‚Ein Haufen mehr Arbeit!‘

Maria Vassilakou ist neue „GRÜNE“-Chefin – für drei Monate

‚Ein Haufen mehr Arbeit!‘

Am 1. Juli brachte Eva Glawischnig ihr zweites Kind zur Welt – und machte Maria Vassilakou so zur „Chefin auf Zeit“. Der Talk.



Dass der 1. Juli 2009 ein ganz besonderer Tag im Leben von Eva Glawischnig (40) ist, steht außer Diskussion. Doch da ist noch jemand, dessen Herz an jenem Mittwoch vor eineinhalb Wochen ganz schön hoch schlug, als die Grüne Bundessprecherin ihren zweiten Sohn, Sebastian, verfrüht zur Welt brachte. Immerhin trat Maria Vassilakou (40), langjährige Wiener Gemeinderätin und Klubobfrau der Grünen, damit die Vertretung als Parteichefin an. Drei Monate lang übernimmt die gebürtige Griechin, die seit 23 Jahren in Österreich lebt, die Agenden von Glawischnig. Kein einfacher Job, gilt es doch gerade jetzt, die Grünen neu zu positionieren und das Image der Partei aufzupolieren. Wie sie das machen möchte, erklärt die sympathische „Parteichefin auf Zeit“ im MADONNA-Talk.

Eigentlich wären Sie erst seit gestern stellvertretende Bundessprecherin – aufgrund der frühzeitigen Geburt von Eva Glawischnigs Kind haben Sie ihre Agenden aber bereits am 1. Juli übernommen. Eine Überraschung für Sie?
Maria Vassilakou: Ja, ursprünglich war der 10. Juli geplant, aber Evas Baby hatte es etwas eilig (lacht). Aber ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass es früher losgehen könnte. Somit blieb ich relativ entspannt.
Wie lange haben Sie sich auf die neue Aufgabe vorbereitet?
Vassilakou: Eine Übergabe in dem Sinne war nicht erforderlich, da ich ja schon seit Jahren Mitglied des Bundesvorstands bin und durch unsere enge Kommunikation ja ganz genau über alles Bescheid wusste. Es war also ein fließender Übergang.
Inwiefern hat sich Ihr Leben in der letzten Woche verändert?
Vassilakou: Die wesentliche Veränderung liegt privat vor allem darin, dass der Sommer sonst immer jener Zeitraum ist, in dem ich meinen Urlaub möglichst am Stück verbringe. Das ist in diesem Sommer obsolet. Beruflich kommen für mich zur aktiven Planung des Wiener Wahlkampfs die programmatische Neupositionierung der Grünen, unser Nachwuchsprojekt und der Zukunftskongress, den wir für Herbst planen, dazu. Also es ist wirklich ein Haufen mehr Arbeit (lacht)!
Was sagt Ihr Mann dazu, dass Ihnen jetzt noch weniger Zeit für Ihr Privatleben bleibt?
Vassilakou: Wir hatten ja relativ lange Zeit, uns darauf einzustellen. Und nachdem mein Mann und ich seit 15 Jahren verheiratet sind, sind wir ein eingespieltes Team. Ich bin seit 13 Jahren in der Politik – da hat es schon viele Wahlkämpfe und stressige Zeiten gegeben. Außerdem ist mein Mann selbstständig und damit ein bisschen flexibler.
„Eva beherrscht die Kunst des Vertrauens und des Delegierens.“ Bild: (c) APAWas haben Sie sich für die kommenden drei Monate vorgenommen – kann man in so kurzer Zeit überhaupt etwas bewirken oder verändern?
Vassilakou: Mein Vorteil ist, dass das Arbeitsprogramm für die nächsten Wochen, das ja bereits vorlag, ziemlich genau meinen Vorstellungen entspricht. Das Gebot der Stunde ist, dass man bahnbrechende Strategien und auch konkrete Lösungskonzepte für zentrale Bereiche entwickelt – sei es für den Bereich der Energieversorgung, der Modernisierung des sozialen Systems, der Gleichberechtigung der Geschlechter oder der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Ich bin davon überzeugt, dass auch wir Grünen aus unserem programmatischen Denken ausbrechen und mit Pionierkonzepten für das kommende Jahrzehnt aufwarten müssen. Das ist eine spannende Aufgabe, der ich mich jetzt widme, um die Weichen für später zu stellen.
Das Image der Grünen hat sich in den letzten Monaten verschlechtert – wie werden Sie versuchen, es aufzupolieren?
Vassilakou: Die Frage ist, ob es zusätzliche Imagearbeit braucht, oder ob nicht zukunftsweisende Konzepte und neue Wege, Politik zu machen, ohnehin die beste Form der Imagepflege ist. Das Wichtigste ist, authentisch zu sein.
Wie sehr wird sich Eva Glawischnig während ihrer Babypause einbringen?
Vassilakou: Eva Glawischnig hat einen sehr angenehmen Führungsstil, der am besten mit einem Wort zu erklären ist: Vertrauen! Wie jede kluge Chefin beherrscht sie die Kunst des Vertrauens und des Delegierens. Sie wird sich alles anschauen, wenn sie wieder da ist – und ich gehe einmal davon aus, dass es ihr gefallen wird. Aber in diesen drei Monaten wird sie sich einmal ganz auf ihr Baby konzentrieren – und das ist auch richtig und wichtig so.
Kritiker halten drei Monate Babypause für viel zu kurz ...
Vassilakou: Ich finde, das ist die höchstpersönliche Entscheidung jeder Mutter und jedes Paares. Am Ende geht es um zwei Dinge: Glückliche Kinder und die Verpflichtung des Staates, es zu gewährleisten, dass man vom ersten Moment an die Wahl hat, ob und wie lange man zu Hause bleibt.
Wie stehen Sie zu den momentanen Verhandlungen bezüglich des einkommensabhängigen Kindergelds?
Vassilakou: Es sind die Grünen, die seit jeher ein einkommensabhängiges Kindergeld gefordert haben. Daher: Alles, was in diese Richtung geht, wird von uns begrüßt. Zum Streit zwischen Gabriele Heinisch-Hosek und Christine Marek bezüglich der Bezüge für Alleinerzieherinnen kann ich nur sagen: Die ÖVP trägt in allen familienpolitischen Debatten leider nach wie vor ideologische Scheuklappen, die ihr nicht ermöglichen, kluge, richtungsweisende Entscheidungen zu treffen – ohne dass wir monatelang von lähmenden Debatten aufgehalten werden. Ich würde mir wünschen, dass die ÖVP endlich einmal im 21. Jahrhundert ankommt!
Sie sind gebürtige Griechin, haben sowohl die griechische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft – wo sind Sie zu Hause?
Vassilakou: Ganz bestimmt in Österreich. Ich bin vor 23 Jahren hierhergekommen und habe mich in Wien verliebt. Ich kann mir nicht vorstellen, diese Stadt jemals wieder zu verlassen. Mein Herz gehört Wien, Wien, Wien (lacht). Auch politisch.
Sprich, das ständige Amt der Bundessprecherin wird nie Ihr großes Ziel?
Vassilakou: Ich sehe meine derzeitige Aufgabe wie einen Staffellauf. Man gibt alles, aber es ist dann auch gut, die Stafette wieder abzugeben, damit man ein wenig ausschnaufen kann (lacht). Danach muss ich ja wieder Vollgas im Wiener Wahlkampf geben. Darüber, was später passiert, zerbreche ich mir nicht den Kopf. Ich bin ein Mensch, der sich immer mit voller Leidenschaft nur einem Ziel widmet, ohne links und rechts zu schielen!