Ihre Fragen an die Frauenministerin

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Ihre Fragen an die Frauenministerin

(c) PautyLesen Sie hier die Fragen und Antworten:

Zum Thema Frauen & Männer

Frage: Chancengleichheit ist noch immer ein sehr aktuelles Thema in Österreich – welche Schritte wollen Sie unternehmen? 
Antwort:
Gerade Chancengleichheit im Beruf, bei den Einkommen ist mir ein wichtiges Anliegen. Ich werde mich mit aller Kraft   dafür einsetzen,  die Rahmenbedingungen strukturell so zu verändern, dasss sie diskriminierungsfrei sind. Um das zu erreichen halte ich Hilfsmittel wie Quotenregelungen, Frauenförderpläne, Gender Mainstreaming, aber auch den Ausbau der Kinderbetreuung und Verbesserungen im Pflegebereich, wie die Erhöhung des Pflegegeldes, für notwendig.

Frage: Es ist ja leider noch immer so, dass wir Frauen weniger als unsere männlichen Zeitgenossen verdienen. Ist das auch bei Ihnen der Fall? 
Antwort:
Leider ist das so. Obwohl ich nicht aktiv in den Gehaltsverhandlungen eingebunden bin, werde ich mich im Vorfeld für eine gerechte Einkommensverteilung einsetzen. Wichtig ist mir eine Untersuchung der Entgeldfinungsmethoden das heißt inwieweit die Zusammensetzung von Löhnen Frauen bereits diskriminieren. Als Beispiel: Ob körperlich anstrengende Arbeit mehr wert ist als Berufe, die einen hohen persönlichen Einsatz fordern, also etwa Berufe in der Betreuung von Menschen. Was Ihre Frage zu meinem Einkommen betrifft: Minister Innengehälter sind per Gesetz geregelt. 

 

Frage: Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit: wie wollen Sie gegen den Einkommensunterschied, den es für Frauen immer noch gibt, vorgehen?  
Antwort:
Solange Frauen sich noch immer überproportional in den unteren Einkommensbereichen befinden, ist es mir als Frauenministerin besonders wichtig, Maßnahmen zu setzen, die gerade die unteren und mittleren Einkommen entlasten. Hier bedarf es zusätzlicher, ausgleichender Maßnahmen und durchaus kreativer Lösungen, wie etwa den Wegfall beziehungsweise die Reduktion der Arbeitslosenversicherungsbeiträge für Einkommen bis 1.350 Euro.

Damit haben rund 850.000 Frauen seit 1.7.08 netto mehr Einkommen zur Verfügung. Auch der Mindestlohn von 1.000 Euro ist ein wichtiger Schritt. Es gilt aber auch, Frauen und Mädchen noch viel stärker zu ermutigen, auch technische Ausbildungen und Berufe zu ergreifen. Die Verbesserung der Chancen am Arbeitsmarkt, die Förderung praxisnaher Ausbildungen in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, die Höherqualifizierung und Erschließung "nicht-traditioneller" Berufsfelder sowie die Förderung von Chancengleichheit und Gender Mainstreaming sind wesentliche Element neben Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die ich mich einsetzen werden, um die Einkommensschere weiter zu schließen.   

Zum Thema Karenz

 

Frage: Wie sehen Ihre Ziele zum Thema Karenz (auch in Bezug auf die Väter-Quote) aus? 
Antwort:
Kinderbetreuung kann nicht die alleinige Aufgabe von Frauen sein. Auch wollen viele, gerade junge Väter auch aktiv diese Rolle wahrnehmen und sich bewusst Zeit für ihre Kinder nehmen. Dabei möchte ich sie unterstützen, da es so auch zu mehr Partnerschaftlichkeit kommt und die beruflichen Auswirkungen die die Geburt eines Kind für  viele Frauen mit sich bringt, wie etwa Einkommenseinbußen beim Wiedereinstieg, geringere Aufstiegschancen und damit auch gerine Einkommen für das weitere Erwerbsleben, könnten durch eine Steigerung der Väterbeteiligung in der Kinderbetreuung reduziert werden.

