Das Geheimnis der offenen Liebe Polyamorie 111 Gründe, offen zu lieben

111 Gründe offen zu lieben

Das Geheimnis der offenen Liebe

Beziehungskonzept 'Polyamorie'. Frauen sprechen über ihre außergewöhnlichen Partnerschaften.

"Wir sind eine Familie“, sagt Schauspiel-Star Tilda Swinton (39). „John und ich leben gemeinsam und ziehen unsere Kinder auf. Sandro lebt bei uns und wir bereisen die Welt zusammen.“ Willkommen bei einer Hollywood-reifen Ménage à trois. Die Oscarpreisträgerin bekannte sich vor wenigen Jahren stolz und offen zu ihrer polyamoren Beziehung mit Ehemann John Byrne (70), Vater ihrer zwölfjährigen Zwillinge Xavier und Honor, und ihrem Lover Sandro Kopp (31). Sie liebe eben beide Männer und will mit beiden leben.

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Tilda Swinton John Byrne Sandro Kopp

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Ménage à trois. Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann John Byrne (70), Vater ihrer Kinder, und Lover Sandro Kopp (31). „Es ist einfach perfekt für uns!“

Ehrlich, ja!
Immer mehr Menschen wagen den Versuch einer offenen, ehrlichen Beziehung mit mehreren Partnern zur gleichen Zeit – wie Regisseur Dieter Wedel oder die Autorinnen des Buches '111 Gründe, offen zu lieben' Cornelia Jönsson und Simone Maresch. Jönssen lebt mit ihrem Ehemann und führt eine Liebesbeziehung mit ihrer Co-Autorin. „Polyamorie“, so Jönsson, „ist ein Sammelbegriff für vielfältige, freie Beziehungsformen, deren Regeln von denen, die sie führen, einvernehmlich vereinbart werden. Die Eckpfosten sind dabei: Ehrlichkeit, Verbindlichkeit und Einvernehmlichkeit.“

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111 Gründe offen zu lieben von Cornelia Jönsson und Simone Maresch

„111 Gründe offen zu lieben“ von Cornelia Jönsson und Simone Maresch (Schwarzkopf & Schwarzkopf, Verlag, 9,90 Euro). Hier können Sie das Buch bestellen!

Betrügen, nein!
Zur Info: Klammheimliches Betrügen zählt nicht zu diesem Lebenskonzept! „Die polyamore Ethik sagt eindeutig: Wir sollen ehrlich zueinander sein“, so die Autorin. Mit ihrem Buch, „einem Loblied auf offene Beziehungen, Polyamorie und Freundschaft“, will sie zeigen, dass man sich lieben kann, ohne sich zu beschneiden. Und wie es möglich ist, mehr als eine Beziehung gleichzeitig zu leben – warum wir uns alle „öffnen“ sollten...

 

Weil wir viele sind: Liebe wird bislang mehrheitlich in erotisch-romantischer Ausschließlichkeit gelebt. „Nur wir beide, für immer.“ Allerdings ist heutzutage kaum jemand mit Herz, Verstand und im Bett mit einer oder einem Einzigen ein ganzes Leben lang zufrieden. Und Liebe ist kein Kuchen, der kleiner wird, je mehr davon naschen.

Weil es eine alte Idee ist: Margaret Mead (Anm.: US-Anthropologin) hat Inselvölker im Südpazifik besucht und festgestellt, dass die Art, Beziehungen zu leben, nichts ist, was monogam oder genetisch festgelegt ist, sondern ein Produkt von Kultur, Zweckmäßigkeit und Tradition.

Weil wir nicht besitzen & nicht besessen werden: Wenn wir so tun, als würden wir unser individuelles Sein oder auch nur einen Teil davon verschenken, verleihen oder einem anderen zuliebe verändern, dann betrügen wir andere und uns selbst.

Weil wir neugierig sind: Nichts ist gut, was gegen seine Natur festgehalten wird. Veränderung muss nicht Verlust – und Verlust nicht Frust bedeuten. Freischwebendes Glück darf nicht übersehen werden!

Weil es keine Garantie gibt, nicht verlassen zu werden: Jedes Zusammensein trägt sozusagen das Nicht-mehr-zusammen-Sein als Perspektive. Nur wer mit niemandem zusammen ist, kann sicher sein, nicht verlassen zu werden. Sich auf Liebe einzulassen, erfordert viel Mut.

Weil wir uns selbst lieben: Die gute alte Poly-Theorie: Wenn du dich selbst liebst, dann führt das erstens dazu, dass du dich nicht aus falscher Aufopferung selbst beschneidest. Dass du zweitens die Menschen, die du liebst, nicht fahrlässig verletzt, weil du dir damit selbst wehtun würdest, und, dass du drittens die Liebe deiner Geliebten zwar wünschst, aber nicht brauchst, da du deinen Bedarf an Liebe allein decken kannst.

