Johannes Heesters wird 106

Allein die Bühnenkarriere von Johannes Heesters erreicht mittlerweile eine Länge, die der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Erdenbürgers entspricht - und dabei war der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort Geborene nicht einmal ein Frühstarter: Vor 75 Jahren debütierte er im Alter von 31 Jahren in Karl Millöckers Operette "Der Bettelstudent" an der Wiener Volksoper als Sänger.

Erste Gehversuche als Schauspieler auf der Bühne hatte er allerdings bereits 1921 unternommen. Mit dieser Vergangenheit und weiterhin absolvierten Auftritten gilt Heesters heute als der vermutlich älteste noch arbeitende Schauspieler der Welt, obgleich der betagte Akteur mittlerweile beinahe erblindet ist. Zuletzt trat er im Juni am Alten Schauspielhaus Stuttgart als Gott im Jedermann auf die Bühne.

In die Analen der Musikgeschichte wird der Entertainer jedoch eher als Graf Danilo in Franz Lehars "Die lustige Witwe" eingehen - eine Rolle, die er mehr als 1.500 Mal verkörperte und damit das Auftrittslied "Da geh' ich ins Maxim" zum Klassiker machte. Der Danilo prägte überdies auf ewig das Heesters-Bild als alternder Gigolo mit Frack, Seidenschal, Sektglas in der Hand und Blume im Knopfloch.

Dabei hatte der Holländer seinen Karriereweg äußerst seriös begonnen und zunächst eine Banklehre absolviert, bevor die Gesangs-und Schauspielausbildung folgte. Bereits 1924 hatte er in der niederländischen Produktion "Cirque Hollandais" seinen ersten Filmauftritt. Der große Erfolg stellte sich jedoch erst zehn Jahre später als Operettentenor ein, was Heesters 1934 an die Wiener Volksoper führte.

Im Jahr 1936 wechselte der Niederländer zur Berliner Ufa, wobei die Zusammenarbeit mit Millöckers "Bettelstudent" begann. Spätestens während dem II. Weltkrieg avancierte er zusammen mit der Schwedin Zarah Leander und der Ungarin Marika Rökk zum Star des deutschen Revuegenres. In diese Zeit, 1941, fällt auch Heesters umstrittener Besuch im KZ Dachau, der in seiner Darstellung auf Befehl erfolgte. Bis heute führt der Schauspieler einen Prozess gegen die Behauptung, er sei dort gar aufgetreten - wobei Heesters in erster Instanz bereits abgewiesen wurde.

Auf der Leinwand zeigte sich Heesters jedenfalls wie auch im frühen Nachkriegskino vornehmlich als der charakterlich untadelige, mit ironischer Attitüde komische Situationen unterspielende Charmeur. So trat er auch nach 1945 in zahlreichen Unterhaltungsfilmen auf und wurde 1953 von Otto Preminger für "Die Jungfrau auf dem Dach" sogar nach Hollywood geholt. Seinen vorerst letzten Kinoauftritt absolvierte der 105-Jährige 2008 in Til Schweigers Mittelalterschwank "1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde".

Allerdings tourte der Sänger und Schauspieler neben der Filmarbeit immer auch mit Operetten und anderen Programmen durch die Länder. So gab er heuer etwa in Hamburg "Im Weißen Rössl" noch Kaiser Franz Joseph. Ein Jahr zuvor, 2008, war es für Heesters, in seinem Heimatland aufgrund seines Erfolges in Nazi-Deutschland nicht gut beleumdet, zu einem versöhnlichen Auftritt in seinem Geburtsort Amersfoort gekommen.

Immer an seiner Seite ist seine 60-jährige Ehefrau Simone Rethel mit Spitznamen Poppie, die er im Jahr 1992 heiratete. Seine Tochter Nicole Heesters, Schauspielerin wie der Papa, entsprang allerdings wie ihre Schwester Wiesje der ersten Ehe Heesters mit der belgischen Schauspielerin Louise H. Ghijs, mit der er von 1930 bis zu ihrem Tod 1985 verheiratet war.

In seinem langen Künstlerleben wurde Heesters mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, so etwa 1967 mit dem Ehrenpreis der Stadt Wien, 1982 mit dem Johannes-Heesters-Ring des Theaters an der Wien, 1984 mit der Ehrenmitgliedschaft der Volksoper Wien und 2001 mit der Platin-Romy für sein Lebenswerk. Geradezu überhäuft wurde der Entertainer jedoch mit Bambis, von denen er bisher acht sein Eigen nennen darf.