Schwanger in Zeiten von Corona

Die Gynäkologin beantwortet häufige Fragen

Schwanger in Zeiten von Corona

Kommt zu der Sorge um die eigene Gesundheit und die der geliebten Mitmenschen noch die Sorge um das Wohl des Ungeborenen hinzu, ist die psychische Belastung eine gravierende. Die Verunsicherung unter schwangeren Frauen ist groß. Beängstigende Nachrichten im Zusammenhang mit Covid-19, dem Coronavirus, grassieren v. a. in den sozialen Netzwerken. Valide Daten hingegen sind noch rar. Laut AGES würden sich derzeit jedoch keine Hinweise ergeben, dass Schwangere durch eine Covid-19-Erkrankung mehr gefährdet sind als andere Personen.
 
OÄ Dr. Ursula Denison, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe (stellvertretende Abteilungsleiterin an der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung am Krankenhaus Hietzing), spricht im gesund&fit-Interview über den derzeitigen Wissensstand, gibt Tipps zu Hygienemaßnahmen und klärt auf, was gesunde sowie Covid-19-positive Gebärende erwartet. 
 
Wenn sich eine schwangere Frau mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert, welche Auswirkungen kann dies auf Mutter und das Ungeborene haben?
OÄ Dr. Ursula Denison: Grundsätzlich ist es so: Wenn sich eine schwangere Frau mit dem neuartigen Coronavirus ansteckt, ist dies nicht anders, als wenn sich eine nicht-schwangere Frau infiziert. Dies ist eine gute Nachricht. Es treten bei schwangeren Frauen hauptsächlich leichte bis mittelgradige Infektionen auf, die mit einer Grippe vergleichbar sind. Patientinnen verspüren ein Krankheitsgefühl. Typische Symptome einer Covid-19-Erkrankung sind Husten und Fieber. Wenn man als gesunde schwangere Frau diese Symptome hat, braucht man keine Angst haben. Denn wirklich schwere Krankheitsverläufe treten meistens nur dann auf, wenn es schon schwere Vorerkrankungen gegeben hat. Zu diesen zählen Herz-Lungen-Erkrankungen und zum Teil auch ein schlecht eingestellter Typ-1-Diabetes. Wenn eine schwangere Frau eine Vorerkrankung hat, dann ist sie bereits in sehr engmaschiger Betreuung an einem darauf spezialisierten Zentrum. Zumeist sind aber schwangere Frauen gesunde Frauen. Sie zählen daher auch nicht zu einer Risikogruppe.
 
Zählen Frauen, die Schwangerschaftsdiabetes haben, zur Risikogruppe? 
Dr. Denison: Nicht so sehr wie eine Typ-1-Diabetikerin. Aber sie werden Richtung Geburtstermin engmaschiger überwacht. 
 
Wie verhält es sich derzeit mit Vorsorgeuntersuchungen, z. B. jene auf Schwangerschaftsdiabetes?
Dr. Denison: Grundsätzlich können die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durchgeführt werden. Falls eine Untersuchung nicht möglich ist, kann diese auch nach hinten hinaus verschoben werden. Es gibt allerdings eine Empfehlung der Ö. Diabetes Gesellschaft, die lautet, dass sich Frauen mit einem hohen Gestationsdiabetes-Risiko (Anm.: z. B. Häufung der Zuckererkrankung in der Familie) einer Abklärung durch den orale Glukosetoleranz-Test unterziehen sollten. Dieser wird derzeit von Labors auch durchgeführt. Während der Untersuchung muss natürlich darauf geachtet werden, dass Anwesende Abstände wahren. Bei Frauen, die kein hohes Risiko tragen, kann der Test, der normalerweise zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche durchzuführen ist, auf die 30. Woche verschoben werden. Fachärzte beraten diesbezüglich. 
 
Auch wenn gesunde Schwangere nicht zu den Risikogruppen zählen – die Verunsicherung ist oftmals groß. Was raten Sie Frauen, die derzeit schwanger sind?
Dr. Denison: Ich rate ihnen, was ich auch allen anderen Menschen rate: Meiden Sie soziale Kontakte, bleiben Sie Menschen in Ihrem Umfeld, die Symptome wie Husten haben, fern. Halten Sie sich – das gilt für Frauen UND die Partner – an Ausgangsbeschränkungen sowie Schutz- und Hygienemaßnahmen. Ganz wichtig ist: Wenn Sie sich draußen bewegen – z. B. einkaufen –, greifen Sie sich nicht ins Gesicht. Achten Sie zudem darauf, wichtige Besorgungen zu erledigen, wenn wenige Menschen unterwegs sind. 

Wie sollten schwangere Frauen handeln, wenn sie eine Ansteckung vermuten?
Dr. Denison: Stellen sich Symptome wie hohes Fieber, ein Krankheitsgefühl und Husten ein, gilt es, die Hotline 1450 anzurufen. Anhand eines Fragebogens wird erörtert, ob eine Ansteckung vorliegen könnte – gegebenenfalls erfolgt eine Testung. Eine Covid-19-Infektion wird, wie eine Grippe, zu Hause auskuriert. Verschlechtern sich die Symptome, gilt es wieder, 1450 zu kontaktieren. Bei sehr schweren Symptomen helfen die Rettungsorganisationen. 
 
