Mein perfekter Tag

Ein Tag, der mein ganzes Leben verändern würde.

In der U-Bahn hatte es brütende 40°C, vielleicht sogar mehr.

Sah man in die hochroten Gesichter der Fahrgäste, hatte man bei manchen das Gefühl, sie würden jeden Augenblick kollabieren. Die Luft war drückend heiß und vermischte sich experimentierfreudig mit den unzähligen Körpergerüchen.

Aneinandergepresst standen die Fahrgäste im Waggon, denn natürlich waren alle Sitzplätze besetzt. Wagte man den Versuch, in das Wageninnere zu gelangen – um einen der raren freien Stehplätze zu ergattern – erntete man böse Blicke vom Mob an den Eingangsbereichen, begleitet von vielen gestreckten Ellbogen, die einem den Weg versperrten. Ich hatte das Glück einen Sitzplatz mein Eigen zu nennen, und so konnte ich, abgesehen von der stickigen Luft und dem unerträglichen Schweißgestank meines Sitznachbarn, die Fahrt einigermaßen ertragen.

Die Artenvielfalt der Spezies „U-Bahnfahrer“ war wie immer enorm.
Wir hatten die „Meine Tasche braucht ihren eigenen Sitzplatz“ Fahrerin im Angebot, die energisch, begleitet von einem wütenden Fauchen, alle Versuche von Mitfahrern abwehrte, die diesen freien Platz beanspruchen wollten. Oder die “Laut-Telefonierer“, die ihre Beziehungsprobleme in einer Lautsstärke besprachen, dass man alleine vom Zuhören schon rote Ohren bekam.
Zu meinen Favoriten gehören aber eindeutig die „Ich bin zwar ein kleiner Mann, brauche aber doppelt so viel Platz“ Fraktion. Das ist jene Spezies, die man unter Männern kleineren Wuchses beobachten kann. Trotz ihrer geringen Körpergröße, können sie sich derart lang machen, dass sein Vis-á-Vis seine Beine verschämt zurückziehen muss. Da saß ich nun, eingekeilt zwischen Schwitzern, Laut-Telefonierern und dem kleinem Mann, ganz groß – und doch war meine cholerische Lebensenergie kein bisschen davon beeindruckt. Im Gegenteil, ruhig und mit einem Lächeln auf den Lippen, beobachtete ich das Treiben. Völlig untypisch für mich. Aber dieser Tag, war mein Tag. Ein Tag, der mein ganzes Leben verändern würde, auf eine Weise, die ich selbst noch nicht begreifen konnte. Ich hatte gerade erfahren, dass ich ein Baby erwarte