‚Mein Bruder fehlt mir sehr‘

Ursula Haubner über Jörg Haider:

‚Mein Bruder fehlt mir sehr‘

Weiterleben. Vor zwei Monaten raste Jörg Haider in den Tod. In MADONNA spricht seine Schwester erstmals darüber, wie die Familie mit dem Verlust umgeht.

(c) SingerDas erste Weihnachtsfest nach dem Tod eines geliebten Menschen kann für die, die überbleiben, nicht anders als todtraurig sein. Wird doch zu keiner anderen Zeit im Jahr der Familie so viel Bedeutung beigemessen, wie in den Tagen rund um Christi Geburt. Frau Haubner, sehen Sie den Feiertagen schon mit Bangen entgegen?

Ursula Haubner mit ihrem Bruder Jörg Haider (†). Foto (c) Schwarzl„Da wir Weihnachten nie miteinander gefeiert haben, werde ich meinen Bruder nicht mehr vermissen, als an jedem anderen Tag auch“, sagt Ursula Haubner (63), Schwester Jörg Haiders (58†) mit Tränen in den Augen. Und sie sagt: „Der Jörg fehlt mir sehr, aber er würde nicht wollen, dass seine Familie jetzt keine Lebensfreude mehr hat.“

Im Interview mit MADONNA spricht die Ex-Sozialministerin und BZÖ-Abgeordnete über die Lücke, die ihr Bruder hinterlassen hat und über nicht verstummende Gerüchte. Und sie dementiert, dass sie jemals vorhatte, die Parteiführung zu übernehmen.

Frau Haubner, Sie haben am 11. Oktober Ihren einzigen Bruder verloren. Wie geht es Ihnen, zwei Monate danach?
Ursula Haubner:
Ich schöpfe Kraft aus meiner Familie und aus meinem kleinen, aber sehr starken Freundeskreis. Und ich bin sehr dankbar für die Zeit, die ich meinen Bruder als Politiker begleiten konnte, dankbar auch dafür, dass ich so einen Menschen als Bruder gehabt habe.

Was fehlt Ihnen am meisten?
Haubner:
Unsere Telefonate. Und ja, der Jörg fehlt halt insgesamt in der Familie. Er hatte eine unnachahmliche Art und er war sehr fröhlich. Er fehlt auch in seiner Art, in schwierigsten Situationen immer einen Weg zu finden. Das war auch eine große Stärke von Jörg: In aussichtslosen Situationen zu wissen, wie man das Beste daraus machen kann.

Er hinterlässt natürlich eine große Lücke in der Familie ...
Haubner:
... die niemand ausfüllen kann oder soll.

Ist die Familie durch seinen Tod näher zusammengerückt?
Haubner:
Die Nähe zu unserer Mutter war immer gegeben. Sowohl von Jörgs Seite als auch von meiner Schwägerin. Das war immer sehr intensiv. Und von mir sowieso. Man rückt aber durch so einen tragischen Verlust natürlich schon ein bisschen näher zusammen. Man nimmt sich etwas mehr Zeit für einander.

Wie feiern Sie Weihnachten?
Haubner:
Wir haben nie gemeinsam gefeiert. Er war immer in Kärnten und ich mit unserer Mutter in Oberösterreich. Daran wird sich auch heuer nichts ändern. Die Kontakte zwischendurch, haben sich zwischen meiner Schwägerin und mir jetzt verstärkt.

Es gibt immer wieder Gerüchte über Unstimmigkeiten?
Haubner:
Die stimmen nicht. Meine Schwägerin hat für meinen Bruder als Ehefrau eine andere Rolle und eine andere Bedeutung gehabt als ich. Aber es war nie so, dass eine der anderen etwas streitig hätte machen müssen.

Vielleicht hätte es Eifersüchteleien gegeben, wenn wir in einem Haus gewohnt hätten. Meine Schwägerin ist eine starke Persönlichkeit. Sie hat auch jetzt in dieser schwierigen Situation große Stärke bewiesen. Ihr Leben verläuft jetzt völlig anders – mein Alltag ist gleich, mir fehlt nur ein großer Teil.

Lesen Sie weiter: Über Stefan Petzner und warum sie und ihre Schwägerin nicht in die Fußstapfen Jörg Haiders getreten sind.



Ursula Haubner (rechts) im berührenden Gespräch mit Karin Tomka. Foto (c) SingerJörg Haiders Leben und auch die Umstände seines Todes sind von großem öffentlichen Interesse. Wie geht es Ihnen damit?
Haubner:
Ich finde es sehr schlimm, was man dem toten Jörg Haider alles unterstellt. Einem Menschen, der sich nicht mehr wehren kann, weil er tot ist. Ich kann aber für mich persönlich nur feststellen: Ich weiß, wie er gewesen ist und daher trifft mich das relativ wenig. Aber ich finde es schlimm, dass mit jemandem nach seinem Tod so fahrlässig umgegangen wird. Natürlich belasten diese unsinnigen Gerüchte die ganze Familie.

Hat Ihre Schwägerin deshalb Herrn Petzner aus der Familie ausgeschlossen?
Haubner:
Stefan Petzner war ein enger Mitarbeiter Jörg Haiders, aber er war niemals ein Teil der Familie.

Petzner stellt das anders dar. Es heißt, er hätte zu Ihrem Bruder eine ganz besondere Beziehung gehabt ...
Haubner:
Ich sage es noch einmal: Stefan Petzner war der persönliche Referent. Und mehr ist da nicht gewesen!

Glauben Sie wirklich, dass Jörg Haider die Große Koalition verhindern hätte können?
Haubner:
Es wäre ihm gelungen. Davon bin ich überzeugt.

Warum sind Sie oder Ihre Schwägerin nicht in seine Fußstapfen getreten?
Haubner:
Das war weder für mich, noch für meine Schwägerin jemals ein Thema. Es ist nicht richtig und auch nicht gut zu glauben, jemand aus der Familie sollte das politische Erbe fortführen.

Was sehen Sie vor sich, wenn Sie an Ihren Bruder denken?
Haubner:
Das Bild eines Menschen, der sehr ernsthaft sein konnte, der aber auch immer wieder eine gewisse Leichtigkeit, Zuversicht und Fröhlichkeit gehabt hat. Wir haben irrsinnig viel miteinander gelacht. Oder uns auch miteinander gefreut. Etwa, wenn er mich angerufen hat, dass ihm etwas besonders gut gelungen ist. Ich hatte oft das Gefühl, er braucht jemanden, der ihn lobt und der sich mit ihm freut. Da war er wie ein Kind.

Was wünschen Sie sich?
Haunber:
Es nützt nichts sich zu wünschen, es wäre nichts geschehen. Der Jörg würde sich wünschen, dass wir alle, die um ihn trauern, das Leben mit all seiner Freude und Herausforderung einfach leben.