03. März 2010 13:59
Von Mailand drängt nun alles nach Paris:
Nun ist die
französische Metropole Schauplatz der Pret-a-Porter-Kollektionen der
Damenmode für Herbst/Winter 2010/11. Während die Konkurrenz in Mailand sich
mit knapp sechs Tagen Modeschauen für die kommende Saison begnügte, wartet
Paris nun direkt im Anschluss mit einem neuntägigen Marathon auf.
Allein 89 offizielle Präsentationen stehen auf dem Kalender, daneben gibt es
noch zahlreiche "Off"-Schauen. Für junge, in der Szene schon
anerkannte Avantgarde-Designer gilt Frankreich zur Zeit als erste Wahl für
die Präsentation ihrer Kollektionen. Auch wenn sie vielleicht in London,
Berlin oder New York angefangen haben:
Sobald sie es sich finanziell
leisten können, zieht es sie nach Paris.
Newcomer
Und so tauchen auf dem Kalender auch zahlreiche Namen
neuer interessanter Designer auf. Nicolas
Andreas Taralis etwa, der mit seinem klaren und konzentrierten Stil ein
wenig an Helmut Lang erinnert. Tatsächlich hat der in Kanada aufgewachsene
Designer bei dem einstigen Superstar der Mode studiert und später dem
ähnlich kultisch verehrten Hedi Slimane bei Dior assistiert. Schon seit ein
paar Jahren macht er eigene Kollektionen.
Als vielversprechender Newcomer gilt der in Paris lebende Belgier Anthony
Vaccarello . Der heute 30-Jährige hat vor vier Jahren den Großen Preis
des angesehenen Modefestivals von Hyeres gewonnen und schneidert mit
architektonischer Präzision. Beide eröffnen die Modewoche und zeigen ihre
Kollektionen am Dienstagabend.
Hochgelobt wurde in der vergangenen Saison die poetische, in ihrem Farbspiel
unglaublich sichere Kollektion des Italieners Marco
Zanini für Rochas . Der 38-Jährige war zuvor bei Versace und bei
Halston und könnte Rochas in ein neues In-Label der Mode verwandeln.
Seiner Kollegin Phoebe Philo ist das bei Celine auf Anhieb gelungen. Die
Britin, die vor ein paar Jahren Chloe zu einer der angesagtesten Marken der
Welt machte, gab in der vergangenen Saison ihr Debüt. Danach schwärmten
Einkäufer und Journalisten unisono von Celine. Und so gilt ihre Schau
diesmal als einer der absoluten Höhepunkte. Daneben warten alle natürlich
auch auf die "üblichen Verdächtigen", die Stars der
französischen Mode wie Balenciaga, Chanel, Dior, Lanvin, Hermès oder das
Haus Yves Saint Laurent.
Doch natürlich wird das Fehlen Alexander McQueens in diesem Reigen eine
tiefe Lücke reißen. Die schon fertigen Entwürfe des genialen Modemachers,
der sich am 11. Februar das Leben nahm, sollen nur in einem privaten Rahmen
gezeigt werden. Die eigentlich für den 9. März terminierte Schau wurde
abgesagt. Stattdessen wird am selben Tag das Haus Thierry Mugler nach
längerer Schauen-Abstinenz nun wieder offiziell präsentieren. Nach dem
starken Revival der 80er Jahre in diesem Winter dürfte die Marke, die den
Amazonenlook der Eighties maßgeblich prägte und nun unter Chefdesignerin
Rosemary Rodriguez noch einmal durchstartet, gute Karten haben.
So dicht und bunt das Programm auch erscheint: Ausruhen darf Paris sich
nicht auf seinen Lorbeeren der vergangenen Modesaisons. Schließlich gab es
in Mailand einige sehr starke Schauen. Marni
etwa punktete mit wunderbar ausbalancierten Farbkombinationen. Und
Miuccia Prada erwies sich wieder als einzigartige Trendsetterin der
Modewelt: Sie zeigte in Mailand eine starke wegweisende Kollektion, die
trotz Anleihen an die 60er Jahre äußerst zeitgemäß wirkte und mit der
Betonung weiblicher Formen eine neues, sehr weibliches Frauenbild vorschlug.