12. März 2012 14:44

Uschi Fellner:  

Kein Tag wie der andere

Warum ich mit meinen Hobbys keinen Staat mache

Kein Tag wie der andere

Heute widmen wir uns dem beliebten Thema Hobby. Zum vierten Mal binnen drei Tagen stelle ich fest, dass ich mit meinen Hobbys höchstens den Ödheitswettbewerb in
Öd bei Wieselburg (Westbahnstrecke) gewinnen könnte. Mir fällt bei Hobbys nämlich spontan nur Schlafen und Lesen ein. Die Diktatur der Sachzwänge verhindert, dass ich Spannenderes an­zubieten habe. Schlafen fällt offiziell nicht unter Hobbys, trägt aber zur Optimierung meines Privatlebens bei.
So wie Lesen, das hobbymäßig ebenfalls das leise Flair von Spießigkeit verströmt. Also mir vermitteln Menschen, die als Hobbys Schlafen und Lesen angeben, nicht gerade eine umstürzlerische Aura. Vor zwei Tagen lernte ich jemanden kennen, der sich in einer Regionalgruppe von Globalisierungsgegnern engagiert. „Ist mein großes Hobby, macht echt Spaß“, sagte der Jemand. Außerdem dient es der Gemeinschaft. Hmmm. Ich tu mir schwer damit, zwei die Salami von der Pizza kratzende Kinder abends alleine zu lassen, um Teil einer inter­nationalen Protestbewegung zu werden. Die Ausübung eines derart gewichtigen Hobbys verhindern häusliche Bauchweh-Attacken, Elternabende etc. Im Zweifelsfall sind mir so banale Tätigkeiten wie Schmusetuch-Suchen näher als unterbezahlte chinesische Lohnsklaven. Das ist natürlich eine katastrophale Einstellung.
Als ich ein Kind war, hatte jeder, der halbwegs auf sich hielt, übrigens einen Hobbykeller daheim. Mir war nie ganz klar war, welcher Art von Hobbys man dort nachging. Eine Schulfreundin verriet mir einmal, dass im Hobbykeller ihrer Eltern seltsame Dinge vor sich gehen und sich reihenweise nackte Leute rumtreiben. Nach ihren Hobbys gefragt, hätten besagte Eltern vielleicht geantwortet: „Rosen züchten. Bergwandern. Partnertausch.“ Aber irgendwie klingt das immer noch spannender als Schlafen und Lesen.
 





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1 Posting
William (GAST) meint am 21.04.2012 09:58:13 ANTWORTEN >
Liebe Frau Katja Kullmann,habe soeben ihr Buch Echtleben von ergtesn auf heute (aus)gelesen.Als Freiberufler kann man sich ja mal einen Lesetag gf6nnen! Eigentlich hatte ich vor mich heute den ganzen Tag wieder ordentlich selbst auszubeuten, aber meine Lektfcre hat mich alle Dringlichkeit verdre4ngen lassen.Vielen Dank ffcr dieses Buch! Auch wenn ich jetzt noch unruhiger schlafen werde
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