Ich bin jetzt  ein Sim

Nina Fischer:

Ich bin jetzt ein Sim

Und: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Was machst du denn da?“ schaute Kollegin Kathi fragend in mein iPhone. Mir ist selten etwas unangenehm, aber da lief ich rot an. „Sims“, sagte ich leise. Ich oute mich: Das PC-Spiel meiner Kindertage hat mich wieder. „Sims – Freispiel“ heißt die (Gratis-)App, die mich seit Wochen rund um die Uhr beschäftigt. Das Spiel läuft in Echtzeit. Ich musste meinen Schlafrhythmus von neun auf acht Stunden reduzieren, um ihn meinen Sims anzupassen. Ich kaufte mir ein schickes Sofa, einen schwarzen Hochglanzkühlschrank und tapezierte meine Zimmer in Lila. Mittlerweile wohnen Freunde, diverse Ex-Freunde und potenzielle Freunde in der Stadt. Sie haben dieselben Namen, tragen dieselben Outfits und haben dieselben Frisuren wie die realen Personen. Wenn man sich nicht ständig um sie kümmert, werden sie stinkig – oft im wahrsten Sinne des Wortes. Denn: Schickt man sie nicht rechtzeitig aufs Klo, pinkeln sie ins Haus. Essen sie zu wenig, werden sie murig, bekommen sie zu wenig Liebe, werden sie traurig. Ich habe bereits einen fixen Freund (tippt man auf „Techtelmechtel“, geht es zur Sache) und eine Romanze. Natürlich nur mein virtuelles Ich, denn das  reale hat für derlei Banalitäten des Alltags im Moment keine Zeit. P.S.: Da die gesamte Redaktion mittlerweile vom Sim/iPhone-Fieber befallen ist, haben wir eine Idee geboren: Ab 21. 1. gibt es auf der Thema Intro die App der Woche!

Nina Fischer ist MADONNA Living-Chefin: n.fischer@oe24.at