Claudia Haider zeigt ihr neues Leben

Interview

Claudia Haider zeigt ihr neues Leben

Im Interview spricht Jörg Haiders Witwe über ihre Pläne, ihre Enkel und Haiders Buberlpartie.

Klagenfurt. Am kommenden Dienstag, 11. Oktober, jährt sich der Tag zum dritten Mal, an dem die Sonne vom Himmel fiel. Jörg Haider war auf dem Weg zu seiner Familie (seine Mutter feierte den 90. Geburtstag) ins Bärental – aber er kam nie an. Gegen 1.15 Uhr überschlug er sich mit seinem VW Phaeton und starb noch an der Unfallstelle. Seit damals ist viel passiert. Sowohl politisch als auch in Haiders Familie selbst. Claudia Haider (56) hat die große Trauer überwunden und schöpft wieder neuen Lebensmut. „Den akuten Trauerprozess habe ich sehr aktiv erlebt. Aber ich bin eingebettet in ein soziales, familiäres Netz durch die Trauerphase getragen und geleitet worden. Das hat geholfen“, erzählt sie. Jetzt kommt ihr Leben langsam wieder in Fluss.

Haider hat sich zum Coach ausbilden lassen, treibt zahlreiche Charitys im Lions Club voran, schreibt an zwei Büchern gleichzeitig (das erste soll nächstes Jahr fertig werden, das zweite 2013), überlegt, ihrem Klagenfurter Haus einen neuen Anstrich zu geben. Auch auf Partys von der Fête Blanche bis zur Starnacht am Wörthersee ist Claudia im letzten Jahr gern gesehener Gast gewesen. Kärntens Landesmutter redet offen über ihre Trauerarbeit, aber mit einem Wort kann sie sich nicht anfreunden: „Ich mag das Wort Witwe nicht. Ich fühle mich noch immer als Frau von Jörg Haider.“

Familienclan wächst. Vor Kurzem wurde sie zum zweiten Mal Großmutter. Ihre Tochter Ulrike, die in Rom lebt, hat ihr erstes Kind geboren. Einen Buben. Tochter Cornelia wurde schon vor zwei Jahren Mutter. „Meine beiden Enkel sind prächtige Kinder und tun der Familie gut“, kommentiert Claudia Haider den Familienzuwachs.
Am Todestag werden sich die Familie und Freunde am Grab im Bärental versammeln, um gemeinsam zu beten und Jörg Haiders zu gedenken.

Angekratztes Image
Eine Bilanz der letzten drei Jahre wird auch die Öffentlichkeit ziehen. Und das Image von Jörg Haider ist posthum mehr als angekratzt. Sein politisches Erbe – das BZÖ – befindet sich am ­Rande der Bedeutungslosigkeit. Fünf blaue (und später orange) Ex-Minister der Wenderegierung unter Schüssel stehen unter ­Korruptionsverdacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gorbach, Scheibner & Co. Sein Fußballverein Austria Kärnten existiert nicht mehr. Jörg Haiders Hausbank, die Hypo, wurde notverkauft. Allen Widrigkeiten zum Trotz versucht Claudia Haider, das Erbe ihres verstorbenen Mannes zu bewahren. „Im Moment ist er an allem schuld. Aber Jörg Haider wurde schon immer mit anderen Maßstäben gemessen“, sagt sie im Interview.

 

ÖSTERREICH: Frau Haider, der dritte Todestag Ihres Mannes steht bevor. Was werden Sie an diesem Tag machen?
Claudia Haider:
Dieser Todestag ist ein besonderer, weil die Zahl 3 eine besondere ist. Sie spielt in der Mythologie eine große Rolle. Wir werden im familiären Freundeskreis meines Mannes gedenken und sein Grab besuchen. Auch meine Schwiegermutter wird kommen, sie hat ja Geburtstag und wird 93 Jahre alt. Und am 15. Oktober organisiere ich den Jörg-Haider-Gedächtnislauf in Maria Saal. (Anmeldung: www.pentek-payment.at)

ÖSTERREICH: Die Gestaltung des Grabes hat Sie lange beschäftigt. Wie oft besuchen Sie die letzte Ruhestätte Ihres Mannes?
Haider:
Das Grab ist für mich ein meditativer Platz. Der Blick auf den Kosiak-Gipfel, der viele Wald rundherum – das alles strahlt eine Ruhe und Besinnung aus. Hier bin ich sehr gerne – um den Frieden und die Schönheit der Natur in mich aufzunehmen.