 

Viele Väter würden gerne in Karenz gehen, können es sich aber aufgrund des damit oft verbundenen Wegfalls des höheren Einkommens nicht leisten. Um dem entgegenzuwirken ist aus meiner Sicht die Einführung eines Papamonats mit Kündigungsschutz und Entgeltersatz ein wichtiger Beitrag Männer schon unmittelbar nach der Geburt die Möglichkeit zu geben eine emotionale Bindung zum Kind aufzubauen und die Mütter zu entlasten. Aber auch die Einführung der Arbeitszeitgrenze statt der Betragsgrenze beim Kinderbetreuungsgeld halte ich als Schritt in Richtung einkommensabhängiges Karenzgeld für wichtig.

 

Aber auch die Regelungen bei der Pflegefreistellung sollten dahin gehend geändert werden, dass Männer auch dann einen Anspruch auf Pflegeurlaub haben wenn sie nicht (mehr) im gemeinsamen Haushalt mit den Kindern leben oder es nicht ihre leiblichen Kinder sind. Aber auch die Wirtschaft muss besser dafür sensibilisiert werden, damit Männer von ihren Rechten auch Gebrauch machen können, ohne berufliche Nachteile befürchten zu müssen.


Frage: Frauen und Karenz: wie kann man Müttern den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern? 
Antwort:
Die Erfahrungen aus der Evaluierung des Kinderbetreuungsgeldes alt haben uns gezeigt, dass es für Frauen umso schwieriger wird wieder in den Beruf einzusteigen, je länger die Berufsunterbrechung aufgrund der Geburt eines Kindes gedauert hat. Daher setze ich mich für weitere Verbesserungen beim Kinderbetreuungsgeld  wie die Einführung einer Arbeitszeitgrenze als Alternative zur betragsmäßigen Zuverdienstgrenze ein, um jenen Frauen, die die Berufsunterbrechung kürzer halten möchten, das auch zu ermöglichen, ohne dass sie auf die Familienleistung Kinderbetreuungsgeld verzichten müssen.

Für einen rascheren Wiedereinstieg ist aber auch das Betreuungsangebot entscheidend. Nur wenn ich als Mutter weiss, dass mein Kind in einer qualtitativ und pädagogisch hochwertigen Kinderbetreuungseinrichtung gefördert und betreut wird, kann ich Beruf und Familie auch tatsächlich vereinbaren. Da mit dem Wiedereinstieg nach einer Karenz aber auch andere Nachteile wie Entgeltreduktionen und verschlechternde Versetzungen verbunden sein können ist es mir wichtig auch hier, etwa bei den Regelungen der Elternteilzeit über Verbesserungen ernsthaft zu diskutieren.

Aber nicht nur die Mütter sind gefordert, wenn es um einen erfolgreichen Wiedereinstieg geht. Gerade auch die Unternehmen müssen einen Beitrag leisten, etwa durch die Möglichkeit, dass Frauen in Karenz auch an betrieblichen Aus- und Weiterbildungen teilnehmen können und auch Kontakt zu Ihrem Unternehmen halten können. Auch sollten Unternehmen gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen schon frühzeitig individuelle Wiedereinsteigsszenarie vereinbaren. So könnte der Wiedereinstieg für beide Seiten planbarer gestaltet und damit erleichtert werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter: Zu den Themen Ziele und Neuwahlen



Zum Thema Ziele

 

Frage: Was sind Ihre Hauptziele als Frauenministerin und wie wollen Sie diese erreichen? 
Antwort:
Ich bin bekannt für meine Hartnäckigkeit. Meine Hauptziele sind die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Frauen in Beschäftigung; gerechte und qualifizierte Teilzeit; Unterstützung bei der atypischen Berufswahl; partnerschaftliche Aufteilung der unbezahlten Arbeit;  Erhöhung der Inanspruchnahme der  Väterkarenz; Frauenförderung;  Kampf gegen Armut; Entlastung der Frauen in den unteren und mittleren Einkommensschichten durch die Teuerungswelle, denn jede Entlastung ist auch eine Frauenmaßnahme; Ausbau der Gewaltschutzzentren und Frauenberatungsstellen . Um diese Ziele zu erreichen, habe gibt es bereits viele verschiedene Vorschläge, die ich mit den zuständigen MinisterkollegInnen immer wieder diskutieren werden und ich werde immer wieder auf die Benachteiligungen von Frauen und die Lebenssituationen von Frauen aufmerksam machen.

