Wiener Forscher: Chance für Krebs-Kombi-Therapie

Laut den in der renommierten Fachzeitschrift "Cell" publizierten Ergebnissen könnte deshalb eine Kombination verschiedener Behandlungsstrategien am erfolgsträchtigsten sein. "Tumore und Metastasen entstehen normalerweise aus kleinen Zellhaufen, die noch keine Blutgefäße besitzen. Um genügend Nährstoffe für weiteres Tumorwachstum und Metastasierung zu bekommen, geben Tumorzellen Angiogenese-Faktoren ab, welche benachbarte Blutgefäßzellen aktivieren und dadurch die Bildung von Blutgefäßen fördern", erklärte Maria Sibilia vom Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien, ein Teil der Universitätsklinik für Innere Medizin I.

Bis vor einiger Zeit nahm man an, dass die Sache rund um VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) "einfach" wäre: Tumorzellen bilden ihn, Endothelzellen, welche nahe gelegene Blutgefäße auskleiden, haben an ihrer Oberfläche VEGF-Rezeptoren. Diese nehmen VEGF auf und beginnen, in Richtung Kleinst-Tumor zu wachsen.

Doch die Sache ist komplizierter. Die Wissenschafterin: "Man hat entdeckt, dass auch Tumorzellen VEGF-Rezeptoren produzieren. Man hatte dafür aber keine funktionelle Erklärung." Genau diese haben jetzt offenbar die Wissenschafter in einem von der EU geförderten Projekt offenbar geklärt - und damit Neues entdeckt. Fazit: VEGF wirkt in epidermalen Krebszellen - dazu gehören beispielsweise Plattenepithelkarzinome - selbst als Wachstumsfaktor. Dies unabhängig von seinem Effekt auf das Wachstum von Blutgefäßen.

Der Beweis dafür gelang über Tests an transgenen Mäusen, welche einen schnell wachsenden gutartigen Hauttumor erkranken. Schaltete man bei ihnen die Produktion von VEGF in epidermalen Zellen aus, wurde das Tumorwachstum nicht nur durch eine Hemmung der Blutversorgung, sondern auch durch eine Blockade des Zellwachstums gebremst.

Die Wiener Forscher zeigten außerdem, dass die VEGF-Rezeptoren in den Tumorzellen nicht nur ausschließlich an der Zelloberfläche waren, sondern auch im Zellinneren die Signalwege direkt aktivieren können. "Das könnte erklären wieso monoklonale Antikörper, wie z.B. Bevacizumab, welche VEGF nur an der Zelloberfläche hemmen, in einer großen Anzahl von Karzinomen nicht sehr wirksam sind", erklärte Maria Sibilia.

Blockierte man in Mäusen mit einem künstlich mutierten Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) und das Gen für VEGF, wurde eine Tumorbildung insgesamt verhindert, wobei der EGFR das Überleben der Tumorzellen kontrolliert. Das heißt, dass beide Wachstumsfaktoren bzw. ihre Rezeptoren beim Tumorwachstum zusammen wirken, umgekehrt also ihre Hemmung einen Kombinations-Effekt haben sollte.

Die Konsequenz für eine zukünftige Behandlung von Platten-epithelkarzinomen und anderen bösartigen Karzinomen könnte also sein, dass man einerseits an der Oberfläche der Tumorzellen den EGFR hemmt, z. B. durch Infusionen monoklonaler Antikörper wie Cetuximab oder mit "kleinen Molekülen" wie z.B. Gefitinib, zusätzlich aber mit "kleinen Molekülen" die Signalweitergabe für das Zellwachstum, das durch den Rezeptor für den Blutwachstumsfaktor vermittelt wird, im Zellinneren blockiert. Dafür sprechen zumindest die Ergebnisse der Wiener Wissenschafter an den Labormäusen und in Zellkultur und humanen Plattenepithel Karzinomen.

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