Schauspielerin litt unter toxischer Beziehung

Jennette McCurdy: "Ich bin froh, dass meine Mutter tot ist"

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Selbstverliebtheit, Macht & Kontrolle: Narzisstische Mütter prägen das Leben ihrer Töchter. Wie wichtig es ist, offen über emotionalen Missbrauch zu sprechen. 

Kaum eine Beziehung im Leben ist derart prägend und emotional wie jene zur eigenen Mutter. Vor allem für Mädchen und junge Frauen ist die Mutter lange Zeit mitunter die wichtigste Identifikationsfigur, das wichtigste weibliche Vorbild, dem sie nacheifern und gefallen möchten. Hinzu kommt das natürliche kindliche Bedürfnis nach Liebe, Wärme, Mitgefühl, Bindung, Geborgen- und Sicherheit.

Narzisstisch-toxische Bindung

In gesunden Mutter-Tochter-Beziehungen sind all diese Dinge selbstverständlich – wobei es völlig normal (und sogar gesund) ist, dass es auch hier ab und zu einmal kracht. Trotzdem können sich Mädchen und junge Frauen in einem emotional-gesunden familiären Umfeld in der Regel frei entfalten, einen gesunden Selbstwert entwickeln und später einmal gesunde freundschaftliche wie partnerschaftliche Verbindungen mit anderen Menschen eingehen. Toxische Mutter-Tochter-Beziehungen hingegen, die in sehr vielen Fällen von einer narzisstischen Mutter ausgehen und gesteuert werden, können Selbstwahrnehmung, Lebens- und Liebesglück einer Tochter bzw. einer Frau ein Leben lang negativ beeinflussen.

Toxisch ist eine Mutter-Tochter-Beziehung bei emotionalem Missbrauch, Abhängigkeit und Schuldgefühlen. 

Toxisch ist eine Mutter-Tochter-Beziehung bei emotionalem Missbrauch, Abhängigkeit und Schuldgefühlen. 

© Getty
× Toxisch ist eine Mutter-Tochter-Beziehung bei emotionalem Missbrauch, Abhängigkeit und Schuldgefühlen. 

Memoiren eines Kinderstars

Eine derartige Verbindung zu ihrer Mutter hatte auch die US-amerikanische Drehbuchautorin, Regisseurin, Singer-Songwriterin und ehemalige Schauspielerin Jennette McCurdy. Während sie in der Fernsehserie „iCarly“ (2008 bis 2013 in sechs Staffeln ausgetrahlt) als Samantha bzw. „Sam“ Puckett einem Millionenpublikum zulächelte, hatte McCurdy privat mit emotionalem Missbrauch ihrer stark narzisstischen Mutter zu kämpfen. Kaum jemand wusste damals, was sich hinter den Kulissen der Erfolgsshow abspielte, kaum jemand wusste, wie sehr die junge Schauspielerin unter dem übergriffigen Verhalten ihrer eigenen Mutter, ihrer engsten Vertrauten, litt.

I’m glad my mom died

Nach jahrelanger Therapie und Aufarbeitung und nachdem sie der Schauspielerei den Rücken zugekehrt hatte, berichtet Jennette McCurdy in ihrem Buch „I’m Glad My Mom Died – Meine Befreiung aus einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung“ von dieser schwierigen Beziehung zu ihrer missbräuchlichen Mutter, die nach einem jahrelangen Überlebenkampf im Jahr 2013 an Krebs verstorben ist. McCurdy erzählt mit bitterem und zugleich ehrlichem sowie direktem Humor, wie es ihr gelang, sich schlussendlich aus dieser emotionalen und hochmanipluativen Verstrickung zu befreien und die Kontrolle über ihr eigenes Leben, ihre Beziehungen und insbesondere ihr Selbstbild zu erlangen.

Die ehemalige Schauspielerin hat sich aus der toxischen Beziehung zu ihrer Mutter gelöst - und geht heute ihren eigenen Weg. 

Die ehemalige Schauspielerin hat sich aus der toxischen Beziehung zu ihrer Mutter gelöst - und geht heute ihren eigenen Weg. 

© Getty
× Die ehemalige Schauspielerin hat sich aus der toxischen Beziehung zu ihrer Mutter gelöst - und geht heute ihren eigenen Weg. 

Mamas Traum

McCurdy beschreibt in ihren Memoiren konkret, was sie opfern musste, nur um ihre Mutter glücklich bzw. es ihr recht zu machen. So war es eigentlich der Traum ihrer Mutter, McCurdy zu einem Kinderstar zu machen. „Eigentlich wollte Mom, dass ich mit der Schauspielerei anfange, weil sie wollte, dass ich ein besseres Leben habe als sie“, schreibt sie. „Lange dachte ich, sie meinte es gut. Heute weiß ich, dass sie mich in eine Karriere, eine Welt drängte, die ich nicht wollte und für die ich nicht bereit war“, beschreibt McCurdy den emotionalen Zwiespalt ihrer Mutter gegenüber: Die eigene Mutter, die doch alles für einen tut und gibt – obwohl genau das gar nicht gut tut, gar nicht dem eigenen Weg entspricht.

Obsession und Abhängigkeit

So lernte die junge McCurdy von ihrer Mutter bereits mit elf Jahren, dass z.B. tägliches Kalorienzählen und permanente Selbstoptimierung Erfolg und Anerkennung garantieren würden – Verhaltensweisen, die McCurdy in eine spätere Essstörung, Angstzustände und starke Selbstzweifel trieben. Bis sie 16 Jahre alt war, wurde sie von ihrer Mutter geduscht und gebadet, musste ihre Mails, ihre Freundschaften und ihr Konto mit ihr teilen. Privatsphäre gab es keine, dafür jede Menge Kontrolle, Schuldgefühle und Abhängigkeiten.

Was herzzerreißend und verstörend klingt (und wohl auch war), soll Frauen, die Ähnliches erlebt haben, ermutigen, offen und ehrlich darüber zu sprechen. Denn emotionaler Missbrauch – ganz gleich, von wem er ausgeht – sollte kein Tabuthema sein und keinesfalls unentdeckt bleiben.  

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