 

Frage: Was glauben Sie noch in dieser kurzen Zeit (bis zur Neuwahl) erreichen zu können? 
Antwort:
Bewußtsein schaffen für die Anliegen der Frauen; gesetzliche Maßnahmen werden nur mehr sehr schwer durchzusetzen sein durch die Blockadepolitik der ÖVP

Frage: Ist Johanna Dohnal ein Vorbild für Sie? Welche Dinge, die sie für Frauen umgesetzt hat, finden sie gut, welche weniger? 
Antwort:
Johanna Dohnal ist eine der Leitbilder der österreichischen Frauenbewegung. Mit Vorbildern tue ich mir etwas schwer, denn es gibt so viele hervorragende Frauen in Österreich, die für Frauen unglaublich viel bewegt haben.  

Frage: Wäre es für die kommende Legislaturperiode nicht ratsamer, das Frauenministerium mit dem Familienministerium zusammenzulegen? 
Antwort:
Ein klares Nein. Solange es nicht zu einer vollkommenen Gleichstellung von Frauen in unserer Gesellschaft kommt, muss es ein Frauenministerium geben. Frauenpolitik ist viel mehr als reine Familienpolitik . Die Anliegen von Frauen müssen in allen Bereichen berücksichtigt werden, egal ob es um Familien, die Arbeitswelt, den Konsumtenschutz, die Sicherheit oder die Finanzen geht.  Wir müssen immer und immer wieder die Finger auf die Wunden der Nichtgleichbehandlung, der Chancenungleichheit  legen, sie aufzeigen und der Mehrheit der Bevölkerung zu ihrem Recht zu verhelfen.  


Zum Thema Nach Neuwahlen (im Herbst)

 

Frage: Glauben Sie, dass Sie nach den Neuwahlen das Amt der Frauenministerin noch innehaben werden?
Antwort:
Die Wählerinnen und Wähler entscheiden: Ich lasse mich in meinen Überzeugungen und Vorhaben von keinem Wahltermin beeindrucken. Ich möchte Politik für Frauen machen, egal wann gewählt wird.  



Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Plötzlich Frauenministerin - Heidrun Silhavy im ganz persönlichen Talk"



Plötzlich Frauenministerin
Heidrun Silhavy wurde als Nachfolgerin von Doris Bures präsentiert.MADONNA traf die künftige Frauenministerin zum erstaunlich privatenInterview.

Des einen Leid, des anderen Freud, könnten böse Zungen behaupten. Denndass Doris Bures ihren Frauenministerposten abgebenmusste, um Bundeskanzler Gusenbauer alsWieder-SP-Bundesgeschäftsführerin den Rücken zu stärken (in MADONNA gabsie ihr großes Abschiedsinterview), scheint die engagierte Politikernnoch immer nicht ganz glücklich zu machen.

Ihr einst strahlendes Lächeln versucht nun eine andere anzulegen:Heidrun Silhavy (52) wurde überraschend als Nachfolgerin präsentiert.MADONNA durfte die sympathische Steirerin und Noch-Staatssekretärin vonihrer bisher unbekannten, offenen Seite kennenlernen.

Frau Staatssekretärin, Sie haben eine aufregende Woche hinter sich. Hatten Sie anfangs Bedenken „Ja“ zu sagen?
Heidrun Silhavy: Wenn man in der Politik so weit gegangen ist, wie ich,gibt es keine Angst mehr. Ich sage immer: Der Lohn der Angst ist einevolle Hose (lacht). Trotzdem bin ich ein Mensch, der sich überlegt,welche Anforderungen mit so einer Aufgabe verbunden sind und ob ich mirdas zutraue. Ein typisches Frauenleiden...

Welche Stärken machen Sie zu einer guten Frauenministerin?
Silhavy: Ich bin seit 52 Jahren Frau, davon 25 Jahre aktiv inder Frauenarbeit in der Gewerkschaft, in den Partei- und Frauengremien.Ich war in der Arbeiterkammer maßgeblich daran beteiligt, dass wir einFrauenreferat geschaffen haben. Da gibt es viele Dinge, auf die manzurückgreifen kann.

