Behörde verteidigt Rückzug von "Avatar" aus China

Mangelndes Interesse an dem Science-Fiction "Avatar - Aufbruch nach Pandora" in China ist nach offizieller Darstellung der Grund, dass der Film nur noch eingeschränkt gezeigt wird. Es sei eine kommerzielle Entscheidung gewesen, da nicht mehr ausreichend viele Besucher die normale Leinwandversion hätten sehen wollen.

Ein Zusammenhang mit der zunehmenden Debatte über Zwangsräumungen in China und dem Science-Fiction, der die gewaltsame Vertreibung eines Volkes aus seiner Heimat erzählt, wurde zurückgewiesen. "Ich glaube, das ist ein wohlgemeinter Witz von Internetnutzern", sagte ein Sprecher der Filmabteilung des staatlichen Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen am Mittwoch in Peking. Regisseur James Cameron habe wohl keine Verbindung zu Chinas Abriss-Problematik herstellen wollen.

Der Film hat aber bei Chinesen einen Nerv getroffen, weil sich viele durch die Vertreibungsgeschichte an das Schicksal ihrer eigenen Familien erinnert fühlen, die zwangsweise ihre Häuser für neue Immobilienprojekte verlassen müssen. Bei Protestaktionen gegen Neubauten verwiesen Bewohner schon auf Spruchbändern auf den Film. Der prämierte Hollywood-Streifen darf vom Wochenende an nicht mehr in der normalen Leinwandversion, sondern nur noch in Kinos mit 3D-Technologie gezeigt werden.

Es war spekuliert worden, dass mit dem Rückzug von "Avatar" einerseits unliebsame ausländische Konkurrenz beseitigt und andererseits die Debatte über Zwangsräumungen eingedämmt werden soll. "Es gab viele leere Plätze. Deswegen ist es nur normal, die zweidimensionale Version von der Leinwand zu nehmen", argumentierte hingegen der Vizechef der Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen, Zhang Hongsen, nach Angaben der Nachrichtenagentur China News.

In normalen Lichtspieltheatern wird "Avatar" für die Feriensaison über das anstehende chinesische Neujahresfest durch die heimische Produktion "Konfuzius" über das Leben des großen Philosophen ersetzt. China hat 1.700 Lichtspieltheater mit mehr als 4.000 einzelnen Kinosälen, von denen aber nur gut 500 3D-Technologie haben.