Nadja Bernhard im MADONNA-Talk

Über ihre neue Aufgabe

Nadja Bernhard im MADONNA-Talk

Als wir Nadja Bernhard zum Interview inklusive Mode-Shooting treffen, hat sie keinen guten Tag. Professionell, wie die 42-Jährige jedoch ist, lässt sie sich die Fischvergiftung vom Vorabend nicht ansehen. Bernhard hat keine Zeit zu verlieren. Von der „ZiB“ teilweise freigestellt, sind Urlaub und Freizeit derzeit hintan­gestellt, weil sie seit Monaten ihrem neuesten Karrierecoup akribisch entgegenstrebert: Ab 13. August wird Nadja Bernhard an der Seite von Hans Bürger die renommierten ORF-„Sommergespräche“ moderieren.     
 
Streben nach Tiefe.  Warum dieses Engagement die in der Steiermark verwurzelte Moderatorin mit Stolz erfüllt, was sie sich von ihren NLP-geschulten Interviewpartnern wünscht und warum sie den Rummel um ihren Begleiter bei den Salzburger Festspielen nicht ganz versteht, lesen Sie im MADONNA-Talk.   

Wie geht es Ihnen mit der Vorbereitung auf die „Sommergespräche“? Sind Sie schon aufgeregt?
Nadja Bernhard: Es ist schon alles recht intensiv. Seit ich weiß, dass ich die „Sommergespräche“ machen werde, habe ich begonnen, die Zeitungen intensiver zu lesen und bei jedem Artikel hinterfragt, ob das ein Thema sein könnte. Richtig intensiv ist es jetzt seit zwei Monaten. Und ich bin nicht nervös, aber gesund angespannt. Weil es für mich doch unbekanntes Terrain ist, Interviews in dieser Länge und Tiefe zu führen.     
 
Wie sollen die Gespräche über die Bühne gehen?   
Bernhard: Unsere Herangehensweise heuer ist, dass das „Sommergespräch“ wirklich ein Gespräch sein soll. Im Gegensatz zu den letzten beiden Malen haben wir keinen Wahlkampf. Dementsprechend wollen wir versuchen, Politiker zum Gespräch fernab tagespolitischer Agenden einzuladen. Mit ihnen vielleicht auch philosophisch werden.      
Was ist das Best-Case-Szenario, mit dem Sie aus den Gesprächen gehen wollen?  
Bernhard: Wenn der Zuseher rausgeht und denkt etwas Neues gehört zu haben. Der berühmte Aha-Effekt. Und eben den Menschen hinter dem Politiker etwas besser verstehen lernt. Mittlerweile weiß man alles über die Politiker, es ist alles so durchgetaktet. Dementsprechend wäre es schön, eine persönliche Note zu sehen.  
 
Man weiß viel über die kommunizierten Botschaften, aber über den Politiker selbst eigentlich nur wenig. 
Bernhard:  Ja, dementsprechend wäre es toll, wenn man durch die Gespräche etwas durchblicken könnte, was den Menschen hinter dem Politiker ausmacht. Trotz aller Professionalität ist man immer noch Mensch. Ich kenne die Situation aus der „ZiB“, wenn zum Beispiel eine Flüchtlingstragödie war und man Distanz wahren muss, aber natürlich macht diese Nachricht auch etwas mit mir als Mensch. Einem Politiker muss es auch so gehen. Das ist zum Beispiel eine Frage, die wir behandeln könnten.

Was können Sie von Ihrem Interviewpartner Hans Bürger lernen? 
Bernhard: Seine Coolness. Das macht die Routine, aber auch sein Naturell. Der Hans ist ein sehr offener, lebenslustiger und wirklich interessierter Mensch, der Nerven aus Stahl hat.     
 
Im letzten Jahr haben wir darüber gesprochen, dass Sie auch bereit wären, Formate über die „ZiB“ hinaus zu machen. Ist im Laufe eines Jahres damit ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen?    
Bernhard: Es ist tatsächlich eine kleine Auszeichnung. Von der Resonanz her spüre ich auch, dass es als großer journalistischer Step wahrgenommen wird. Das Format hat ja jahrelange Tradition. Das macht mich schon stolz.   
 
