Ein Leben als Film

Anja Kruse spielt Johanna Maier

Ein Leben als Film

Filmreif. Das Leben von Johanna Maier dient als Vorlage für einen Film. Anja Kruse spielt die Hauptrolle. MADONNA bat die Star-Köchin zum Lebens-Talk.

Das kleine Salzburger Dorf Filzmoos würden Head­hunter nicht gerade als Hotspot bezeichnen, um Karriere zu machen. Johanna Maier (57) hat es trotzdem geschafft. Dass sie die erste und bisher einzige Vier-Hauben-Köchin der Welt ist, muss man eigentlich nur der Ordnung halber erwähnen. Ihr Aufstieg vom Aschenputtel zur Starköchin (ihr Restaurant „Hubertus“ ist seit sieben Jahren nonstop ausreserviert) dient nun auch als Vorlage für einen TV-Film. Mit Anja Kruse in der Hauptrolle. Ende April startet der Dreh für die ORF/ARD-Produktion „Johanna, Köchin aus Leidenschaft“. Noch Ende des Jahres soll die 90-minütige Romanze ausgestrahlt werden. MADONNA bat die Starköchin zum persönlichen und sehr offenen ­Bilanz-Interview:

Frau Maier, TV-Star Anja Kruse wird die Hauptrolle im Film „Johanna, Köchin aus Leidenschaft“ spielen. Inspiriert wurde das Drehbuch durch Ihr Leben. Sind Sie stolz darauf?


Johanna Maier:
Als mir Anja Kruse das erste Mal von dem Projekt erzählt hat, war ich ganz überrascht. Aber ehrlich gesagt, kann ich mir den Film noch nicht ganz vorstellen. Das Drehbuch ist ja an meinem Leben angelehnt und eigentlich eine Romanze. Ich bin auf das Ergebnis selber sehr neugierig.

Welche drei Eigenschaften sollte Anja Kruse in dem Film verkörpern, damit Ihre Person authentisch ist?

Maier:
Sie sollte sehr natürlich sein. Ich bin ein Mensch, der die Natur sehr liebt, die Wahrheit und natürlich meine Familie.

Stichwort Familie: Sie sind die einzige Vier-Hauben-Köchin der Welt und Mutter von vier Kindern. Musste die Familie da oft zurückstecken?

Maier:
Ich habe natürlich große und kleine Fehler gemacht, damit ich Familie und Beruf vereinbaren kann. In der Aufbauphase hat meine Schwiegermutter oft zu mir gesagt: ,Um die Kinder kannst dich jetzt nicht kümmern, wir brauchen dich im Hotel.' Es hat immer geheißen: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Aber rückblickend kann ich ihr keinen Vorwurf machen. Aufgewacht sind wir allerdings, als unser Sohn Tobias, der heute 34 Jahre alt ist, drogensüchtig wurde. Natürlich gibt man sich dann selbst die Schuld. Ein Fehler wäre es gewesen, wenn wir ihn damals nicht unterstützt hätten. Er studiert jetzt Sozialpädagogik, betreut Kinder im SOS-Kinderdorf und gibt seine Erfahrungen mit der Sucht an andere weiter.

Was haben Sie damals in Ihrem Leben geändert?

Maier:
Zuerst haben wir seine Abhängigkeit gar nicht gemerkt, weil er viel im Ausland war und wir ihn nur selten gesehen haben. Als es raus kam, haben wir ihn mit viel Geduld und Liebe durch diese Krise gemanagt. Das Hotel und das Restaurant war wahrscheinlich erstmals in unserem Leben Nebensache. Heute haben wir ein sehr intensives Verhältnis zu Tobias. Gestern hat er mir einen Strauß mit Palmkätzchen gebracht und auf einen Zettel geschrieben: ‚Ich liebe euch und ich danke euch, dass ihr immer für mich da gewesen seid.'

Ihre Schwiegermutter hat lange Zeit die Küche beherrscht, sodass Sie erst mit über 30 zu kochen begannen. Hat das Ihre Ehe belastet?

Maier:
Meine Schwiegermutter hat sehr gut gekocht. Ich und sie gemeinsam in der Küche, das wäre nicht gut gegangen. Deshalb habe ich eben die anderen Arbeiten in der Pension gemacht.

Waren Sie nicht unglücklich, Ihre Leidenschaft, das Kochen, nicht ausleben zu können?

Maier:
Kochen war für mich nicht immer Leidenschaft. Am Anfang war es harte Arbeit. Erst in den letzten zehn Jahren ist es schön und seither wird die Leidenschaft auch immer größer. Erst jetzt entstehen meine Bilder im Kopf, die ich kochen will. Und erst jetzt schaffe ich meine Geschmackskompositionen. Die konnte ich früher nicht.

Sie sind jetzt 57 Jahre. Haben Sie sich schon überlegt, wem Sie das Hotel übergeben wollen?

Maier:
Unsere beiden Söhne arbeiten bei mir in der Küche. Mein Mann und ich haben ihnen vier Jahre zum Überlegen gegeben, wer den Betrieb übernehmen will. Wenn die Nachfolge geklärt ist, würde ich gerne nur mehr Kochkurse machen. Das ist mein Traum.