Medizin-Nobelpreis 2009 für Telomerase-Entdecker

Drei in den USA tätige Forscher erhalten den mit zehn Mio. schwedischen Kronen (rund 975.000 Euro) dotierten Medizin-Nobelpreis des Jahres 2009: Elizabeth H. Blackburn, Carol W. Greider und Jack W. Szostak.

Die Auszeichnung geht an sie für die Entdeckung "wie Chromosomen durch Telomere (Endkappen von Chromosomen, Anm.) und das Enzym Telomerase (baut Telomere auf, Anm.) geschützt werden", hieß es von Seiten des Karolinska-Instituts in Stockholm.

Elizabeth Blackburn wurde 1948 in Hobart in Tasmanien (Australien) geboren, sie arbeitet an der Universität von Kalifornien in San Francisco. Carol Greider (geboren 1961) ist Amerikanerin und forscht an der Hohns Hopkins Universität in Baltimore, Jack Szostak (geboren 1952) stammt aus London. Er arbeitet am Howard Hughes Medical Institute (Harvard University/Boston). Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin wird seit 1901 vergeben, für 2009 übrigens zum 100. Mal, weil die Verleihung einige Male ausfiel.

"Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin dieses Jahres wird drei Wissenschaftern zugesprochen, die ein großes Rätsel in der Biologie gelöst haben: Wie die Chromosomen während der Zellteilung vollständig kopiert werden können und wie sie gegen Schäden geschützt werden. Die Preisträger haben gezeigt, dass die Lösung an den Enden der Chromosomen - in den Telomeren - und in einem Enzym, das sie aufbaut, der Telomerase, zu finden ist", stellte das Karolinska-Institut fest.

Elizabeth Blackburn entdeckte, dass sich in einem einzelligen Organismus (Tetrahymena) an den Enden der Chromosomen der Erbsubstanz eine Gensequenz - CCCCAA - wiederholte. Ihre Funktion war zunächst unklar. Die Wissenschafterin und Jack Szostak arbeiteten schließlich zusammen: Sie isolierte CCCCAA aus dem einzelligen Organismus, der Forscher koppelte sie an ein Mini-Chromosom von Erbsubstanz und fügte dieses in Hefezellen ein. Was sich herausstellte: CCCCAA schützte die eingefügte Erbsubstanz vor dem Abbau. Carol Greider und Elizabeth Blackburn bauten wiederum auf diesen Erkenntnissen auf: Am Christtag 1984 entdeckte Carol Greider, dass in Telomeren offenbar eine Enzym-Funktion steckt. Und dieses Enzym hatte auch die Gensequenz CCCCAA in sich. Das Enzym wurde Telomerase genannt. Es kann die "Kappen" von Chromosomen wieder aufbauen.

Szostak und seine Arbeitsgruppe konnten schließlich aufklären, dass die schützenden "Kappen" der Chromosomen im Rahmen von Alterungsprozessen immer kürzer und fragiler werden. Haben sie einen bestimmten Wert erreicht, können sie sich nicht mehr teilen. Elizabeth Blackburn und Carol Greider zeigten die Funktion der Telomerase: Wird dieses Enzym aktiviert, ergänzt es die Telomere auf. Es schützt daher vor der Alterung.

Doch es blieb nicht bei der Forschung rund um Alterungsprozesse von Zellen. Das Karolinska-Institut: "Die meisten normalen Zellen teilen sich nicht häufig. Deshalb sind ihre Chromosomen kaum in der Gefahr einer Verkürzung, sie brauchen keine hohe Telomerase-Aktivität. Im Gegensatz dazu haben Krebszellen die Fähigkeit, sich unendlich oft zu teilen - und sie behalten trotzdem ihre Telomere (an den Enden der Chromosomen). (...) Eine Erklärung dafür wurde offenbar, als man entdeckte, dass bösartige Zellen oft eine verstärkte Telomerase-Aktivität aufweisen."