US-Filmstar Julia Roberts wird 42

Wo sie auftaucht, sorgt sie für Aufruhr. Dass das nicht immer positiv ist, musste US-Filmstar Julia Roberts, die am 28. Oktober 42 Jahre alt wird, kürzlich in Indien feststellen. Dort umgab sich der "Pretty Woman"-Star am Drehort mit Hunderten von Sicherheitsleuten.

Als die Bodyguards die Dorfbewohner davon abhielten, einen Hindu-Tempel zu betreten, äußerte sich ein Gläubiger tief enttäuscht: "Es ist die heiligste Zeit des Jahres und es sollte uns nicht verwehrt werden, unseren Tempel zu besuchen." Der Dreh verlangt auch seiner Hauptdarstellerin einiges ab. Roberts spielt in dem Kinofilm "Eat, Pray, Love" die Rolle einer erfolgreichen New Yorkerin, die sich nach einer geplatzten Ehe ihren Traum von einer Selbstfindungsreise durch Italien, Indien und Bali erfüllt. Alles Orte, an denen sich die Diva nicht mehr ohne Sonnenbrille zeigte. Der Mailänder "Corriere della Sera" mutmaßte, dass sich die Schauspielerin nebenher auch noch um Ehemann Danny Moder und ihre drei kleinen Kinder kümmern musste, die mit in die italienische Hauptstadt gereist waren - das mache wohl Augenringe.

Die Familie aber ist es, die ihr Leben erfüllt. Zumindest sagte sie das noch vor zwei Jahren. "Ich habe alles, was ich mir jemals wünschen konnte", meinte die Oscarpreisträgerin. "Und die Erweiterung meines Lebens - und meiner Hüften - ist das Geschenk meines Mannes, ohne den ich sehr einsam wäre." Im Juni 2007 war ihr drittes Kind auf die Welt gekommen, der kleine Henry Daniel. Die Zwillinge Hazel und Finn werden in einem Monat fünf Jahre alt.

"Ich bin ein ganz normaler Mensch, der nur einen außergewöhnlichen Job hat", sagte Julia Roberts einmal. Und dass sie diese Fiktion auf der Leinwand aufrechterhalten kann, macht wohl genau den Charme all ihrer guten Filme aus. Als erstes und vor allem natürlich bei "Pretty Woman" (1990). Wie leicht und selbstverständlich sie in dieser herzerweichenden Aschenputtelgeschichte von Regisseur Garry Marshall die kleine Prostituierte spielt, die den reichen Freier Richard Gere die ganz große Liebe entdecken lässt, ist einfach unschlagbar. Hinter den Kulissen soll sie freilich durchaus ihre Starallüren pflegen.

"Pretty Woman" war nach "Pizza, Pizza" (1988) und "Magnolien aus Stahl" (1989) einer der ersten Filme, den die aus einer armen Schaustellerfamilie stammende Schauspielerin drehte - aber er katapultierte sie auf Anhieb an die Spitze der Hollywoodstars und trug ihr einen Golden Globe sowie eine Oscarnominierung ein. Für die damals erst 23-jährige Roberts war der Erfolg auch eine Last. Immer wieder wurde sie an der von ihr selbst gelegten Latte gemessen. In den 90er Jahren folgten einige Filme, die an den Kinokassen floppten. Und sie selbst versuchte alles, ihr Image als "America's Sweetheart" loszuwerden. Trotz Millionengagen lehnte sie alle Rollen in romantischen Liebeskomödien ab und ließ sich so spätere Kinohits wie etwa "Shakespeare in Love" entgehen.

Erst mit "Die Hochzeit meines besten Freundes" (1997) kehrte Roberts zu dem Genre zurück, in dem das Publikum sie so liebt. "Ich bin in meine Niedlichkeit so ein bisschen hineingewachsen", sagte sie damals und feierte anschließend mit "Notting Hill" (1999, mit Hugh Grant) und "Die Braut, die sich nicht traut" (1999, wieder mit Richard Gere) weitere Erfolge.

Bisheriger Höhepunkt ihrer Karriere war jedoch im Jahr 2000 der Film "Erin Brockovich" von Regisseur Steven Soderbergh, für den sie den Oscar bekam. Als "Robin Hood auf Stöckelschuhen", so der "Spiegel" damals, spielte sie hinreißend eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die einem riesigen Umweltskandal auf die Spur kommt. Das Thema lag ihr auch privat am Herzen: Roberts ist seit langem sozial engagiert - für den Umweltschutz, krebskranke Kinder und vor allem für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

Ihr Biograf James Spada hat für ihre ungewöhnliche Ausstrahlung eine besondere Erklärung. Ihre Schönheit sei ein Schutzanzug, den sie sich im Kampf ums Überleben zugelegt habe. Tatsächlich hat die in Smyrna im US-Bundesstaat Georgia geborene Roberts schon früh schwer verkraftbare Situationen erfahren müssen. Ihre Eltern, die mehr schlecht als recht von einem fahrbaren Kindertheater lebten, ließen sich 1971 scheiden, fünf Jahre später starb der Vater an Krebs. Die Mutter heiratete nochmals, aber auch diese Ehe zerbrach.

Roberts redet nicht gern über diese Erfahrungen, wie sie generell gegenüber Journalisten mehr als skeptisch ist. Aber ihre Lebensgeschichte zeigt, dass verlässliche Bindungen ihr lange Zeit nicht leichtfielen. Fast zwei Dutzend längere und kürzere Liebschaften sagen die Hollywood-Klatschblätter ihr nach - von Kiefer Sutherland über Liam Neeson bis zu Benjamin Bratt und Dylan McDermott. Erst die Überraschungshochzeit mit dem Kameramann Moder im Jahr 2002 auf ihrer Ranch in New Mexico brachte Ruhe in Roberts' Leben: "Mehr als alles andere bin ich die stolzeste Ehefrau und Mutter von drei wunderbaren Kindern."

Für ihre Familie steckte Roberts auch eine Weile zurück. Mike Nichols Drama "Hautnah" war 2004 ihr letzter Film vor der Babypause mit den Zwillingen. Als zweieinhalb Jahre später das dritte Kind kam, nahm sich der Hollywood-Star nicht mehr ganz so viel Zeit. Im Februar 2008 kam "Der Krieg des Charlie Wilson" in die deutschen Kinos, ein halbes Jahr später "Zurück im Sommer". Obwohl nur wenige Male zu sehen, ist die von Julia Roberts mit wenig Aufwand gespielte Mutter unzweifelhaft die Zentralfigur - und die Schauspielerin damit der Star dieses Films. Roberts zeigt hier, wie sie seit ihren Anfängen als "Pretty Woman" gereift ist und über welch breitgefächerte darstellerische Möglichkeiten sie verfügt. Sie porträtiert die Frau in verschiedenen Altersphasen fern jeder Eitelkeit pointiert als komplizierten Charakter mit vielen Ecken und Kanten.

Zuletzt wurde Roberts für ihre Rolle in "Duplicity - Gemeinsame Geheimsache" gelobt, der im April angelaufen war. Die Spionagefilm-Persiflage bekam das Prädikat "besonders wertvoll" verliehen. Das könnte auch an Julia Roberts gelegen haben. Denn "Duplicity" bot ihr reichlich Gelegenheiten, ihr strahlendes Lächeln zu zeigen. Und dieses Lächeln, dieses breite, unwiderstehliche, hinreißenden Lächeln ist Gold wert.