Pelz im Sommer? Fell-Sandalen erhitzen die Gemüter

Umstrittener Modetrend

Pelz im Sommer? Fell-Sandalen erhitzen die Gemüter

Im Jahr 2015 schickte der Gucci-Chefdesigner Alessandro Michele zum ersten Mal Loafers mit Pelz auf den Laufsteg. Die Idee, nackte Füße in Fell zu betten, schlug große Wellen - zum Ärger von Tierliebhabern, die Pelz als wärmendes Kleidungsstück ablehnen. Dass die tierischen Felle nun bei Sandalen zum Einsatz kommen, wo der wärmende Effekt eigentlich widersinnig ist, provoziert die Aktivisten nun doppelt. Diesen Sommer sichtet man immer häufiger Sandalen, die an der Außenseite mit Pelz besetzt sind. Oftmals ist den Trägern nicht der Herkunft des bewusst, denn Tierschutzgesetze existieren nicht in allen Ländern, die mit der Pelzindustrie wirtschaften. "95 Prozent aller weltweit gehandelten Pelze stammen aus Zuchtfarmen vor allem aus China und Europa, in denen Pelztiere wie Nerze, Marderhunde oder Füchse gehalten werden. Mehr als 100 Millionen Tiere sterben jährlich für die Pelzmode ", erklärt Martina Pluda, Kampagnenleiterin bei Vier Pfoten. "Die Pelztiere werde in winzigen Drahtgitterkäfigen gehalten und können ihr natürliches Verhalten niemals ausleben. Dieses monotone Leben führt zu Dauerstress, schweren Verhaltensstörungen und Selbstverstümmelungen. Nach wenigen Monaten werden die Jungtiere in den Pelzfarmen zur sogenannten „Pelzernte“ getötet", sagt Pluda. 

Nicht nur die Pelzfarmen sind den Tierschützern ein Dorn im Auge, auch der Fallenfang in der Wildnis führt zu Tierleid: "Insbesondere in Nordamerika werden wildlebende Kojoten, Füchse oder Rotluchse mit Tellereisen, Schling- oder Drahtbügelfallen gefangen, um ihre Pelze verwerten zu können. Oft werden sie dadurch nicht sofort getötet, sondern ihr Todeskampf zieht sich tagelang hin" schildert Pluda die Jagdpraktiken. 

Luxuslabels wenden sich vom Pelz ab

Nichts entzweit die Modewelt so sehr wie Pelz. Und dabei gibt es auch keine Graustufen, denn entweder man trägt ihn oder man trägt ihn nicht. Für Mode-Liebhaber, die Pelz als ein No-Go erachten, heißt die tierleidfreie Alternative "Fake Fur". Immer mehr Labels setzen auf Kunstfaser statt Pelz - darunter auch die eingangs erwähnte Marke Gucci. Vor zwei Jahren verbannte man Tierfelle aus dem Sortiment. Diesem Trend folgten weitere Labels, die dem Pelz den Rücken zukehren: Nach Marken wie Armani, Gaultier, Chanel, Versace, Ralph Lauren oder Vivienne Westwood produziert nun auch Prada pelzfrei. 

Darauf muss man bei Fake Fur achten

Kunstpelz ist mittlerweile so täuschend echt, dass viele, die Kunden, die eigentlich gegen Pelz sind, aus Versehen Produkte mit Echtfell kaufen. Auch der Preis ist kein Indikator mehr: "Echtfellbesatz wird heute mit extrem geringen Produktionskosten hergestellt und daher auch sehr günstig angeboten." sagt Pluda. Oftmals fehlt auch die Kennzeichnung: "Gerade bei Pelzbesatz ist nur selten ein Hinweis am Kleidungsstück, das darüber Auskunft gibt, ob es sich um Echtpelz oder Kunstfell handelt."

Wie man als Kunde Echt- von Kunstfell unterscheiden kann, lesen Sie hier:

VIER PFOTEN-Tricks um Echtfell von Fake Fur zu unterscheiden

  • Der Unterwolle-Test: Ziehen Sie die Oberhaare des Pelzes etwas auseinander und schauen Sie, was darunter zum Vorschein kommt. Ist der Pelz lang beziehungsweise ungeschnitten, ist bei Echtpelz manchmal eine Unterwolle zu erkennen. Diese besteht aus ganz feinen, dichten und flauschigen Haaren, welche die Tiere in der Natur ausgezeichnet wärmen.
     
  • Der Leder-Test: Echtpelz wird mitsamt Leder gewonnen und verarbeitet. Ziehen Sie die Haare vorsichtig auseinander. Am darunter liegenden Gewebe können Sie erkennen, ob es sich um ein künstlich gewebtes Muster beziehungsweise einen Stoff handelt oder ob die Haare auf echtem Leder haften.
     
  • Der Wind-Test: Echtpelz bewegt sich oft schon bei leichten Brisen. Wenn Sie ganz sanft über den Pelz blasen und sich die Haare trotzdem bewegen, haben Sie wahrscheinlich Echtpelz vor sich.
     
  • Der Haar-Test: Man kann Echt- von Kunstpelz unterscheiden, indem man ein paar Haare verbrennt. Wenn Sie einen synthetischen Geruch wahrnehmen und die Haare zu kleinen, harten Klümpchen verschmelzen, handelt es sich um Kunstpelz. Zerfallen die Haare jedoch und riecht es nach verbrannten Haaren, so handelt es sich um Echtpelz. Einen weiteren Anhaltspunkt bieten die Haarspitzen. Sind diese geschnitten kann man von Kunstpelz ausgehen, spitz gewachsen könnten sie ein Indikator für Echtpelz sein.

Im Zweifel rät "Vier Pfoten" Tierliebhabern dazu, auf den Kauf eines Produktes mit nicht einwandfrei identifizierbarem Fell lieber zu verzichten. Wer ganz sicher gehen möchte, dass er nicht versehentlich echten Pelz kauft, der findet durch das „Fur Free Retailer-Programm“ eine Liste sämtlicher Modemarken, die sich bereits klar gegen Pelz in ihren Kollektionen ausgesprochen haben: furfreeretailer.com.

PLUDA Martina © VIER PFOTEN Adrian Almasan
Tierrecht-Expertin Martina Pluda leitet seit 2016 erfolgreich Kampagnen für die Tierschutz-Organisation Vier Pfoten. Derzeit liegt der Fokus auf die EU-weite Bürgerinitiative "End the Cage Age" gegen Käfighaltung von Nutztieren in Europa. 


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