In welchen Fällen wende ich mich an meine Gynäkologin, meinen Gynäkologen?
Dr. Denison: Wenn etwas auftritt, dass mit der Schwangerschaft zu tun hat – wie z. B. Blutungen. Es braucht keine Schwangere das Gefühl haben, dass sie derzeit schlecht versorgt wird. Die Versorgung in Österreich ist sehr gut. Wir können jede schwangere Frau einer Untersuchung zuführen.
 
Gilt es etwas bei der Covid-19-Selbstbehandlung zu Hause zu beachten?
Dr. Denison: Das Wichtigste ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Medikamente betreffend werden zumeist Fiebersenker und schmerzstillende Arzneien benötigt. Die Ärzte, die Sie aufsuchen, wenn Sie Erkrankungssymptome aufweisen, können Ihnen auch sagen, welche Medikamente Sie nehmen können. Es gibt genug Medikamente, die man in der Schwangerschaft einnehmen kann. Falls Sie trotzdem Fragen haben, kann diese Ihr Gynäkologe beantworten. 
 
Der Geburtstermin steht an – was erwartet eine gesunde Frau?
Dr. Denison: Eine kerngesunde Frau – sie ist bereits im Krankenhaus (KH) zur Geburt angemeldet – fährt ins KH, so wie man es im Normalfall tun würde – z. B. bei regelmäßiger Wehentätigkeit, bei Blasensprung. Was sich ändert, ist, dass es vom Bundesministerium eine Besucherregelung gibt. Die Patientin kommt in den Kreißsaal – anfangs noch ohne Begleitperson. Diese hat vor dem Krankenhaus zu warten. Sobald die Patientin unter der Geburt ist, darf eine Begleitperson in den Kreißsaal und der Geburt bewohnen. Nach der Geburt darf die Begleitperson noch drei Stunden bei Mutter und Kind bleiben. Mit Verlassen des Kreißsaals geht die Begleitperson nach Hause. Besuche sind derzeit nämlich keine erlaubt. Eine möglichst frühe Entlassung wird angestrebt. Mutter und Kind werden bei der Entlassung am Eingang von der Begleitperson übernommen. Bei Kaiserschnitt gilt: Vor und nach der Sectio kann die Begleitperson selbstverständlich dabei sein, im Operationssaal dzt. jedoch nicht. 
 
Muss eine Schutzmaske getragen werden?
Dr. Denison: Die Gebärende hat immer das Recht, die Maske – es wird eine OP-Maske verwendet – abzunehmen. Denn sie muss viel atmen. Sonst ist es wichtig – für Gebärende und Begleitperson – darauf zu achten, die Maske richtig zu tragen. 
 
Was sollten bzw. müssen Begleitpersonen/die Väter beachten?
Dr. Denison: Es darf nur jemand mitkommen, der alle Kriterien des Verdachtsfalls nicht erfüllt. Im Kreißsaal ist es wichtig, den Abstand zu Fremden zu wahren. Der Frau darf man natürlich – wie zu Hause auch – nahe sein. 
 
Wie wird bei Covid-19-Verdachtsfällen sowie -Erkrankungen bei einer Geburt derzeit vorgegangen?
Dr. Denison: Wenn Sie ein Verdachtsfall der Definition nach sind bzw. infiziert sind, werden Sie von der Rettung in ein entsprechendes KH gebracht, das auf Covid-Verdachtsfälle und Covid-positive Patientinnen vorbereitet ist. Verdachtsfälle werden bis zum Eintreffen des Testergebnisses isoliert behandelt. Bei Covid-positiven Patientinnen gilt: Angehörige dürfen Sie nicht in den Kreißsaal begleiten. 

Bei einem Status Covid-positiv bei der ­Geburt – bestehen Risiken?
Dr. Denison: Derzeit ist anzunehmen, dass unter der Geburt keine Ansteckung auf das Kind erfolgt. In getestetem Fruchtwasser, getestetem Nabelschnurblut konnten keine Viren nachgewiesen werden. Es besteht also keine Indikation, eine Gebärende wegen Covid-19 einem Kaiserschnitt zuzuführen. Einer normalen spontanen Geburt steht nichts im Wege – auch wenn man Covid-positiv ist. Es steht auch nichts im Wege, einer Patientin eine Schmerzstillung anzubieten – Ausnahme ist Lachgas während der Geburt, da durch die Einatmung Aerosole entstehen, wodurch Viren vermehrt verbreitet werden könnten. 
 
Dürfen Covid-positive Mütter ihre Neugeborenen nach der Geburt halten, sie ­stillen?
Dr. Denison: Dies wird individuell abhängig vom Zustand der Mutter und der zu diesem Zeitpunkt bestehenden Datenlage entschieden. 
 
OÄ Dr. Ursula Denison © OÄ Dr. Ursula Denison
OÄ Dr. Ursula Denison ist FÄ für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, stellv. Leiterin an der Gynäkologischen Abteilung im KH Hietzing. 
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