Mein perfekter Tag

So ein schöner Tag

Ein guter Tag fängt mit einer guten Nacht an, mit gutem Schlaf und wunderbarem Aufwachen.

- Also mit tadellosem Schlaf zwischen Mitternacht und, sagen wir einmal, sechs Uhr am Morgen.

Jetzt, in diesen weizenblonden Julitagen, für die das Wort „Hochsommer“ erfunden wurde, kann es auch ruhig erst fünf Uhr sein, da lasse ich mich gerne vom selbst gerade erwachten Licht wecken. Der junge Hund neben mir, dieser kleine, drahtbürstengraue Straßenmischling, der unbedingt ins Haus hat kommen müssen, schläft noch; er hat auch durchgeschlafen heute Nacht, hat nicht hinaus müssen, hat nicht laut bellend irgend welche Geräusche gemeldet, die seiner Meinung nach furchtbar bedenklich sind, als da wären das nächtliche Gejammer der Kriegspfadkater in den Nachbarsgärten oder die Schreie eines munteren Käuzchens.

Die Morgenwelt vor meinen Fenstern ist so ruhig und friedlich, dass man kurz die Hoffnung haben könnte, die Welt in ihrer Gesamtheit wäre so. Auch der Blick in den Spiegel fällt befriedigend aus, der Sommer macht mich hübscher, bräunt zart, schafft auf Haut und Haar einen gewissen Glanz, der im Winter irgendwie fehlt, vielleicht bilde ich es mir ja auch nur ein, aber allein das genügt ja schon.

Irgendwann im Lauf des Tages wird mich Ella besuchen. Sie hat auch einen Hund, im selben Alter wie mein Leo. Die beiden verstehen sich prima, toben herum und haben so viel Spaß miteinander, das gehört auch zu meinem tollen Tag. Menschen, die keine Hunde haben, können das nicht so verstehen. Mein Garten ist hundegerecht angelegt, keine heiklen Sachen, nur ein paar strapazierfähige Pflanzen, die es nicht übel nehmen, wenn an ihnen ordentlich herum gegraben wird. Ella ist so alt wie ich, fast auf den Tag genau; auch ihr steht der Sommer gut. Beide haben wir unsere Berufstätigkeiten mit Anstand hinter uns gebracht, sind in allen Ehren in die Zeit der Ruhe entlassen worden. Die viel besprochene Krise hat uns da noch verschont, wir haben zwar nicht viel, das aber mit beruhigender Sicherheit. Jeden Tag sage ich mir das vor und an einem perfekten Tag mindestens zweimal oder noch öfter.

Ella mit Hund auf Besuch, ein leichtes Essen mit zwei großen Gläsern weißem Wachauer Wein, Schattensitzen.

Der Tag geht und ein Telefonanruf kommt. Ein perfekter Tag endet mit einer perfekten Nacht, die Drahtbürste Leo muss ja nicht immer der einzige sein, der da neben mir im Bett liegt.