Wessen Feedback werden Sie sich nach einer solchen Sendung besonders zu Gemüte führen? 
Bernhard: Man muss schon selektiv werden. Zumal konstruktive Kritik ein seltenes Gut ist, da sich die meisten nicht trauen, ihre Meinung jemandem wirklich ins Gesicht zu sagen.  Das Zwischenspiel zwischen Hans und mir wird sehr wichtig, weshalb es unter uns offenes Feedback geben muss. Dann natürlich auch das meines Teams und das aus meinem nahen Umfeld. Andreas Pfeifer (Anm. der Redaktion: außenpolitischer Ressortleiter des ORF) ist immer noch mein Mentor. Was der sagt, hat für mich definitiv Gewicht.   
 
Eine OGM-Umfrage hat ergeben, dass bei politischer Berichterstattung bei schwarzen und blauen Wählern hohe ORF-Skepsis herrscht, während rote Wähler dem Sender eher vertrauen. Wie kann man dieses Ungleichgewicht ausbalancieren bzw. das verlorene Vertrauen wiederherstellen?
Bernhard: Das klingt vielleicht banal, aber es bleibt zu hoffen, dass die Bevölkerung am Ende des Tages erkennt, wie wichtig öffentlich-rechtliche Medien sind. Das macht Demokratie aus. Vergessen lassen sich „Fake News“ und „alternative Fakten“ zwar nicht mehr. Und klar, Irren ist menschlich, aber „ZiB“-Beiträge halten jedem Faktencheck stand. Vielleicht müssen wir das noch mehr an die Öffentlichkeit tragen.  
 
Im Sinne eigener Öffentlichkeiten: Auf Ihrem Instagram-Account haben Sie ein Bild aus Bosnien gepostet. War das ein Urlaub? 
Bernhard: Ja. Meine Halbschwester ist mit Bosniern befreundet und die haben ein großes Geburtstagsfest dort veranstaltet. Und ich dachte mir, dass ich da mitfahren sollte, da es tatsächlich eine eher ungewöhnliche Destination ist und ich nicht mehr so schnell hinkomme. Jedenfalls war das ganz wunderbar. 
 
Kommen Sie nach den „Sommergesprächen“ noch in den Genuss, Urlaub zu machen? 
Bernhard: Ja, aber ich weiß noch nicht ­genau wohin. Irgendwo in Kanada wahrscheinlich. 
 
Kürzlich sah man Sie auch bei den Festspielen in Salzburg. Ist das ein Fixpunkt in Ihren Agenden?
Bernhard: Heuer war ich bereits zum vierten Mal in Folge. Das ist mein Eintauchen in die Hochkultur. Und das, was ich heuer gesehen habe, ist wirklich nur in Salzburg möglich. Ich bin vielleicht nicht die musikalische Expertin, aber ein sehr ästhetischer Mensch. Und bei diesen Bühnenbildern und Kostümen komme ich ins Schwärmen. Manche murren ja über die Neuinszenierungen, aber ich finde gerade dies eben sehr spannend.  
 
Sie sind ein Mensch, der sein Privatleben – mittlerweile – für sich wahren möchte, und gerade in Salzburg wurden Sie von vielen Medien damit konfrontiert, wer denn der Begleiter an Ihrer Seite sei … 
Bernhard:
Das hat mich doch ein wenig überrascht, weil wir wirklich nicht als Paar aufgetreten sind. Es freut, wenn die Leute scheinbar so an meinem Leben partizipieren, dass das dann ein Fragezeichen ist. Aber wenn ich etwas in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es, dass man Privates wirklich auch privat hält. Und ich glaube, dass es okay ist, wenn auch mal über öffentliche Personen geschrieben wird, aber es kippt, wenn der Mensch proaktiv selbst die Meldungen herausfordert.
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