. Die ersten drei bis fünf Tage nach der Geburt hätten einen großen Einfluss auf den weiteren Stillerfolg. Lernten Mütter früh, wie sie ihr Kind richtig anlegen, hätten sie es über die gesamte Stillzeit hinweg leichter.

Klappt es mit dem Stillen nicht, kann das unterschiedliche Gründe haben. Möglicherweise liegt das Kind nicht richtig an der Brust. Manchmal gibt es anatomische Ursachen, warum das Trinken nicht funktioniert. "Aber normalerweise passen Mund und Brust zusammen", sagt Semmler. Alles, was der Mutter Ruhe und Entspannung bringt, fördere den Milchfluss. Gleiches gelte für Haut-zu-Haut-Kontakt. Mütter kuscheln daher am besten ganz viel mit ihrem Kind und legen es schon beim kleinsten Hungerzeichen an. Stress sei dagegen schädlich.

MÜSSEN STILLENDE MÜTTER IHRE ERNÄHRUNG UMSTELLEN? Es gibt keine Stilldiät, erklärt der Berufsverband Deutscher Laktationsberater (IBCLC) in Laatzen. Es sei ein Mythos, dass Kinder Bauchschmerzen bekommen, wenn die Mutter etwas Falsches isst. Falsch sei auch, dass sich die Muttermilchmenge durch Milchprodukte wie Joghurt oder Topfen steigern lässt. Wie viel Milch eine Mutter hat, hänge vor allem von der Stillfrequenz ab.

INFO: Informationen zum Stillen: www.kindergesundheit-info.de/stillen01.0.html