Rücktritt als Ehe-Kitt

"Sie hätte mir nie verziehen!"

(c) KernmayerMan muss im Leben Prioritäten setzen. „Ich habe nicht ­lange Zeit heute“, ­erklärte Josef Hickersberger vergangenen Dienstag bei der großen Pressekonferenz, die aufgrund seines überraschenden Rücktritts als Nationaltrainer einberufen worden war. „Ich muss nämlich heute mit meinen Enkerln noch zum Tauchen.“

Zwei Jahre lang hatte „Hicke“, wie ihn Fußballfans liebevoll nennen, für derlei Aktivitäten keine Zeit. Jetzt nimmt er sie sich einfach. Denn seit Montag steht für den ehemaligen Top-Fußballer fest: „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt aufzuhören“ und Österreichs Nationalelf jemand anderem zu übergeben.

Erst im Interview mit ÖSTERREICH offenbarte er die ganze Wahrheit über ­seine schwere Entscheidung: „Meine Frau steckt hinter dem Rücktritt“, bestätigte der gebürtige Amstettener, der „seine Renate“ vor knapp 40 Jahren als Tankstellenkontrolleur kennen lernte. „Sie hat mir keine Wahl gelassen.“

Rücktritt aus Liebe.
Jetzt nimmt Renate Hickersberger zum ersten Mal Stellung: „Ich fühle mich sehr geschmeichelt, dass die Entscheidung meines Mannes unserer Liebe zugeschrieben wird“, erzählt die attraktive Mutter zweier erwachsener Kinder (Michaela, 36, und Thomas, 35). „Es macht mich stolz, dass mein Mann sein Versprechen, nach der EURO als Teamchef zurückzutreten, eingelöst hat.“

Eine Abmachung, die das Ehepaar Hickersberger bereits im Herbst 2007 traf. Schon damals forderte sie seinen Rückzug, weil er von den Medien als „Buhmann der Nation“ zerrissen wurde. „Doch mein Mann wollte nicht abtreten, wenn er am Boden liegt, sondern wenn er erhobenen Hauptes die Bühne verlassen kann“, sagt Renate rückblickend. Dieses Versprechen hat sie Hicke jetzt ins Gedächtnis gerufen.

„Hätte ich mich nicht daran gehalten, hätte Renate mir das nicht verziehen“, so der Ex-Teamchef im Interview. Und weiter: „­Renate ist unberechenbar. Sie kann sehr unangenehm werden. Das hätte womöglich schwerwiegende finanzielle Folgen für mich gehabt. Und das will ich unter allen Umständen vermeiden“. Ein Scherz? Es klingt nicht lustig gemeint.

Phantom Mrs. Hicke.
Der ­Fototermin für ÖSTERREICH und MADONNA mit dem Ehepaar wird eine Seltenheit bleiben. Denn Renate Hickersberger zeigt sich kaum der Öffentlichkeit. „Mich gibt es gar nicht. Und das ist gut so: Denn ich ­genieße es, in Ruhe einkaufen oder in die Konditorei zu gehen“, erzählt sie.

Auch in dieser Sache ist sich das Ehepaar ­einig. Denn der Ex-Teamcoach antwortet auf die Frage, warum man seine Frau nie bei einem Fußballmatch sieht, mit der Gegenfrage: „Wer nimmt schon seine Frau zur Arbeit mit?“ Nun werden die Hickersbergers mehr Zeit miteinander verbringen. Denn im Gegenzug für das Einhalten des Versprechens ist Renate gegebenenfalls bereit, die Zelte in ihrem Paradies in Tullnerbach abzubrechen und Hicke zu folgen.

„Ich habe nichts dagegen, wenn Josef ein Engagement in der Wüste annehmen würde. Ich würde mitgehen, das ist beschlossene Sache“, so die Frau, die seit 37 Jahren hinter ihrem Mann steht. Von der kolportierten Krise ist das Ehepaar weit entfernt. Obwohl Fußball weiterhin die Hauptrolle im Hause Hickersberger spielen wird.
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