Bezahlter Menstruationsurlaub

Sollten Frauen mit Periode frei bekommen?

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Ein Unternehmen in England hat eine weltweite Diskussion gestartet.

Oft wird sie verschwiegen. Oft wird Frauen Schwäche wegen ihr zugeschrieben. Oft machen gerade Männer blöde Witze dazu. Manchmal wird sie zum Grund einer Diskriminierung. Selten wird sie so heiß diskutiert wie momentan: Die Periode.

Das britische Unternehmen „Coexist“ in Bristol möchte jetzt einen 3-tägigen monatlichen Urlaub für Frauen, die ihre Periode haben, einführen. Grund dafür sind die oftmals schlimmen Schmerzen und körperlichen Einschränkungen während der Regel. Frauen sollen so die Möglichkeit bekommen, ihrem natürlichen Rhythmus zu folgen und Energie zu tanken, wenn ihr Körper sie dieser beraubt. „Coexist“-Chefin Bex Baxter erklärt ihre Entscheidung gegenüber dem britischen Magazin "Daily Mail" wie folgt: „Ich habe über die Jahre viele weibliche Mitarbeiter gehabt, und habe gesehen, wie sie sich vor ihren Computern vor lauter Schmerzen vornübergebeugt haben. Trotz allem sind sie nicht nach Hause gegangen, weil sie sich selbst nicht als beeinträchtigt ansehen. Das ist nicht fair. Hier bei Coexist haben wir Verständnis. Wenn jemand unter starken Schmerzen leidet – egal welcher Art – dann ermutigen wir diese Person, nach Hause zu gehen um sich auszuruhen. Doch für uns war es auch wichtig, eine sichere Umgebung frei von Vorurteilen zu schaffen, die es Frauen erlaubt, sich Zeit für ihren natürlichen Körper-Rhythmus zu nehmen, ohne das Etikett ‚Krankheit‘ aufgestempelt zu bekommen.“

Glückliche Mitarbeiter = Mehr Produktivität

Mit dieser so genannten „Period Policy“ möchte sie eine bessere Arbeitsatmosphäre schaffen. Sie glaubt auch, dass ihre Mitarbeiter so effizienter sind. Studien haben gezeigt, dass Frauen während ihrer Periode nur 1/3 des normalen Arbeitspensums absolvieren, während sie in kurz nach ihrer Regel, also während den fruchtbaren Tagen, überdurchschnittlich produktiv sind. Baxter, 40, ist der Meinung, dass die Ruhetage während der Periode helfen können, die Produktivität danach noch einmal deutlich zu steigern.
Studien haben außerdem erkannt, dass glückliche Mitarbeiter grundsätzlich mehr leisten.
Und glücklich, dass sind ihre 31 Mitarbeiter, von denen nur sieben Männer sind. Doch auch diese sind mit der neuen Regelung für die Regel mehr als einverstanden.
Aber was sind die Nachteile?

„Hat die ihre Tage oder was?“

Frauen sind im Job benachteiligt. Das beweisen Studien, das beweist aber genauso gut der Alltag. Im Schritt bekommen sie 23% weniger bezahlt als ihre männlichen Kollegen in gleicher Position. Frauen zwischen 28 und 35 Jahren haben schlechtere Aussichten auf eine Neuanstellung, weil viele Arbeitgeber befürchten, die Frau könnte bald schwanger werden. Kein Arbeitsgeber mag Karenz. Zudem ist es für Frauen schwerer, nach einer Schwangerschaft ihre Karriere weiter voran zu treiben.

Doch das sind nicht die einzigen Probleme. Auch Sexismus am Arbeitsplatz ist weit verbreitet. Sagt eine Frau mal etwas lauter ihre Meinung, oder vertritt sie einen Standpunkt, wird sie oft als zickig oder emotional bezeichnet. Hinter vorgehaltener Hand fällt auch schon mal der Satz „Hat die ihre Tage oder was?“

Was passiert jetzt also, wenn gerade männliche Arbeitskollegen genauestens Bescheid wissen, an welchem Punkt des weiblichen Zyklus ihre Kollegin gerade ist? Macht so ein bezahlter Perioden-Urlaub die Frau nicht noch mehr zur Angriffsfläche? Werden ihr dadurch zu bestimmten Tagen berufliche Chancen unterschlagen, weil die Kollegen wissen, dass bald wieder Periodenurlaub ansteht? Und haben Frauen schlechtere Einstellungschancen, wenn sie beim Job-Interview angeben müssen, ob sie den Periodenurlaub in Anspruch nehmen würden?
Und ist die weibliche Regel nicht auch einfach Privatsache?

Vorbilder

Dass es funktionieren kann, sieht man, wenn man nach Asien schaut. In Japan wurde bereits 1947 ein Grundgesetzt verabschiedet, das es Frauen erlaubt, während der Regel daheim zu bleiben. Auch in Südkorea, Taiwan und Indonesien ist dies möglich. Zudem gibt es da noch das Sportunternehmen Nike. Bereits seit Jahren hat diese große, weltweite Firma eine festgelegte „Menstruations-Urlaubs-Klausel“ in ihren Arbeitsverträgen, dass es Frauen jederzeit erlaubt, während ihrer Regel nach Hause zu gehen oder zu Hause zu bleiben.

Es ist ein Thema, zu dem es keine richtige Antwort gibt. Vieles spricht für den Urlaub, einiges, gerade die Benachteiligung der Frauen, die sich dadurch ergeben, sprechen dagegen.
Ob sich die „Menstruationsabwesenheit“ durchsetzt, bleibt abzuwarten.
Jedoch hat sie eine wertvolle Diskussion zum Thema „Gleichberechtigung am Arbeitsplatz“ gestartet.

Was meinen Sie?
Sollte bezahlter Menstruations-Urlaub auch bei uns eingeführt werden?

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