RELAX Guide 2010

Wellness-Führer "RELAX-Guide 2010"

Auf Babys zu setzen, ist der neue Trend in der Wellness-Hotellerie.

Nicht zuletzt wegen der steigenden Geburtenzahlen in Österreich haben über das ganze Bundesgebiet Häuser eröffnet, die Eltern Entspannung und Kindern eine liebevolle Betreuung versprechen. Der kritische Hotelführer "RELAX-Guide", der am 17. Oktober erschienen ist, hat die Wellness-Tempel für die Kleinsten erstmals getestet.

Dabei kam er zu dem Schluss, dass die Versprechungen mit der Realität nicht immer mithalten können. Grundsätzlich stellte "Relax-Guide"-Herausgeber Christian Werner der Branche aber ein gutes Zeugnis aus. "Es ist großartig, wie schnell sie auf den Trend reagiert haben", sagte der Experte. Bei den meisten Häusern gab es allerdings ein grundsätzliches Problem: Babys (von null bis drei Jahre) werden mit Kindern gleichgesetzt. "Sie haben aber spezielle Bedürfnisse", sagte Werner.

"Die Hotels sollten sich vor allem darum kümmern, dass die Babys auch betreut werden, wenn sie schlafen, damit die Eltern den Spa-Bereich nutzen und sich erholen können", meinte der Herausgeber. Stattdessen würden aber meistens Aktivprogramme wie Baby-Massagen oder "Rambazamba im Spielebereich" angeboten. "Wenn es dann schlafen möchte, werden die Eltern gerufen, damit sie es abholen", kritisierte Werner.

In manchen Hotels waren allerdings nicht einmal die Baby-Basics gegeben, so der Herausgeber. Selbst essenzielle Dinge wie Kinderwagenfreundlichkeit, Sauberkeit, Schallisolierung oder das Vorhandensein von entsprechenden Ruhebereichen waren oftmals nicht gegeben. Daneben kritisierten die Tester grundsätzliche Mankos wie fehlende bauliche Infrastruktur oder ein unzureichender Spa-Bereich.

Neben den Baby-Hotels wurden auch die gesamte Branche durchleuchtet. Der RELAX Guide hat alle 956 Wellnesshotels in Österreich unter die Lupe genommen und die besten mit dem Qualititätsgütesiegel der Lilie ausgezeichnet. Neu sind 63 Hotels, Rankings der 70 besten Hotelküchen und der 60 saubersten Hotelpools. Alle Bewertungen sind - allerdings ohne die kritischen Kommentare - auch auf http://www.relax-guide.com angeführt.

"RELAX-Guide"-Herausgeber Christian Werner kritisiert einen "deutlich spürbaren Qualitätsverlust" in der Wohlfühlbranche. "Sparen am Gast ist eine Realität, die vor allem bei weniger erfolgreichen Hotels immer stärker beobachtbar ist - bei steigenden Preisen", sagte der Experte. Der Trend mache sich auch in der Bewertung der einzelnen Häuser bemerkbar: "Es gab einen Rekord an Punkteverlusten."

Während die Zimmerpreise laut Werner in den vergangenen zwölf Monaten um 5,5 Prozent gestiegen sind - der höchste Wert in den vergangenen zehn Jahren -, wird vor allem in Häusern mit Auslastungsproblemen gespart. "Das macht sich auf vielen Ebenen bemerkbar. Die Sauna- und Pool-Öffnungszeiten werden reduziert, die Hygieneaufbereitung des Pool-Wassers vernachlässigt oder es gibt eine Küche, die mit fabriksmäßig vorgefertigten Speisen weder dem Gaumen noch der Gesundheit dienlich ist", kritisierte der Herausgeber. Auch Gesichts- und Körperbehandlungen würden oft von schlecht oder gar nicht qualifizierten Mitarbeitern durchgeführt.

Das Phänomen "Sparen am Gast" ist Werner zufolge nicht neu. "Aber während es all die Jahre nur vereinzelt zu beobachten war, ist nun im vergangenen Jahr so etwas wie ein breiter Trend spürbar und virulent geworden. Das muss natürlich in unseren Bewertungen seinen Niederschlag finden, weshalb es heuer zu einem Punkteverlust in Rekordhöhe gekommen ist", so Werner.

Ab 13 Bewertungspunkten verleiht der "RELAX Guide" Lilien als Qualitätsgütesiegel. Maximal vier Lilien werden vergeben, aber nur 31 Prozent aller österreichischen Wellnesshotels konnten diesmal mindestens eine Lilie erreichen. "Das ist der tiefste Wert in der elfjährigen Geschichte des Guides", sagte Werner. Trotz gestiegener Anzahl an Wellnesshotels - der RELAX Guide bewertet in seiner neuen Ausgabe 2010 insgesamt 956 österreichische Hotels - mussten mehr als 50 Häuser einen Lilien-Verlust hinnehmen.

INFO: RELAX Guide 2010 Österreich. ISBN 978-3-902115-31-7, um 17,90 Euro im Buchhandel