Weltfrauentag: Der Stand der Dinge

8. März

Weltfrauentag: Der Stand der Dinge

Selbstverständlich freut sich wohl jede Frau, wenn sie am 8. März mit Blumen beschenkt wird, tatsächlich wünschen wir uns aber mehr als nur ein buntes Sträußchen, das nicht über gesellschaftliche Missstände hinwegtäuschen kann. Beginnend beim Gender Pay Gap, mangelnden Frauen in Führungspositionen oder gesundheitlichen Problemen, die durch männlich normierte Systeme entstehen – in der Medizin sind die meisten Diagnosen und Therapien auf Männer ausgerichtet – wir leben in einer „Man’s Man’s World“, wie sie schon James Brown besang. Besonders tragisch: 2020 wurden in Österreich bereits sechs Frauen durch männliche Gewalt getötet. Sechs weitere Frauen haben schwere Gewalt oder einen Mordversuch überlebt – jene 16-Jährige, die vergangene Woche wohl von ihrem Ex-Freund niedergestochen wurde, befindet sich weiterhin in künstlichem Tiefschlaf. Warum müssen hierzulande so viele Frauen sterben, und das, obwohl sich die türkis-grüne Regierung den Gewaltschutz auf die Fahnen heftet? 
 
Alles nur Augenwischerei? Während zum Beispiel der Frauennotruf, eine rund um die Uhr verfügbare Frauenhelpline mangels Finanzierungen um sein weiteres Bestehen bangen muss, verkündete Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) im Vorfeld des Weltfrauentags vermeintliche frauenfördernde Bestrebungen. So wolle sie zum Beispiel durch ein „Equal Pay Siegel“ Unternehmen kennzeichnen, die Frauen in besonderem Maße fördern. „Wir wollen damit eine Verbesserung der Einkommenstransparenz und Equal Pay erreichen, die Stärkung von Frauen in Führungspositionen forcieren und die Gleichstellung der Geschlechter unterstützen“, sagte sie bei der Pressekonferenz.
 
 
Die männliche Übermacht. Dass dahin gehende Bemühungen bitter notwendig sind, zeigt eine aktuelle Statistik des Weltwirtschaftsforums, die Österreich in einem Ranking, das geschlechtliche Gleichheit misst, auf dem nur mittelmäßigen 34. Platz positioniert. Ob ein „Equal Pay Siegel“ uns Richtung Vorreiter Island katapultiert, sei dahingestellt. Geschlechtliche Parität hat jedoch einen fundamentalen Einfluss auf die Konjunktur und gesellschaftliche Entwicklung. Davon, ob die Hälfte einer Gesellschaft bestmöglich gefördert wird, hängen Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit sowie potenzielles Wachstum ab. Und dennoch werden Frauen in vielen Ländern ihre Rechte verweigert. Frauen verdienen im weltweiten Schnitt knapp 20% weniger als Männer. Bei dem aktuellen Nivellierungs-Tempo ist eine gehaltliche Gleichstellung erst 2059 realistisch.
 
Oft verstoßen Ländergesetze, zum Beispiel im Familienrecht, auch gegen das von den Vereinten Nationen verabschiedete „Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“ während Gewalt gegen Frauen als weltweites Problem in Gesellschaften ebenfalls eine oft nicht geahndete Verletzung der Grundfreiheiten bildet. Frauen erfahren beispielsweise auch weniger Bildung als Jungen. Fast 65 Prozent aller Analphabeten weltweit sind weiblich. Bildung ist jedoch eine gute Waffe gegen Ausbeutung und Übergriffe. Dennoch ist es an der Zeit, die männliche Einwirkung, als solche zu verurteilen. Denn warum soll das Opfer an seinem Schutz arbeiten, während die männliche Täterschaft Alltag bleibt? 
 
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