Österreich: 9 Frauen hatten Krebs-Implantat

Skandal um Busen-OPs

Österreich: 9 Frauen hatten Krebs-Implantat

Seit in Frankreich acht Krebsfälle wegen defekter Brustimplantate aufgetreten sind, geht bei brustoperierten Frauen die Angst um. In Frankreich sind 30.000 Frauen betroffen – in Österreich, so die aktuellen Recherchen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (kurz AGES), sind es neun Frauen.

„Insgesamt wurden fünf Ärzte von der Firma PIP beliefert, aber nur eine Ärztin hat acht Patientinnen diese Implantate einsetzt“, so Marcus Müllner, Leiter der AGES-PharmMed-Abteilung.

Die neunte Frau mit einem „Krebsimplantat“ meldete sich von selbst. „Sie hat sich das Implantat im Osten einsetzen lassen“, erklärt Müllner.

Drei der betroffenen Frauen haben sich die Brust-Vergrößerung bereits entfernen lassen. „Die fünf anderen Frauen haben sich das Implantat nach einer Krebserkrankung zur Brust-Rekonstruktion einsetzen lassen. Die Implantate wurden kontrolliert, alles ist in Ordnung“, beruhigt Müllner.

Mehr Kontrolle
Die grüne Nationalratsabgeordnete Judith Schwentner wollte den Skandal schon 2010 aufdecken. Im April stellte sie wegen der gefährlichen Implantate aus Frankreich eine parlamentarische Anfrage an Gesundheitsminister Alois Stöger. Damals genügte es dem Minister, eine Sicherheitswarnung auszugeben. „Eine säumige Reaktion. Er hätte die Implantate verbieten müssen“, so Schwentner.

ÖSTERREICH: Frau Schwentner, Sie haben bereits 2010 eine parlamentarische Anfrage an Minister Stöger wegen der gefährlichen Brustimplantate gestellt. Wie war die Reaktion?
JUDITH Schwentner:
Die Gefahr dieser Brustimplantate war im März 2010 offenkundig und Minister Stöger war in seiner Reaktion sehr säumig.

ÖSTERREICH: Welche Maßnahmen hätten Sie sich vom Ministerium erwartet?
Schwentner:
Es wurde nur eine Sicherheitswarnung ausgegeben. Ich frage mich, warum diese Implantate nicht wie in Frankreich sofort verboten wurden. Im Frühjahr 2010 wurde eine plastische Chirurgin in Österreich gewarnt. Jetzt ist herausgekommen, dass es insgesamt fünf Ärzte waren, die von der französischen Firma Poly Implant Prothese beliefert wurden. Das zeigt, dass der Minister keinerlei Überblick hat, welche Implantate in Österreich im Umlauf sind.

ÖSTERREICH: Wie kann man für die Zukunft die Qualitätssicherung verbessern? Schwentner: Ich frage mich, warum es immer noch keine Stelle im Ministerium gibt, wo die Produkte, die in Österreich im Umlauf sind, registriert werden müssen. Bis jetzt existiert nur das Österreichische Implantatregister – aber dieses Verzeichnis funktioniert auf freiwilliger Basis.

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