Sexplanation

Gruppe Sex: Das neue Dr. Sommer Team

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Dr. Sommer war gestern! Die neue Canal+-Serie „Sexplanation“ klärt nun auf - zeitgemäß, humorvoll und empathisch. Hauptdarstellerin Thea Ehre im Interview. 

Kati, Marco, Muharrem und Laura teilen alles miteinander: Liebe, Freude, Trauer, Unsicherheiten - und das Interesse an der schönsten Nebensache der Welt, die in der sechsteiligen fiktiven Serien-Wohngemeinschaft deshalb auch die Hauptrolle spielt. Canal+ gibt in "Sexplanation" Aufklärungsunterricht -und das auf höchstem Niveau. Während Elena Shirin Zoe Handl, Leo Plankenstein, Hisham Morscher und Thea Ehre die geskriptete und doch so realistisch anmutende Geschichte erzählen, liefern Expert:innen spannende Zahlen und Fakten zu den jeweiligen Kernthemen.

Starbesetzung

Begeistert von dem sensibel erarbeiteten Projekt zeigte sich auch Thea Ehre, die die Rolle der Transperson Laura spielt. Die 23-jährige Oberösterreicherin sorgte erst kürzlich für Furore, als sie für ihre Leistung in "Bis ans Ende der Nacht" mit dem Silbernen Bären bei der Berlinale ausgezeichnet wurde. Ein wichtiger Schritt für sie -aber auch für Transpersonen in der Film-und Fernsehwelt, wie die "Sexplanation"-Darstellerin im MA-DONNA-Interview sagt.

Sie spielen eine der Hauptrollen in "Sexplanation", wie kam es zu der Zusammenarbeit - und wieso haben Sie ja gesagt?

Thea Ehre: Die Regisseurin Hanna Mathis hat mir über Instagram geschrieben, ob ich zum Casting kommen möchte. Als ich den Titel "Sexplanation" las, war ich gleich interessiert, weil das wie "Sex Education" klingt und das eine meiner Lieblingsserien ist. Schon beim Casting hatten wir alle eine tolle Zeit zusammen und es war toll, dass es dann geklappt hat. Das ist das Schöne, wenn man gleich merkt, dass man mit den Kolleg:innen auch privat abhängen würde. Das ist die richtige Grundlage für Dreharbeiten -vor allem bei dieser Serie, in der es ja um eine WG geht.

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Warum braucht es ein Aufklärungsformat wie dieses - in einer Zeit, in der wir doch alle scheinbar gut aufgeklärt sind?

Thea Ehre: Also ich hätte genauso eine Serie gerne in meiner Jugend in Oberösterreich zum Ansehen gehabt. Nicht nur wegen der sexuellen Aufklärung, sondern auch, weil in dieser WG Menschen zusammenkommen, die verschiedene Geschichten und Erfahrungen mitbringen. Wie eben etwa Laura, die ich spiele und die auch trans ist. Es ist schön, wenn man eine Repräsentationsfläche dafür hat. Ich hatte das Gefühl, dass es das in meiner Kindheit nicht gab. Ich kannte andere Transfrauen nur, wenn ich wirklich nach ihnen im Internet gesucht habe. Dass das dann noch in einer so schönen Geschichte wie in "Sexplanation" erzählt wird, wo das ja gar nicht das große Thema ist, dass Laura trans ist, sondern einfach nur erklärt wird, finde ich fein. So sehen vielleicht junge Menschen, die auch trans sind, dass es funktionieren kann und dass es diese großen Barrieren gar nicht mehr gibt. Das ist auch das Wichtige an der sexuellen Aufklärung: dass man zeigt, dass es verschiedene Konstrukte gibt, wie man eine Beziehung führen kann, und verschiedene Varianten, wie man safe Sex hat. Der unterhaltsame Strang unserer Geschichte, untermauert von Fakten und Zahlen der vielen Expert:innen -ich denke, das kann man schon Kids ab 12 Jahren ans Herz legen.

Die Geschichte zaubert einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Wie wichtig ist Humor und Leichtigkeit in Bezug auf diese Themen, nämlich auch schwierigere Themen wie Identitätsfragen?

Thea Ehre: Sehr wichtig! Ich bin eine Person, die selbst sehr viel mit Humor nimmt, weil dieser ein bisschen Leichtigkeit ins Leben bringt. Und auch bei Serien und Filmen finde ich es wichtig, dass es Momente gibt, in denen man durchatmen kann. Denn dann werden die Themen, die wichtiger und emotional geladen sind, nochmal interessanter. Man muss zeigen: Das Leben ist nicht nur grau, das kann auch sehr bunt sein!

Auch um etwaige Diskriminierung nicht so nah an sich ranzulassen?

Thea Ehre: Das ist die Frage, wie man das schafft. Ob man sich eine Mauer aufbaut, wobei man aufpassen muss, Sachen nicht einfach zu verdrängen. Aber ich denke, wenn man mit sich selbst im Reinen ist, können einem die Stimmen, die vielleicht gegen einen sind, wirklich egal sein. Das ist das Ziel.

Sie sagen, Sie hätten in Ihrer Jugend selbst gerne eine Serie wie "Sexplanation" gehabt. Wie sind Sie aufgeklärt worden?

Thea Ehre: In der Schule wurde ja nur vom -unter Anführungszeichen normalen -Geschlechtsakt zwischen cis Frau und cis Mann gesprochen. Ich glaube, es gab nicht mal das Thema homosexuellen Sex. Aber wir waren alle sehr interessiert und haben uns den Rest selbst ergoogelt. Und ich hatte das Privileg, sehr aufgeschlossene Eltern zu haben, mit denen ich über alles offen sprechen konnte. Wo ich mich nicht als Mann behaupten musste, sondern ganz frei mit meinem Identitätsfindungsprozess umgehen konnte. Sie hatten immer ein offenes Ohr für mich. Leider ist das immer noch eine Ausnahme, aber hoffentlich ein Vorbild, dass es in anderen Familien auch so aussehen könnte.

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War das auch wichtig in Ihrer Entwicklung als Schauspieler:in?

Thea Ehre: Auf jeden Fall! Auch das war ein Findungsprozess. Ich bin nach Wien gezogen, dann kam langsam die Namensänderung und das Outing, weil man neue Menschen kennenlernt, plötzlich auf eigenen Beinen steht -und eines Tages passt das, womit man sich bei anderen vorstellt, nicht mehr zu dem, wie man sich eigentlich fühlt. Das war dann bei mir auch in der Schauspielerei ein Thema. Ich habe gemerkt, dass mich die klassisch männlichen Rollen irgendwie einzwängen. Deshalb begann ich dann für Frauenrollen vorzusprechen. Heute spiele ich alles, weil oftmals auch die männlichen Rollen im klassischen Theater interessanter geschrieben sind. Das ist einfach leider so. Aber bei den Besetzungen wird man Gott sei Dank immer offener. Jedenfalls konnte ich durch die Schauspielerei sehr viel über mich selbst herausfinden, weil man bei jeder Rolle, die man spielt, mehr über sich selbst lernt.

Was haben Sie durch die Rolle der Laura über sich gelernt?

Thea Ehre: (denkt nach) Laura ist sehr nahe bei mir, muss ich sagen. Ihre Leichtigkeit, ihr Strahlen und ihr offener Umgang mit ihren Gefühlen, ihre emotionale Intelligenz haben mich sehr fasziniert. Sie ist eine Macherin.

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© Getty Images
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Sie sind aber wohl auch eine Macherin ...

Thea Ehre: (lacht) Ja, aber auf eine andere Art. Witzig ist, dass Laura im Haus des Meeres arbeitet -mein Plan B wäre ja gewesen, Meeresbiologie zu studieren, weil mein Vater so viele Aquarien hatte.

Nun wurden Sie aber doch Schauspielerin - und wurden als solche heuer sogar mit dem Silbernen Bären für Ihre Leistung in "Bis ans Ende der Nacht" ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Thea Ehre: Das ist so schwer zu beantworten ... Einfach alles! Dadurch, dass ich diesen Beruf immer - eigentlich seit meinem dritten Lebensjahr -machen wollte, aber auch so viele Selbstzweifel dabei waren, ist dieser Preis sehr, sehr emotional für mich gewesen. Ich bin immer noch ein bisschen baff. Dass meine Eltern auch bei der Berlinale waren, hat das Ganze noch emotionaler gemacht.

Ist diese Ehrung als erste Transfrau auch wichtig für die gesamte Branche?

Thea Ehre: Zuerst habe ich vergessen, dass ich die erste Transfrau bin, die diesen Preis bekommt. (lacht) Aber es ist auf jeden Fall ein Statement - auch mit diesem Film, in dem es ja um Diskriminierung und eine ganz besondere Situation, in der sich diese Transfrau befindet, geht. Dieser Preis ist also schon ein Zeichen. Ich bin sehr dankbar dafür und würde mich freuen, ein Vorbild zu sein.
 

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