Kira Grünberg

Kira Grünberg im MADONNA-Talk

"Mit 33 will ich Mutter sein"

Ein Jahr nach ihrem folgenschweren Trainingsunfall hat Ex-Leichtathletin Kira Grünberg ihr Buch „Mein Sprung in ein neues Leben“ vorgestellt. MADONNA traf die 23-Jährige zum Talk. 

Am 30. Juli jährte sich der tragische Unfall der österreichischen Leichtathletin Kira Grünberg (23) zum ersten Mal. Die Stabhochspringerin aus Tirol ist seit dem Sturz bei einem Trainingssprung querschnittsgelähmt.  Der „Fall Kira“ hatte weltweit für Anteilnahme gesorgt. Die Ex-Sportlerin hat seither beachtliche Fortschritte in ihrer Therapie gemacht und vergangene Woche ihr erstes Buch präsentiert. 
 
„Sprung in ein neues Leben“.
„Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, das Buch zu schreiben“, erzählt Kira bei der Präsentation im Wiener Hotel Imperial. Obwohl sie zuerst nicht recht gewusst hat, ob sie mit Anfang 20 bereits eine Biografie vorlegen soll, hat ihr die intensive Auseinandersetzung mit dem Autor dabei geholfen, die Geschehnisse vom Unfall und der Zeit danach zu verarbeiten. „Es war eigentlich wie eine Therapie für mich.“ 
 
Viel Aufmerksamkeit.
Ihr Buch führte Grünberg auch medial in unbekannte Gefilde. Letzten Mittwoch war sie in der ZDF-Talkshow Markus Lanz zu Gast. Ihr Verlag habe Anfragen wegen der Taschenbuch-Lizenzen von deutschen Großverlagen erhalten. Zudem sei über ihr Schicksal sogar  in China in der Zeitung zu lesen gewesen. 
 
Kira Grünberg ist seit dem Unfall präsenter und bekannter denn je. Und macht trotz ihrem Schicksal anderen Menschen Mut zum Leben. 

In deinem neuen Buch geht es um dein Leben nach dem Unfall. Was war seit diesem Tag das schönste – und das schlimmste Erlebnis?
Kira Grünberg: Das Schlimmste war, dass ich ausgeliefert und auf Hilfe angewiesen war. Ich war abhängig von Leuten, die sich um mich kümmern mussten. Mittlerweile habe ich aber gelernt, damit umzugehen. Das Schönste wiederum war dann, als ich gemerkt habe, dass ich immer mehr selber machen kann.  Zum Beispiel, als ich das erste Mal mit dem Rollstuhl selber fahren konnte. 
 
Wann war das – als du mit dem Rollstuhl eigenständig fahren konntest?
Grünberg: Ende Oktober konnte ich die ersten kleinen Strecken selber bewältigen.  Jetzt kann ich fast alles selber machen. Einkaufen, zu Freunden fahren etc.
 
In deinem Buch hast du von Journalisten geschrieben, die nicht immer einfühlsam mit dir umgegangen sind. Nach welchen Kriterien wählst du Interviews und Auftritte aus?
Grünberg:  Es kommen täglich Anfragen. Tom – mein Manager – sortiert mal aus. Und dann setzen wir uns gemeinsam zusammen und bereden uns. Oft mache ich es einfach nach Gefühl.
 
Du postest regelmäßig Eindrücke aus deinem Leben auf Facebook. Hast mittlerweile auch eine Community von knapp 60.000 Followern. Wie viel Zeit verbringst du mit ­Social Media?  
Grünberg: Nicht sehr viel. Aber ich bekomme sehr viele Nachrichten – und auch sehr viel Zuspruch. Demnach versuche ich auch immer, zurückzuschreiben. Das dauert manchmal zwar länger bei mir, aber es ist mir sehr wichtig. 
 
Wie schaut ein ganz normaler Alltag bei dir aus?
Grünberg: Ich bin zur Langschläferin geworden (lacht). Früher hat mein Tag um 6.15 Uhr begonnen. Jetzt ist es so,  dass ich zwischen halb acht und halb neun aufstehe. Dann geh ich duschen und Haare waschen. Das dauert fast eine Stunde und ist zeitaufwendiger geworden. Dann frühstücke ich und im Anschluss daran trainiere ich ein bisschen beziehungsweise mache Übungen. Zu Mittag esse ich jeden Tag mit meiner Familie. Das ist mir wichtig. Am Nachmittag haben wir dann oft Medien-Gespräche, Interviews oder Termine. Wenn dann noch Zeit ist, bearbeite ich meine E-Mails. Täglich kommt dann noch mein Physiotherapeut. Und dann ist Abend. Um neun Uhr versuche ich im Bett zu sein. 
 
Du wirkst immer gestylt, bist geschminkt und hast die Haare schön gemacht. Wie viel Zeit verbringst du mit Beauty?
Grünberg: Zuhause verbringe ich kaum Zeit damit. Wenn ich in Innsbruck durch die Gegend laufe, dann meistens im Jogger (lacht). Fürs Fernsehen oder öffentliche Auftritte lasse ich mich gerne schminken. Das ist mir natürlich wichtig. Ich glaube, das genießt jede Frau, sich ein bisschen herrichten zu lassen.  
 
Gibt es Momente, in denen du besonders traurig oder nachdenklich im Bezug auf den Unfall bist? 
Grünberg: Nein, eigentlich nicht. Gerade in Bezug auf den Unfall habe ich mit meinem alten Leben gut abgeschlossen. Ich habe es akzeptiert, wie es ist. 
 
Im letzten MADONNA-Interview meintest du, dass deine Beziehung zu deinem Freund Christoph noch stärker geworden ist. Wie schaut euer Alltag aus?  
Grünberg: Er studiert in Graz. Demnach führen wir eine Fernbeziehung. Wenn er da ist, dann schläft er immer bei mir, weil bei uns zu Hause alles behindertengerecht ist. Wenn er da ist, unternehmen wir viel. Es ist für ihn ganz normal geworden, dass ich im Rollstuhl bin. Er hilft mir ohne nachzudenken. Schneidet mir mein Schnitzel auf oder schiebt mich an, wenn ich es mit dem Rollstuhl nicht alleine schaffe. Das ist bei ihm mittlerweile automatisch. 
 
Denkt ihr ans heiraten? 
Grünberg: Noch nicht. Dafür fühlen wir uns, denke ich, noch ein bisschen zu jung. Aber zu einem späterem Zeitpunkt ­wäre es schön. 

Apropos späterer Zeitpunkt. Wo sieht sich Kira Grünberg in zehn Jahren? 
Grünberg (nachdenklich): In zehn Jahren bin ich 33. Privat will ich mit 33 Jahren mindestens schon ein Kind haben und verheiratet sein (lacht), und in einem Haus will ich wohnen. Eigentlich ganz klassisch. Beruflich muss ich schauen. Ab Februar will ich mein Pharmazie-Studium weitermachen. Mal schauen, ob es mich danach wirklich auch in die Pharma verschlägt oder ob ich doch im Sport-Bereich bleibe. 
 
© Verlag
Kira Grünberg
× Kira Grünberg
Buchtipp: Mein Sprung in ein neues Leben. Kira Grünberg, edition a, EUR 21,90