Wie man als Star überlebt

Christine Kaufmann im Talk

Wie man als Star überlebt

Es war ruhig um Christine Kaufmann (68) in den letzten Monaten. Vermutlich weil die Schauspielerin und Autorin hoch konzentriert an ihrem neuen Werk arbeitete – wohl aber auch, weil ihre Tochter Allegra mit ihrer Teilnahme beim RTL-Dschungelcamp ohnehin für genug Schlagzeilen sorgte. Umso passender der Titel des neuen Buchs der einstigen Hollywood-Ikone und Ex-Frau von Tony Curtis – Scheinweltfieber. Im MADONNA-Talk erklärt Christine Kaufmann, wie man als Star die Diskrepanz zwischen Schein und Sein über­leben kann und wieso Allegra, wie so viele Promi-Kinder, „schwer traumatisiert“ ist.

Frau Kaufmann, wieso widmen Sie Ihr 14. Buch dem – wie Sie es nennen – Scheinweltfieber?
Christine Kaufmann:
Ich muss zugeben, es ist ein hoch kompliziertes Buch. Ich habe meine Biografie und meine Erlebnisse der letzten 60 Jahre herangezogen, um die Wurzeln der Scheinwelt und deren Auswirkungen zu analysieren. Denn man neigt heute dazu, die Scheinwelt des Showgeschäfts als moderne Verrücktheit zu sehen. Dabei hat es meiner Ansicht nach keinen Sinn, die Scheinwelt zu verdammen, wir sollten sie vielmehr kultivieren, denn wir benötigen sie, um ein normales Leben zu führen. Schon als junge Frau habe ich in Hollywood erkannt, dass der Star, das Idol, bereit sein muss, sich zu opfern. Sprich eine Schauspielerin, die schön bleiben will, kann nicht zu dick werden … Das ist nicht neu.

Sie schreiben, dass Sie in Hollywood immer auf der Suche nach Normalität waren. Haben Sie diese je gefunden?
Kaufmann:
Ja. Wobei: Normale, gesunde Menschen sind sehr selten. Deswegen kann man immer nur versuchen, das zu erreichen. Aber gerade wilde, schöne, junge Frauen haben das Ziel, normale Dinge, wie eine intakte Familie, zu erreichen. Meine Theorie ist einfach: Egal, was Menschen erreichen – sie werden es nur überleben, wenn sie sich die Normalität als Fundament behalten können.

Sie geben in dem Buch zu, dass eines Ihrer Erfolgsgeheimnisse Ihre Rücksichtslosigkeit war, die einer Romy Schneider oder einer Silvia Seidel, die am Ruhm zerbrachen, fehlte. Inwiefern waren Sie rücksichtslos?
Kaufmann:
Insofern, als ich mir schon als Elfjährige in der Filmbranche dachte: Wenn ihr meint, dass ich mein Glück davon abhängig mache, ob ihr mich gut findet oder nicht, dann täuscht ihr euch! Immerhin wurden mir, als ich zur Frau wurde, sogar die Brüste abgebunden, weil ich sonst nicht mehr als Kinderware verkäuflich gewesen wäre. Das alles hätte sehr traumatisierend sein können, hätte ich als Mädchen vom Land nicht genug bäuerische Kraft in mir gehabt.

Tony Curtis wurde aus Ihrer Sicht von der Angst vor dem Altwerden aufgefressen. Hatten Sie niemals diese Angst?
Kaufmann:
Nein (lacht)! Das Bewusstsein, dass ich ein Mensch bin, der sich eben verändert, hat mich von innen gewappnet. Wobei ich jetzt fünf Kilo abgenommen habe – und ich bin total glücklich darüber! Das Ziel dabei war aber, dass ich nicht jünger aussehe, sondern mich besser fühle.

Sie schreiben: „Ich bin gerne alt.“ Ist 68 denn alt?
Kaufmann:
68 ist nicht jung. Aber das Gefühl von Jungsein stellt sich meist erst ein, wenn man nicht mehr jung ist.