ÖSTERREICH: Es heißt: Die Zeit heilt alle Wunden. Haben Sie auch diese Erfahrung gemacht?
Haider:
Die Zeit heilt gar nichts. Man kann die Zeit nur nützen. Ich habe die Spur nach mir selber gesucht und versuche meiner Weiterentwicklung weiter Raum zu geben.

ÖSTERREICH: Wenn man sich weiterentwickelt, steckt man sich neue Ziele. Was haben Sie in Angriff genommen?
Haider:
Ich wollte mich mit neuen Wissensinhalten auseinandersetzen. Kommunikation hat mich schon immer interessiert und deshalb habe ein Jahr lang eine Coachingausbildung absolviert.

ÖSTERREICH: Sie sind schon Waldpädagogin. Wollen Sie in Zukunft auch als Coach arbeiten?
Haider:
Nein, als Coach werde ich sicher nicht arbeiten. Aber durch die Ausbildung habe ich neue Aspekte in mein Leben getragen. Man lernt, dass man das Leben aktiv in die eigene Hand nehmen soll. Das habe ich vor dem Tod meines Mannes zwar auch schon. Aber es waren andere Voraussetzungen.

ÖSTERREICH: Sie sind vor wenigen Wochen zum zweiten Mal Großmutter geworden. Haben die Enkelkinder der Familie über die Trauer geholfen?
 Haider:
Es sind zwei prächtige Kinder. Außerdem verwöhne ich meistens Menschen, die ich sehr gerne habe. Und ich glaube, dass ich eine lustige Großmutter  bin (lacht).

ÖSTERREICH: Auch die schwarze Witwenkleidung haben Sie abgelegt …
Haider:
Die Bezeichnung Witwe mag ich gar nicht. Denn ich fühle mich in der Tat nicht als Witwe, sondern noch immer als Frau von Jörg Haider. Das Wort Witwe hat so etwas Endgültiges und mein Ehemann ist noch immer fest in mein Leben integriert. Aber Schwarz zu tragen, ist eine Tradition, die ihre Berechtigung hat und die ich im ersten Jahr nach dem Tod intuitiv leben wollte. Wenn man Schwarz trägt, gehen die Menschen automatisch mit einem vorsichtiger um.

ÖSTERREICH: Wie tragen Sie Ihren Mann in Erinnerung?
Haider:
Wir haben unser Haus in Klagenfurt gemeinsam gebaut und eingerichtet. Hier erinnert mich alles an ihn und hier fühle ich mich wohl. Das heißt aber nicht, dass in meinem Haus alles unverändert bleiben muss. Derzeit ist bei mir alles im Fluss.

ÖSTERREICH: Seit einigen Wochen kämpfen das BZÖ und ehemalige Minister der schwarz-blauen Regierung mit Korruptionsvorwürfen. Sind Sie von den Weggefährten wie Gorbach, Scheibner & Co. enttäuscht?
Haider:
Ich bin nicht enttäuscht, weil ich mich nicht täuschen habe lassen. Ich baue keine Idealvorstellung von einem Menschen auf. Jeder hat eine andere Vorstellung von seinem Leben. Wer bin ich, um das zu beurteilen? Jeder muss für ­seine Handlungen selber geradestehen.

ÖSTERREICH: Es ist durchaus realistisch, dass das BZÖ bei den nächsten Nationalratswahlen nicht mehr ins Parlament kommt. Würde Ihr Mann dann nicht ein zweites Mal „sterben“?
Haider:
Mein Mann hat viel geleistet und die Basis für eine gute politische ­Bewegung gelegt. Aber neue Menschen haben neue Vorstellungen von Politik und das ist zu akzeptieren.

ÖSTERREICH: Aber Jörg Haider hätte angesichts der Skandale sicher nicht so gelassen wie Sie reagiert …
Haider:
Ich bin keine Kaffeesudleserin, aber gefreut hätte es ihn sicher nicht. Es gibt im Leben Umstände, da fallen Menschen aus der Kurve. Dagegen ist man oft machtlos.

ÖSTERREICH: Nach dem Tod hatte Ihr Mann ein fast heldenhaftes Image. Merken Sie, dass sich die Stimmung nun verändert hat?
Haider:
Mein Mann hat schon während seines Lebens akzeptieren müssen, dass er mit anderen Maßstäben gemessen wird als andere. Und das wirkt über seinen Tod hinaus. Im Moment ist er an allem schuld. Nur kann er sich jetzt nicht mehr wehren.

ÖSTERREICH: Sie hatten einmal den Plan, ein Buch zu schreiben. Wie geht es diesem Projekt?
Haider:
Ich schreibe an einem Buch, mit dem die meisten nicht rechnen werden. Es handelt nicht von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft.