Gehaltsschere, Quotenregelung, & Co.

Frauen-Check zur Wahl

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Zur Orientierungshilfe hat MADONNA bei den Parteien nachgefragt, wie ihre frauenpolitischen Forderungen aussehen – von gleichem Lohn über Gewaltschutz bis Quoten.

Wer den wirklich langen Wahlkampf und seine unzähligen TV-Duelle und Elefantenrunden aufmerksam verfolgt hat, dem ist wahrscheinlich aufgefallen, wer – wieder einmal – die große Abwesende der Polit-Schlacht war: die Frauenpolitik. Um auch in diesem Bereich einen Tag vor dem Urnengang am Sonntag eine Orientierungshilfe zu bieten, hat MADONNA in den Parteizentralen nachgefragt, mit welchen Maßnahmen sie die Lohnschere zwischen Frauen und Männern (in Österreich immer noch rund 20 Prozent) schließen, das ungleiche Verhältnis bei Betreuung von Kindern verbessern und Gewalt gegen Frauen endlich eindämmen wollen. 
 
Gemeinsamkeiten: SPÖ, Grüne und Liste Jetzt fordern etwa ein Gesetz, wie es in Island eingeführt wurde, das Strafen für Unternehmen vorsieht, die Frauen und Männer ungleich bezahlen. Die Neos wollen darüber nachdenken, ÖVP und FPÖ hingegen lieber auf Transparenz setzen. 

ÖVP Sebastian Kurz

 

40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten

Kurz
© JOE KLAMAR / AFP
Sollen Unternehmen, die Frauen und Männer ungleich bezahlen, bestraft werden?
Es braucht mehr Bewusstseinsbildung bei den Unternehmen. Dabei setzen wir u. a. auf mehr Einkommenstransparenz.

Soll das Frauenbudget erhöht werden?
Wir bekennen uns selbstverständlich zu einem ausreichend ausgestatteten Frauenbudget. 

Wie den Gewaltschutz verbessern?
Neben den Maßnahmen in unserem Gewaltschutzpaket ist es wichtig, das Angebot an Unterstützungseinrichtungen für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, zu erweitern. 

Wie stehen Sie zu Frauenquoten?
Wir möchten etwa den Frauenanteil in öffentlichen Unternehmen weiter erhöhen, zum Beispiel durch mindestens 40 Prozent Frauen in jedem Aufsichtsrat. Zusätzlich fordern wir das Ziel einer Frauenquote von 40 Prozent in allen Parlamentsklubs.

 

SPÖ Pamela Rendi-Wagner

 

Wollen Strafen für ungleiches Gehalt

Rendi
© APA/HANS PUNZ
Sollen Unternehmen, die Frauen und Männer ungleich bezahlen, bestraft werden?
Ja, wer Frauen schlechter bezahlt, soll bestraft werden – wie bei dem Modell in Island.
 
Soll das Frauenbudget erhöht werden?
Ja.
 
Wie den Gewaltschutz verbessern?
In jedem Bundesland muss es Beratungsstellen geben, bisher gibt es die nur in fünf Ländern. Wir müssen die Plätze in Frauenhäusern ausbauen: mindestens ein Platz pro 10.000 Einwohner. Wir wollen mehr in Prävention investieren, denn Frauenmorde sind oft Ergebnis einer Gewaltspirale. 

Wie stehen Sie zu Frauenquoten?
Wir setzen uns ein für Einkommenstransparenz und die gleiche Vertretung von Männern und Frauen in politischen, sozialen und wirtschaftlichen Schlüsselstellungen. Frauenquoten sind auf diesem Weg ein notwendiges Mittel. 

 

FPÖ Norbert Hofer

 

Null-Toleranz für Sexualverbrecher

Norbert Hofer
© APA/ERWIN SCHERIAU
Sollen Unternehmen, die Frauen und Männer ungleich bezahlen, bestraft werden?
Wir sehen die Zusammenführung der bestehenden Einkommensberichte auf bundesweit einheitlichen Standard als wichtigere und effizientere Maßnahme an als Strafen.
 
Soll das Frauenbudget erhöht werden?
Ein angemessenes Budget für Frauenangelegenheiten, insbesondere dem Gewaltschutz, ist aus unserer Sicht ­sicherzustellen.
 
Wie den Gewaltschutz verbessern?
Es ist ein Grundrecht, sich als Frau frei und ohne Angst, jederzeit und überall bewegen zu können. Daher stehen wir für eine Null-Toleranz-Politik für Sexual- und Gewaltverbrecher ein, Opferschutz muss vor dem Täterschutz stehen.
 
Wie stehen Sie zu Frauenquoten?
Politik soll ein Wettbewerb der Ideen sein, in dem das Geschlecht kein Kriterium ist. Wir wollen keine Quoten.


NEOS Beate Meinl-Reisinger

 

Frauenbudget ist nicht ausreichend

Frauen-Check zur Wahl
© APA/HANS PUNZ
Sollen Unternehmen, die Frauen und Männer ungleich bezahlen, bestraft werden?
Über ein Gesetz ähnlich wie in Island kann man durchaus nachdenken. Was nicht geht, ist, dass österreichische Klein- und Mittelbetriebe noch weiter belastet werden. 

Soll das Frauenbudget erhöht werden?
Ja! Ein Budget von 10 Millionen Euro pro Jahr ist nicht ausreichend.
 
Wie den Gewaltschutz verbessern?
Wir brauchen mehr Budget und eine Finanzierung, die von einer koordinierenden Stelle aus geregelt wird. Täterarbeit und Präventionsangebote müssen ausgebaut werden, es sollen Gewaltambulanzen in jedem Bundesland etabliert werden.
 
Wie stehen Sie zu Frauenquoten?
Dort, wo der Staat Steuerungsmöglichkeiten hat, soll er diese auch nutzen und mit gutem Vorbild vorangehen. Im privatwirtschaftlichen Bereich sehen wir Quoten sehr kritisch.

 

JETZT Peter Pilz

 

Mehr Geld für die Beratungsstellen

Peter Pilz
© APA/ROLAND SCHLAGER
Sollen Unternehmen, so wie es in Island seit einiger Zeit Gesetz ist, die Frauen und Männer ungleich bezahlen, bestraft werden?
Ja, unbedingt, die Gehaltsschere muss endlich geschlossen werden. 
 
Soll das Frauenbudget (derzeit 10 Mio. Euro im Jahr) erhöht werden?
Ja. Unter Türkis-Blau wurde das Budget für Frauenprojekte massiv gekürzt. Hier ist eine Kurskorrektur dringend erforderlich.
 
Mit welchen Maßnahmen soll der ­Gewaltschutz verbessert werden?
Wir fordern mehr Geld für Beratungsstellen und Frauenhäuser sowie bessere Gewaltpräventionsmaßnahmen. Dazu zählt auch eine Verbesserung der Täterarbeit. 
 
Wie stehen Sie zu Frauenquoten?
Wir fordern eine verpflichtende Frauenquote in den Aufsichtsräten und Vorständen privater Unternehmen sowie in staatsnahen Betrieben. 

 

GRÜNE Werner Kogler

 

Ohne Frauenquote wird es nicht gehen

Frauen-Check zur Wahl
© APA/HERBERT PFARRHOFER
Sollen Unternehmen, die Frauen und Männer ungleich bezahlen, bestraft werden?
Ja. Gleichwertige Arbeit muss gleich bezahlt werden. Wer weniger bezahlt, verletzt das Gesetz, diskriminiert Menschen.

Soll das Frauenbudget erhöht werden?
Ja. Unbedingt. Das Frauenministerium muss endlich in die Lage versetzt werden, seine Aufgaben vollständig erfüllen zu können. 

Wie den Gewaltschutz verbessern?
Aufstockung der Mittel für Gewaltprävention, ein nationaler Aktionsplan und bundesweite finanzielle und rechtliche Absicherung von Opferschutzeinrichtungen. Ausbau von Programmen für opferschutzorientierte Täterarbeit sowie Bewusstseinskampagnen ist dringend nötig. 

Wie stehen Sie zu Frauenquoten?
Wir wollen Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Bereichen – und das geht ohne Frauenquoten nicht.
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