Sie analysieren in Ihrem Buch auch das Schicksal von Promi-Kindern. „Die guten Kinder der Stars kriegen wenig Beachtung, die schlechten umso mehr“, schreiben Sie aus Erfahrung, schließlich wird immer über Allegras Probleme berichtet, über Alexandra liest man selten. Schmerzt das?
Kaufmann:
Ich habe darüber schon sehr oft mit Allegra gesprochen. Tatsächlich sind zwei Drittel ihrer Jugendfreunde inzwischen tot. Drogen, Alkohol … an dem Erfolg der Eltern kaputtgegangen. Allegra hat es immerhin geschafft, zu überleben. Sie ist natürlich viel traumatisierter als Alexandra, weil Allegra bei ihrem Vater lebte, als er auf Crack war. Bis heute kämpft sie mit dem Erbe des Vaters und vielleicht auch mit der Belastung der Mutter. Aber ich finde, sie war sehr mutig, ins „Dschungelcamp“ zu gehen.

Aber war Allegras Teilnahme an der Show nicht auch eine vergebliche Suche nach Ruhm?
Kaufmann:
Ich habe ihr gesagt, dass sie das als einmalige Erfahrung und als Kampf sehen muss. Und ich finde, dass Allegra sehr geläutert rauskam.

Inwiefern?
Kaufmann:
Sie wirkt vernünftig, aktiv und ist stolz da­rauf, dass sie das Camp körperlich überstanden hat.

Haben Sie sich die Sendung angesehen?
Kaufmann:
Nein, mein Ex-Mann Klaus hat sich mit meinem Enkel Raffi die ersten ­Sendungen angeschaut. Dann wollte Klaus nicht mehr, dass der Kleine das alles sieht. In der zweiten Woche hat Rafael die Folge gesehen, in der seine Mutter den Brief von ihm bekommen hat. Da hat er schrecklich geweint und gesagt, wie sehr er seine Mutter vermisst. Da habe ich mich schon gefragt, ob sich das alles lohnt.

In Ihrem Buch thematisieren Sie den Schönheitswahn – Ihre Tochter wurde im Camp auch unter anderem wegen ihres Aussehens angegriffen …
Kaufmann:
Aber Allegra ist nicht geliftet! Ich glaube, ihr Gesicht war vom Cortison gegen ihr Asthma geschwollen. Was sie ansonsten gemacht hat, weiß ich nicht – ich weiß, dass sie sich für moderne Schönheitsbehandlungen interessiert. Unsere Meinungen diesbezüglich liegen sehr weit auseinander.

Es wurde Allegra jedenfalls übel genommen, dass sie jegliche Eingriffe völlig abstritt …
Kaufmann:
Das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass sie das so vehement abstreitet. Aber ich kann dazu nichts sagen. Wie – glaube ich – jeder weiß, bin ich ohnehin gegen derlei Eingriffe. Ich mache zwar auch Lichttherapie und habe „Long-Time-Liner Conture Make-up“ an Lippen und Augenbrauen, würde mich aber nie operieren lassen.

Sie sagen, Ihre Tochter ist traumatisiert von ihrer Kindheit in dieser Scheinwelt, über die Sie im Buch schreiben. Denken Sie, dass derlei Traumen überhaupt zu überwinden sind?
Kaufmann:
Jetzt hätte sie ja genug Geld, um sich und ihren Sohn ein paar Jahre zu ernähren. Ich würde mir wünschen, dass sie diese Zeit nutzt, ihre Kindheit und das Erlebte – in einem Buch oder vielleicht durch ein Psychologiestudium – zu verarbeiten.

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Ihr vierzehn­tes Buch widmet Christine Kaufmann dem „Scheinweltfieber“. Erschienen im LangenMüller Verlag um 25,70 Euro.

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