Glück

Was Frauen mit Killerwalen verbindet und ...

... warum wir uns auf die Menopause freuen sollten

In dem Buch „Fliegende Hitze“ erkundet die Amerikanerin Darcey Steinke das Thema Wechseljahre. Wie wir diese für uns nutzen und warum wir uns keinesfalls davor  fürchten sollen, im Talk. 

Während das Thema Menstruation mittlerweile die Popkultur erreicht hat und zumindest hierzulande kein besonderes Tabu mehr darstellt, hat die Menopause in der Öffentlichkeit noch einen längeren Aufklärungsweg vor sich. Im Grunde ist sie das Gegenstück zur Pubertät und markiert durch hormonelle Veränderungen die zweite Lebenshälfte der Frau. In den westlichen Ländern treten die Wechseljahre durchschnittlich im Alter von 51,4 Jahren ein, in manchen Fällen tritt der Wechsel aber auch früher auf. Diese Lebensphase kann mit Schlafstörungen, Hitzewallungen oder Depressionen einhergehen, doch über die körperlichen Transfor­mationssymptome hinaus sei die zweite Lebenshäfte eine fantastische Zeit für das Frausein, wie die amerikanische Autorin Darcey Steinke im MADONNA-Talk erklärt.

Da sie in ihrem eigenen Wechsel keine hilfreiche Literatur fand, begann sie selbst zu recherchieren und fand u. a. heraus, dass uns die Menopause mit Killerwalen verbindet, die ebenfalls eine solche Veränderung durchmachen. Was frau von den Orcas dabei lernen kann und was die Autorin über ihren neuen Lebensabschnitt denkt, lesen Sie hier.   
 
Sie setzen sich in „Fliegende Hitze“ nicht  nur literarisch, sondern auch sehr persönlich mit dem Wechsel auseinander. Was hat Sie dazu bewogen?
Darcey Steinke: Mit knapp 52 Jahren hatte ich mit Schlafproblemen und Hitzewallungen zu kämpfen und anfangs wusste ich so wenig über die Menopause, dass ich nicht verstand, was da mit meinem eigenen Körper passierte. Meine Mutter hatte mir nie etwas über dieses Thema erzählt, genauso wenig mein Arzt, dementsprechend musste ich, wie so viele andere Frauen auch, mir meine Antworten alleine suchen. Ich war sauer, dass diese Informationen nie zu mir gedrungen sind, immer irgendwie verheimlicht worden sind. Dennoch war ich fasziniert von den Veränderungen, die in mir passierten. Im Gegensatz zur Darstellung der Menopause in Medien und Kultur fand ich die Veränderung gar nicht so schlimm. Weil ich als Autorin und Leserin so meine Welt verstehen lerne, suchte ich nach Büchern zu diesem Thema, fand aber nicht wirklich was. Daher beschloss ich mein eigenes Buch über diese Transformation zu schreiben. 
 
Was haben Sie während Ihrer Recherche gelernt?
Steinke: Ich habe gelernt, dass keiner wirklich weiß, warum Frauen die Menopause erleben. Folgt man Darwin und seinen Vorstellungen von körperlicher Fitness, sollten wir uns, wie alle anderen Lebewesen auch, vermehren, bis wir sterben. Warum wir in der Mitte des Lebens damit aufhören, ist ein großes Mysterium. Ich habe aber eine Studie gefunden, die mir Hoffnung geschenkt hat. Diese besagt, dass weibliche Orcas ebenfalls eine Menopause erleben und danach Anführerinnen ihrer Familiengruppen werden. Dieselbe Studie spekuliert daraufhin, dass die Menopause sich in der Steinzeit manifestiert hat, um erfahrene Frauen aus der – ebenfalls sehr wichtigen – Gruppe jener zu lösen, die sich um die Kinder kümmern, damit diese mehr Kapazitäten haben, die Gruppe zu führen. 
 
Killerwale und Frauen … eine spannende Analogie.  
Steinke: Killerwale sind sehr intelligent und gemeinschaftlich orientiert. Ihre Gehirne sind viermal so groß wie unsere und mit vielen Spindelzellen ausgestattet, die mit Empathie und Emotionen in Verbindung gebracht werden. Als ich herausgefunden habe, dass Orcas mit Ausnahme einiger anderer Walarten die einzigen Tiere sind, die die Menopause erleben, fühlte ich mich stark und stolz. Kommen die Wale in die Menopause, werden sie Anführerinnen – sie spüren die Nahrung auf, lehren junge Mütter, wie sie sich um ihren Nachwuchs kümmern sollen, lösen Konflikte in der Gruppe und gestalten die alltäglichen Agenden.    
 
Was sind die positiven Seiten der Ver­änderung, die die Menopause mit sich bringt?
Steinke: Es gibt viele. Zum Beispiel eine generell eher gleichgültige Einstellung, die es leichter macht, sich durch das Leben zu bewegen. Eine Einstellung, die Männern offenbar in die Wiege gelegt wird. Und man gewinnt viel mehr Freiheit im häuslichen Spektrum, weniger Kinderbetreuung, weniger Optimierung. Es ist mir weniger wichtig, was andere über mich denken. Diese Freiheit ist eigentlich das Beste an dem Ganzen. Ich bin aus dem Raster ausgebrochen, das Frauen jahrelang einengt. 
 
Vor ein paar Jahren rückte das Thema Menstruation verstärkt in die Öffentlichkeit. Ist nun der Moment gekommen, um das Tabu der Menopause zu brechen? 
Steinke: Es ist absolut die Zeit. Es sind nur Vorurteile gegenüber Frauen, die die Menopause zu einem Tabu machen. Männern sind wir in unseren frühen Jahren wichtiger. Von älteren Frauen fühlen sie sich häufig eingeschüchtert, da sie nicht mehr fruchtbar sind und somit gewissermaßen weniger unter ihrem Einfluss stehen. Aber die zweite Hälfte eines weiblichen Lebens ist von Macht, Weisheit und Frieden geprägt – nutzen wir das! 
 
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„Fliegende Hitze“ ist erschienen im aufbau Verlag, erhältlich ab 15. 2. um 22,70 Euro.