‚Wer gibt mir Arbeit?‘

Ex-Bawag-Chef Helmut Elsners Ehefrau:

‚Wer gibt mir Arbeit?‘

Faule Ausrede? Ruth Elsner lebt von reichen Freunden, weil sie sich als unvermittelbar sieht. MADONNA fragte nach.

(c) PautySie hat viel gelernt von ihrem Ehemann: Wenn Ruth Elsner den Raum betritt, verströmt sie nicht nur jene Eleganz, in der sie sich schon als junge Frau an der Seite des (damals) so mächtigen Bawag-Generaldirektors üben musste. Die heute 51-Jährige wirkt selbstbewusster und tougher denn je. Während sich so manch andere Frau hinter Scham und Gram verstecken würde, scheint die einstige Schattenfrau in der Rolle als Gattin des berühmtesten Wirtschaftshäftlings Österreichs förmlich „aufzugehen“.

Wie sich auch kürzlich bei der von Ruth Elsner und ihren Anwälten groß angelegten Pressekonferenz im Wiener Nobel-Café Landtmann zeigte. „Das ist mein Hilferuf an Sie!“, appellierte sie theatralisch in der ungebrochenen Hoffnung, die Freiheit für ihren zu 9, 5 Jahren Haft nicht rechtskräftig ver­urteilten Mann erkämpfen zu können. Denn auch wenn die kinderlose Frau, die den damals angesehenen Banker vor 20 Jahren ehelichte, stark wie ein Fels in der Brandung wirkt, dürfte sie nicht nur die Angst um ihren Mann, sondern auch um die eigene Zukunft vorantreiben. Zu Recht.

Alle Konten gesperrt
Denn auf Helmut Elsners enormes Vermögen in der Höhe von rund 16 Millionen Euro kann die ehemalige Bankangestellte, die vor zwanzig Jahren ihren Beruf an den Nagel hängte, um ausschließlich für ihren Ehemann da zu sein, nicht mehr zugreifen. Sämtliche Konten ließ Staatsanwalt Georg Krakow bereits im Frühjahr 2006 sperren. Die legendäre Luxusvilla Chaumondelle im südfranzösischen Mougins darf ebenso wenig verkauft werden wie sämtliche Wertgegenstände, die im Penthouse in Wien beschlagnahmt wurden (wie Gold, Silbermünzen, Schmuck und Uhren).

Einzig ihr nobles Zuhause, das legendäre Penthouse an der Adresse Tuchlauben 7/12, ist Ruth Elsner geblieben. Bis jetzt. Denn laut einem Urteil von Oktober soll Ruth Elsner, die die 278-Quadratmeter-Luxusimmobilie (plus 60 Quadratmeter Terrasse) 2005 um günstige 475.000 Euro erworben hat, an die Bawag zurückgeben müssen. Der Kaufvertrag sei rechtsunwirksam, so das Bankinstitut, da der Aufsichtsrat über den viel zu günstigen Verkauf der Wohnung (deren Wert auf 3, 5 Millionen Euro geschätzt wurde!) nicht informiert gewesen sei.

Die Banker-Gattin ging natürlich in Berufung und kann somit – vorerst – zusammen mit ihrem Hund Monty im prächtigen ­Innenstadt-Penthouse verweilen. Doch während die Erhaltungs- bzw. Betriebskosten früher wohl aus Elsners Kleingelddepot in der Küchenlade beglichen wurden, werden diese heute für Ruth zur „enormen finanziellen Belastung“.

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Wo bekomme ich Arbeit?
Die Einkünfte der Hobbygolferin sind zurzeit – für ihre gewohnten Verhältnisse – tatsächlich bescheiden: Nur 1.200 Euro bekomme sie monatlich – dies sei die ASVG-Pension ihres Mannes. Die Anwaltskosten und ihr Leben würden momentan Freunde – wie Martin Schlaff, Josef Taus oder Leo Wallner – finanzieren.

Auch mit Krone-Chef Hans Dichand stehe sie in ständigem Kontakt, erklärt Ruth Elsner, die zeitgleich immer wieder betont: „Ich will kein Mitleid. Ich will nur Gerechtigkeit!“ Als eben solche Gerechtigkeit würden es wohl viele empfinden, würde Ruth Elsner wieder arbeiten gehen, um aus der Misere herauszukommen. Ein Vorschlag, den Ruth Elsner als völlig unrealistisch abtut, nicht weil sie es nicht möchte – „Ich habe überlegt, wieder zu arbeiten“, sagt sie im Interview – sondern weil sie nicht qualifiziert sei. „Wo bekomme ich schon Arbeit her?“, fragt Elsner.

Schwer, aber möglich
MADONNA fragte bei renommierten Personalmanagerinnen nach, wie schwer es für eine Frau in solch einer Situation ist, in der Berufswelt wieder Fuß zu fassen. „Mit 51 Jahren, nach über zwanzig Jahren ohne Job, ist es natürlich eine große Herausforderung, eine Stelle zu finden“, erklärt Manuela Lindlbauer.

„Allerdings wirkt Frau Elsner sehr selbstbewusst, jugendlich und kann auf reichlich Erfahrung und Kontakte in gehobenen Kreisen zurückgreifen. Für unmöglich halte ich es daher nicht – wobei es einer unbekannten ‚Frau Müller‘ in dieser Situation sicher etwas leichter fiele, einen Job zu finden.“

Auch Signium Management-Chefin Natalie Bairaktaridis sieht die größte Schwierigkeit darin, dass Ruth Elsner als gelernte Bankkauffrau „mit diesem Namen wohl kaum in ihrem ehemaligen Job wieder tätig sein könnte“. Allerdings ist die Headhunterin auch überzeugt: „Wer arbeiten will, findet auch eine Möglichkeit. Vor allem, wenn es ein Netzwerk an Freunden gibt, die einem eine zweite Chance geben“, erklärt Bairaktaridis.

„Aber es kommt natürlich darauf an, wie man in der Vergangenheit mit seinen Mitmenschen umgegangen ist. Ob sie auf einen zählen konnten, sodass man dies nun auch umgekehrt kann.“ Eine Frage, die Ruth Elsner sich nur selbst beantworten könnte – wenn sie tatsächlich ernsthaft auf der Suche nach einem Job wäre.