Kein Tag wie der Andere

Uschi Fellner

Kein Tag wie der Andere

Warum so ein Abend daheim doch recht gemütlich ist

Wir stellen uns eine Frau vor, die nach zehn Stunden im Büro mit zwei Kindern und zwei Freunden des jüngeren Kindes heim gekommen ist und sich in der Küche zu schaffen macht. „Wollt ihr Nudeln?“, fragt die Frau. „Nudeln, Nudeln!“, rufen die Kinder, von denen drei acht Jahre zählen. (Zwei von den dreien werden nach den Nudeln abgeholt. Glaubt die Frau. Seltsam ist nur, dass beide ihre Pyjamas dabei haben.)
Das Telefon klingelt. Barry White singt „You’re the first, the last, my everything…“ Idee von einem der Achtjährigen, der irgendetwas verstellt hat, so dass jetzt kein anderer Klingelton mehr möglich ist. Der Frau ist Barry bereits ziemlich peinlich.
„Guten Abend, mein Name ist Wendelin“, sagt eine Männerstimme ins Telefon, „Ihre Bankberaterin hat mich an Sie empfohlen, um eine maßgeschneiderte Anlagestrategie für Sie zu entwerfen, es geht um… Sicherheit… hohe Rendite… in Zeiten wie diesen… einzigartiges Angebot…“
Die Frau: „Grundsätzlich gern, aber… Edgar und Theo, spinnt ihr?“ (Edgar und Theo stehen mit ­Küchenmessern bewaffnet in Kampfposition.)
Die Kinder: „Das ist doch nicht ernst!“ Die Frau: „Messer weg, sofort!“ Herr Wendelin: „Sicherheit für die Zukunft, deshalb würde ich Ihnen empfehlen…“ Die Frau: „Klingt sehr interessant…“
Theo: „Warum ist hier ein Feuer?“ Die Frau: „Feuer? Seid ihr wahnsinnig?“ Herr Wendelin: „Deshalb können wir in sechs Monaten den Betrag verdoppeln. Das Angebot geht exklusiv an Sie!“
Die Frau (drischt mit einem Geschirrtuch auf ­einen glosenden Papierstapel ein): „Welcher Idiot hat die Kerze angezündet?!“
Edgar: „Ich war’s nicht!“ (Der Rest der Kinder ist verschwunden). Die Frau: „Warum steht in der ­Küche das Wasser?“ Edgar: „Ich war’s nicht!“
Herr Wendelin: „Kann ich Ihnen helfen?“ Die Frau: „Am Tisch brennt es, aber wenn das Wasser in der Küche steigt, wird es das Feuer löschen.“
Edgar: „Rufen wir die Polizei!“ Herr Wendelin: „Störe ich eigentlich?“ Die Frau: „ Nein, wieso?“