Und Ihre Schwächen?
Silhavy: Ich bin jemand, der sich nicht unbedingt nach vornedrängt und sich gerne vor die Kameras stellt. Man hat mir einmalgesagt, dass man, wenn man in der Politik ist, auch schauspielerischeFähigkeiten haben muss. Das ist nicht ganz Meines. Aber ich werde michbemühen – auch der Frauenthemen wegen – die Medien aufzusuchen.

Eines der Hauptanliegen von Doris Bures war die Karenz-­Väter-Quotezu erhöhen, Sie möchten dieses Ziel weiterverfolgen. Haben Sie Ihrenheute 34-jährigen Sohn auch in Richtung Emanzipation erzogen?
Silhavy:
Absolut! Bei uns war es ganz normal, dass jeder allesmacht. Ich hatte aber auch den Vorteil, dass mein – heute geschiedener– Ehemann mich auch bei der Erziehung unseres Kindes in diese Richtungzu hundert Prozent unterstützt hat. Als Richard ein Teenager war,musste er seine Sachen zum Beispiel selbst bügeln. Und mein Mann hatschon bügeln gelernt, als unser Sohn klein war. Er hatte überhaupt keinProblem damit. Beide bügeln super. Meine Mutter hat lange gebraucht,bis sie das akzeptiert hat. Das Wesentliche in jeder Familie ist, dassdie Hausarbeit und die Kinderbetreuung nicht nur einem Geschlechtzugeordnet ist.

Ab welchem Alter kann man Ihrer Meinung nach ein Kind in Fremdbetreuung geben?
Silhavy:
Das ist ganz individuell. Mein Sohn ist mit eineinhalbJahren in die Krabbelstube gekommen. Zugegeben: Ich selbst hätte ihnoft schon wegen einem Wimmerl zu Hause gelassen. Aber mein Mann hatmich dankenswerterweise immer vom Gegenteil überzeugt. Und dem Richardhat es dort ja auch gut gefallen. OptimaleKinderbetreuungsmöglichkeiten sind ja nicht nur für die Eltern, sondernauch für die Kinder wichtig.

Doris Bures hatte mit der Familienministerin oft eine harte Diskussionspartnerin – wie werden Sie sich durchsetzen?
Silhavy:
Ich habe mit Andrea Kdolsky noch nie über Familienpolitikdiskutiert. Aber ich glaube, dass wir an und für sich eine guteGesprächsbasis haben – wie auch mit Staatssekretärin Christine Marek.Ich hoffe diesbezüglich auch auf eine gewisse Frauensolidarität. Indemman die Dinge persönlich ausspricht und nicht über andere ausrichtet.Gerade als Frauenministerin sollte man die Solidarität zwischen Frauenvorleben. Wir werden sehen, ob es möglich ist. Meine Zielsetzung istes, gemeinsam Dinge zu erreichen und durchzusetzen, aber ich scheueauch die Diskussion nicht.

Ihre Vorgängerin hat sich nie darüber beschwert, kein eigenes großes Budget über zu haben. Was halten Sie davon?
Silhavy:
Kein Minister würde wohl sagen, dass er nicht gerne eingrößeres Budget hätte. Aber Doris Bures hat sicher ganz richtigerkannt: Frauenpolitik ist eine Querschnittsmaterie. Es ist ganzwesentlich, dass sie nicht nur in einem Ressort, sondern in jedemanderen auch umgesetzt wird.

Dieser Tage wurde abermals darüber diskutiert, ob denn ein Frauenministerium überhaupt notwenig sei. Was meinen Sie dazu?
Silhavy:
Wenn Sie mir beweisen, dass alle Frauen gleich behandeltwerden und Chancengleichheit mit Männer haben, sage ich auch sofort:Wir brauchen es nicht mehr! Solange das nicht der Fall ist, werden wirimmer ein Frauenministerium brauchen, weil es notwendig ist, derMehrheit der Bevölkerung zu ihren Rechten zu verhelfen. Das isttraurig, aber es ist so.
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