Weil man viel weniger verliert: In der Regel verliert man zwei Dinge, wenn man eine Beziehung verliert: den Menschen und die Funktion, die der andere im eigenen Leben inne hatte. Wie etwa Sex, Küsse, Kuscheln, Zuhören, aber auch Verstehen und Anerkennen, Begleiten, Unterhalten, Unterstützen, Bekochen, Versorgen und Beruhigen. Der Verlust der Funktion wiegt nicht so schwer, wenn noch ein anderer übrig bleibt, der mehr oder weniger die gleiche Funktion ausübt.

Weil Sex wichtig ist: Sex schafft Ausnahme-Augenblicke, Intimität und Nähe. Sex lässt uns direkt im Hier und Jetzt ankommen. Sex lässt uns aus allen Alltagszusammenhängen kippen. Sex entspannt uns. Sex mildert Schmerzen, lässt uns besser schlafen und wacher sein.

Weil wir alles noch mal ganz anders machen können – oder auch nicht: Man lernt, nicht immer nur auf die eine Art zu sein, zu lieben oder sich zu verhalten. Denn man muss nicht in festgefügten Bahnen die immer gleiche Sonne umkreisen...

 

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Buch-Autorin Cornelia Jönsson im Interview

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111 Gründe offen zu lieben von Cornelia Jönsson

Bild: (c) Nico Klein-Allermann
Cornelia Jönsson, Mitautorin von '111 Gründe offen zu lieben'

Sie sind verheiratet, führen zudem eine Beziehung mit einer Frau – Co-Autorin Simone Maresch.
Cornelia Jönsson:
Wenn man eine lebendige, nicht statische und immer im Wandel begriffene Erotik als Baustein zum Lebensglück für sich entdeckt hat, liegt es nahe, diese nicht nur mit einem Menschen zu kultivieren. Ganz schlicht ausgedrückt: Ich habe mich verliebt und liebte plötzlich mehr als eine/n. Polyamorie ist die Theorie zu eben dieser Praxis. Simone und ich sind ein Paar. Uns beide hat das interessiert, das Buch ist gewissermaßen unser Baby.

Wie reagierte Ihr Umfeld auf Ihren Lebensstil?
Jönsson:
Viele sind interessiert. Was nervt, sind Leute, die erklären, dass meine Beziehungsform, die ich immerhin seit fünf Jahren lebe, nicht funktionieren kann.

Glauben Sie, dass die traditionelle Beziehung langfristig ein Auslaufmodell ist?
Jönsson:
Die traditionelle romantische Liebe ist Basis für Polyamorie. Wir leben sie ja in gewisser Weise in jeder unserer Liebesbeziehungen, bloß, dass wir das „nur mit dir“ weglassen. Polyamorie ist also eine zeitgemäße Weiterentwicklung der romantischen Liebe unter Weglassung unschöner Erscheinungen wie Doppelleben, Betrug, Vernichtung von Familienstrukturen durch unvermeidliche Verliebtheiten, Verzicht auf weiteres erotisch-romantisches Glück mit anderen.

Was sind die Vorteile von offenen Beziehungen?
Jönsson:
Wir bekommen „mehr“ – mehr Verbindlichkeit, mehr Sex, mehr Liebe im Leben und auch ein Mehr an persönlicher Freiheit, Nein zu Extrawünschen des Partners zu sagen, ohne befürchten zu müssen, verlassen zu werden.

Nachteile?
Jönsson:
Man kann auch doppelten Liebeskummer haben ...

Haben Menschen in offenen Beziehungen mehr Sex?
Jönsson:
Man sagt „offene Beziehungen“ und die Leute hören „Sex“. Dabei ist Sex natürlicher Bestandteil von Beziehungen, nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir Statistiken glauben dürfen, dann spielt Sex ohnehin eine immens große Rolle im Leben der meisten. Allerdings oft in Form von Frustrationen. Sie begehren, aber dürfen nicht begehren. Die Möglichkeit zu haben, die man sich immer gewünscht hat, rückt die Perspektive auf Sex gerade. Nur wenn ich Sex haben kann, mit wem ich will, stelle ich fest, dass ich das gar nicht immer will.

Ein großes Thema ist Eifersucht. Neigen polyamouröse Menschen mehr dazu?
Jönsson:
Nein, es ist eher so, dass monoamore Menschen einem die Eifersucht immer als Gegenargument um die Ohren schleudern: „Ich könnte das nie!“ Das ist schade!

Was wollen Sie mit Ihrem Buch bewirken?
Jönsson:
Wir wollen zeigen, dass es das gibt und dass es geht. Polyamorie würde definitiv viele Menschen glücklicher machen und viel Leid verhindern.